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Produkttest: Seagate Momentus 7200.4 (ST9500420AS) – Teil 2



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Performanceschub im Hosentaschenformat – Ergebnisse und Fazit
Ergebnisse: Geschwindigkeit – Wenn man sich die Transferrate der Seagate ST9500420AS anschaut, könnte man anfangs denken, dass es sich um eine Desktop-Festplatte handelt. Daten werden im Durchschnitt mit 81,4 MB/s gelesen, was vor nicht allzu langer Zeit schnelle 3,5-Zoll-Modelle erreichten. Maximal wurde eine Lesegeschwindigkeit von über 100 MB/s gemessen. Auch der Minimalwert ist mit knapp 50 MB/s nicht zu verachten. Nicht wenige Datenträger mit 5400 U/Min. erreichen kaum mehr im Durchschnitt. Weniger beeindruckend ist die Zugriffszeit. Dass es auch mit weniger Umdrehungen schneller gehen kann, zeigte die Western Digital WD5000BEVT im letzten Test. Im ersten Durchgang kam die Seagate auf eine Zugriffszeit von 17,2 ms. Die WD war da mit 16,3 ms bedeutend zügiger. Nach einer Überprüfung des AAM-Wertes (Automatic Acoustic Management) stellte sich heraus, dass die Momentus mit angezogener Handbremse arbeitete. Der AAM-Wert hat einen Einfluss auf die Lautstärke der Zugriffsgeräusche. Je kleiner der Wert ist, desto geringer sind in der Regel die Zugriffsgeräusche.
Stellt man das AAM auf den höchsten Wert, sinken die Zugriffszeiten um 0,5 ms auf 16,7 ms. Zwar ist die WD5000BEVT immer noch schneller, aber immerhin in Reichweite. Daten werden mit einer Geschwindigkeit von durchschnittlich 75,7 MB/s geschrieben. Gleichzeitig steigt die Zugriffszeit auf 17 ms. Dass Schreibvorgänge immer langsamer sind als das Lesen von Daten sollte eigentlich niemanden verwundern, insbesondere, wenn der Unterschied nur sehr marginal ist.

Warum der Datenträger aus dem Hause Seagate beim darauffolgenden Test CrystalDiskMark schneller schreibt als liest, bleibt unverständlich. Zumindest die sequentiellen Lese- und Schreibraten sind gleich und stimmen mit den Werten aus dem vorangegangen Benchmark überein. Werte von über 100 MB/s bedeuten ein Performanceplus von bis zu 30 Prozent gegenüber den schnellsten 5400 U/Min-Vertretern. Bei kleinen Datenblöcken von 512 Kb ist die ST9500420AS sogar mehr als 40 Prozent zügiger. Warum die Geschwindigkeit von sehr kleinen Blöcken beim Schreiben langsamer ist verwundert ziemlich.

Ähnliche Auffälligkeiten sind beim ATTO Disk Benchmark auszumachen. Erst ab einer Datengröße von mindestens 16 bis 32 Kb kann der Datenträger aus Kalifornien sein ganzes Potential ausspielen. Bei sehr kleinen Daten ist die langsam drehende Hitachi HTS545032B9 fast durchgängig schneller als die Seagate. Diese Tatsache könnte beispielsweise zu einem langsameren Systemstart führen, wo sehr viele Dateien gleichzeitig geladen werden. Ab 32 Kb großen Dateien hat aber selbst die flinke Hitachi keinen Hauch einer Chance mehr. Mit mindestens 20 Prozent höheren Transferraten dreht die Seagate einsam ihre Runden.

Seagate ST9500420AS – Testergebnisse”

Inwiefern sich die ganzen theoretischen Höhenflüge in der Praxis auswirken soll der FC-Test aufzeigen. Der erste Gedanke, der beim dem Vergleich der Ergebnisse aufkommt ist: Wo ist die ganze Performance geblieben? Zwar dominiert die Seagate ST9500420AS im Bereich Install und MP3 mit 35 Prozent respektive 24 Prozent gegenüber der zweitschnellsten Festplatte, der Western Digital WD5000BEVT, aber die anderen Tests sind bedeutend schlechter. Beim Erstellen der ISO-Dateien hätten deutlich bessere Werte ermittelt werden müssen, da hier mit sehr großen Daten gearbeitet wird und die vorherigen Benchmarks in diesem Bereich sehr hohe Transferraten ausgegeben haben. Hinzu kommt, dass wie bereits vermutet, starke Geschwindigkeitsbußen bei sehr kleinen Daten auftreten. So kommt es so weit, dass die beiden nominell langsameren WDs mindestens 11 Pozent zügiger die Windowsdateien schreiben. Insgesamt kann sich der optische Datenträger aus Kalifornien nur mit durchschnittlich 14,6 Prozent von den anderen beiden Bewerbern absetzen. Die Lesewerte dagegen sehen zumindest bei den Mustern Install, ISO und MP3 hervorragend aus. Bei sinkender Dateigröße ist aber auch hier wieder ein sehr stark Abfall der Datenraten auszumachen.

Zur Leistung kann man zusammenfassend sagen, dass die Seagate ST9500420AS speziell in den theoretischen Benchmarks überwiegend hervorragend abschneidet. In bestimmten Fällen ist sie über 40 Prozent schneller als ihre Konkurrenten, welche aber nur mit 5400 U/Min. drehen. Erste Skepsis tritt auf, wenn man sich die langsamen Zugriffszeiten und die geringen Transferraten bei kleineren Dateigrößen betrachtet. Dass diese Zweifel nicht unbegründet sind, zeigt der praxisnahe FC-Test auf. Kann der Kalifornier bei größeren Dateien die gelesen werden müssen auftrumpfen, sieht es beim Schreiben sowie beim Lesen von kleineren Dateien nicht mehr so rosig aus. Es kommt sogar so weit, dass die Performance unter das Niveau von langsamer drehenden Festplatten abfallen kann.

Lautstärke
Dass die gestiegene Rotationsgeschwindigkeit möglicherweise negative Auswirkungen auf die Lautstärke und Vibrationseigenschaften hat, sollte naheliegen. Und so kann auch die Seagate die 7200 U/Min. nicht verschweigen. Die Laufgeräusche sind zwar hörbar lauter als das der langsameren Modelle, aber es ist noch auf einem annehmbaren Niveau. Dass die langsamen Zugriffszeiten auch Vorteile haben, zeigt sich spätestens wenn es um die Ergonomie geht. Sie sind kaum lauter als die beiden WDs und sollten daher kaum jemanden besonders stören.

Auch im Bezug auf die Wärmeentwicklung kann Entwarnung gegeben werden. Zwar erwärmt sich auch die ST9500420AS, wenn diese am „Ackern“ ist, aber dabei wird sie nicht deutlich wärmer als andere Festplatten. Hier hat Seagate also sehr gute Arbeit geleistet. Nicht so gut ist dagegen die Stärke der Vibrationen. Soll der Datenträger in ein Notebook eingesetzt werden muss man sehr resistent sein, denn ansonsten wird man nicht glücklich mit dieser Festplatte. Sie vibriert deutlich mehr als Modelle mit 5400 U/Min. und kann somit das Aus für viele potentielle Kunden bedeuten.

Fazit
Wer sein Notebook im Bezug auf die Performance „pimpen“ möchte, ohne mehrere Hundert Euro für eine SSD zu investieren, der kommt wohl kaum an der aktuellen Momentus 7200.4-Reihe aus dem Hause Seagate vorbei. Sie bietet aktuelle Technik gepaart mit sehr hohen Transferraten beim Lesen von größeren Dateien. Weiterhin positiv zu vermerken ist die angenehme Geräusch- und die geringe Wärmentwicklung. Hier braucht sich die ST9500420AS nicht vor den langsameren Modellen mit 5400 U/Min. zu verstecken.

Leider hat Seagate nicht alles richtig gemacht. Bei den relativ geringen Schreibraten, das auffällig starke Einbrechen bei besonders kleinen Dateien und den schlechten Zugriffszeiten fragt man sich, warum man 40 Prozent mehr ausgeben sollte als für vergleichbare Modelle mit 5400 U/Min. Spätestens die starken Vibrationen werden für einige mögliche Käufer das endgültige KO-Kriterium darstellen. Da es aber einige (oder viele) Menschen gibt, die selbst für ein Quäntchen Performanceplus einige Nachteile in Kauf nehmen würden, ist von der Seagate ST9500420AS nicht unbedingt abzuraten. Wenn der Einsatzzweck sorgfältig ausgewählt wurde und die negativen Aspekte vernachlässigbar sind, der kann auch mit der Seagate schöne Momente erleben :).

Anmerkung vom Autor: Sieht man mal von den ganzen Tests ab, ist die Seagate wirklich kein schlechter Kauf. Besonders als Desktop-Ersatz ist sie wirklich klasse. Im Vergleich mit meiner alten Western Digital WD6400AAKS ist sie gefühlt kaum langsamer und bietet gleichzeitig noch die Vorteile, dass sie bedeutend leiser sowie kühler ist und auch noch weniger vibriert.

Kombiniert mit dem Scythe Quiet Drive SQD2.5-1000 und einer Entkopplung ist man in der Lage, die Festplatte komplett zum Verstummen zu bringen. Die perfekt Wahl also für Silent-Fetischisten, welche sich aktuell noch keine SSD leisten können bzw. wollen.

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