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Produkttest: Reloop Digital Jockey 2 Interface Edition



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Digital statt Vinyl
Die Regale in der Wohnung quellen über mit Vinyl, der Rücken schmerzt vom Tragen der Kisten, voll mit guten alten und auch neuen Vinylscheiben, zum nächsten Gig und die Freundin fragt: „Muss denn hier so viel technischer Kram rumstehen?“ Nun, im Zuge des elektronischen Zeitalters geht es auch an mir nicht spurlos vorüber, man möchte ja Neuem aufgeschlossen sein und beschließt, sein ganzes analoges, elektronisches Equipment auf den Dachboden zu räumen, auch der Freundin zu liebe, um es auf das Minimalste zu reduzieren. Was bleibt übrig? Ein Notebook à la MacBook, eine darauf installierte DJ-Software, in meinem Fall Traktor Pro, und weiter? Richtig: Ein DJ Controller muss her, denn es macht einfach keinen Spaß dieses Wunderwerk an programmierte Kunst mit der Maus zu bedienen. Zumal, so glaube ich, es auch kein Mensch schafft, mit null Latenz zwei Buttons in der GUI Umgebung auf einmal anzuklicken. Als glücklicher Cyberport-Mitarbeiter bekam ich so einen Controller in die Hand, um genau zu sein, einen Digital Jockey 2 Interface Edition aus dem Hause Reloop mit dem Satz: Teste ihn mal.
Da ich genau solche ein Gerät mein Eigen nennen wollte, dachte ich mir: Warum nicht? Gesagt, getan. Nun steht er hier, schnell ausgepackt und aufgebaut. Was ist drin in der Verpackung?

  • Der Reloop Digital Jockey 2 in der Interface Edition.
  • Ein dazugehöriges Netzteil (sehr löblich und nicht die Regel).
  • zwei Cinch Audio Kabel
  • ein USB-Kabel
  • Das Manual und die DJ Software Traktor LE auf einer CD.
    Reloop Digital Jockey 2 Interface Edition – Teil 1″

    Der erste Eindruck war „boah“ – ganz schön groß der Controller. Er steht meinem Denon DN-X 1500 in Bezug auf die Größe in nichts nach, was auch Vorteil im Layout bring, da alle Bedienungselemente mit viel Platz dazwischen angeordnet sind. Menschen mit dicken Fingern an großen Händen werden es zu schätzen wissen. Haptisch wie auch optisch macht der Reloop eine sehr gute Figur, da die Deckplatte aus massiven Aluminium besteht, das Gerät an sich recht schwer ausgefallen ist und somit auch einen sicheren Stand gewährleistet. Alle Buttons, Dreh-Potis und auch Fader sitzen fest und wackeln nicht. Die Fader haben einen angenehmen Lauf, die Pitch-Fader sind allerdings etwas schwergängiger zu schieben, was mich ein wenig an Technics 1210er erinnert.

    Gut so Reloop. Die Line- und der Cross-Fader haben einen etwas leichteren Lauf. Aber nicht jeder ist Liebhaber der elektronischen Tanzmusik. Somit sind diese auch für Vertreter der schnellen Cuts gut zu gebrauchen. Ein Kritikpunkt sind die etwas locker sitzenden EQ-Potis. Ein wenig fester und ich wäre glücklich. Bedingt ist dieser Effekt vielleicht auch dadurch, das sich die EQ-Potis und die Potis der Effektsektion auch drücken lassen. Alle Knöpfe, Potis und auch die Fader-Kappen sind aus Plastik, großzügig bemessen und lassen sich gut anfassen, drehen und schieben. Das Plastik ist meiner Meinung nach nicht von Nachteil und die Mechanik der Dreh-Potis könnte sich besser anfühlen. Allerdings befinden wir uns in einem attraktiven Preisgefüge, wo dies nicht machbar wäre bzw. den Preis unnötig in die Höhe treiben würde. Auch sind alle Buttons in einem angenehmen Rot beleuchtet, was dem Gebrauch in dunkler Umgebung zu Gute kommt und man sofort erkennt was aktiv ist. Der größte Knopf ist der Browser Button, mit welchen man durch seine Tracklisten in der DJ-Software navigieren kann. Auch Ordnerstrukturen zu durchsuchen ist damit möglich.

    Anschlüsse
    An der Front befindet sich ein Micro-Eingang und der Headphone-Eingang, beide zusätzlich mit einen Drehregler an der Seite für eine kleine EQ- Einstellung. Was ich als besonders gut epfinde ist das auch noch an einen Drehregler für die Einstellung der Crossfader Curve gedacht wurde. An der Rückseite befinden sich ein Stero-Cinch-Eingangspaar sowie -Ausgangspaar, Ground, DC-IN, Power Knopf sowie der USB Port. Der Ground-Anschluss ist deshalb wichtig, weil über den Stereo-Cinch-Eingang auch ein Plattenspieler angeschlossen werden kann, um ihn in das Set mit einzubinden. Der Stero-Cinch-In kann auch über einen winzigen Schalter als Line-In oder Phone-In geswitched werden. Super.

    Das Gerät besitzt ein internes Audio-Interface mit 16 Bit und 44 kHz, was einer Audio-CD- Abtastung entspricht und für die meisten Aufgaben vom Sound her reichen sollte. 24 Bit und 96 KHz sind meiner Meinung nach auch nicht nötig, da ich mit dem internen Interface keine Aufnahmen fürs Studio aufnehmen möchte. Der Klang des Audio-Interfaces ist für meine Ohren klar, brillant, druckvoll und gibt keinen Grund zur Beanstandung. Wünschenswert wäre für mich noch ein weiteres Stereo-Cinch-Ausgangspaar gewesen, um das Gerät auch in Verbindung mit einem externen Mischpult für Kanal 1 und Kanal 2 zu benutzen.

    Den Jogwheels möchte ich mich zu guter Letzt zuwenden, da diese das Highlight des Gerätes sind. Sie fassen sich super an, haben einen sehr angenehmen Lauf und reagieren auf Druck. Fasst man sie am Rand an und dreht, passiert erst mal nichts. Greift stattdessen auf das Jogwheel, reagieren diese und man kann sie zum Scratchen, Pitchbenden, Suchen im Track oder auch zum Scrollen durch die Tracklist verwenden, nicht zuletzt auch, um die Effekte per Dry/Wet sanft ein- und auszublenden. Sensationell.

    Alles in allem bin ich doch recht beeindruckt was Reloop in Anbetracht des Preises da auf die Beine gestellt hat. Massive Bauweise, ausreichend Bewegungsfreiheit zwischen den Bedienelementen, super Optik und gut angepasstes Layout für Traktor. Die Traktor LE Software und die Audio-Treiber sind im Lieferumfang auf CD enthalten. Die CD in das Laufwerk einlegen und los geht es mit dem Installieren, was auch recht einfach vollzogen ist, deshalb möchte ich auch hier nicht weiter darauf eingehen. Jeder hat ja bestimmt schon einmal Software installiert. Und man kann auch nichts verkehrt machen, zumal es auch noch im beiliegenden Manual beschrieben ist. Auch auf die Software an sich möchte ich hier weniger eingehen, da es an sich um den Reloop Digital Jockey 2 IE geht und die Einstellungen im Traktor-Setup recht selbsterklärend sind. Auf der Reloop-Website kann man sich bei Bedarf registrieren, um Firmwareupdates und aktuelle Midimappings für Traktor LE und Traktor Pro zu herunterzuladen.

    Reloop Digital Jockey 2 Interface Edition – Teil 2″

    Die Midimappings sind sehr wichtig damit man letztendlich die Software mit dem Controller steuern kann. Midimapping geladen, Track gestartet und mal ein bisschen gespielt. Was soll ich sagen? Der positive Eindruck setzt sich auch hier fort. Die Midimappings von Reloop für Traktor sind anfangs wirklich brauchbar und fast alle Knöpfe und Fader, Buttons und ihr Beleuchtung funktionieren auf Anhieb. Wem das nicht ausreicht oder nicht gefällt kann jederzeit selbst Hand anlegen, um sein eigenes Mapping zu erstellen. Was mir auch hier besonders gut gefällt, sind die Jogwheels, welche sich wirklich smooth bedienen lassen, die Pitchfader haben eine 14 Bit Auflösung und sind wirklich sehr feinfühlig und genau in ihrer Bedienung.

    Ein kleinen Kritikpunkt gebe ich der Effektsektion. Die Buttons sind gerastert, was sich für mich persönlich erst einmal gut anfühlt. Allerdings hat man zu große Sprünge im Effekt drin. Sanftes einblenden oder ausblenden des Effekts ist hiermit nicht ganz so toll möglich. Wer möchte kann dies im Midimapping einstellen, sodass die Rastersprünge kleiner werden, muss aber dann mehr drehen oder man nutzt die tollen Jogwheels für die Dry/Wet-Steuerung.

    Wenn man sich intensiver mit dem Gerät und der Software beschäftigt und sich ein wenig einarbeitet, bekommt man ein sehr solides Gerät mit gutem Layout und guter Haptik sowie gutem Sound. Die EQ-Potis könnte man ein wenig stabiler konstruieren. Die gerasterten Drehregler der Effektsektion kann ich nicht unbedingt bemängeln, mir gefallen sie nach längerem Testen jetzt doch recht gut, ein anderer stört sich vielleicht dran. Das Midimapping kann man mit ein wenig Einarbeiten selbst seinen Bedürfnissen anpassen oder erweitern. Auch eine volle 4-Deck-Steuerung ist zum Beispiel möglich, da sich fast alle Buttons und Dreh-Potis mit den 2 vorhandenen Shift-Tasten, welche als einzige weiß beleuchtet sind, doppelt belegen lassen.

    Mein Fazit: Preis-Leistung hervorragend! Toller, intuitiv zu bedienender Controller. Die Materialqualität ist durchweg gelungen, wenn mir auch die Dreh-Potis ein wenig zu Plaste-Like wirken. Die Jogwheels sind wirklich super. Die Anordnung der Elemente und das Layout für Traktor sind gelungen. Wer mehr will, muss auch mehr zahlen, wobei ich den Mehrpreis einiger anderer Controller wohl eher in der Verwendung hochwertigerer Materialien begründet sehe.

    Pro:
    + massive Gehäuse Bauweise
    +gutes Layout
    +Touch Sensitive Jogwheels
    +Audio Eingang
    +Guter Klang des internen Audio-interfaces
    +Einstellbare Fader Curve
    +Preis

    Kontra:
    – EQ-Potis könnten ein wenig fester sitzen
    – Nur jeweils ein Stereo-Chinch-Ausgang und -Eingang

    Disclaimer: Bei diesem Artikel handelt es sich um einen Gastbeitrag unseres Mitarbeiters Marcel Schulze. Ich veröffentliche den Artikel unter meinen Namen, da ich als zuständiger Produktmanager für den Bereich Professional Audio Equipment verantwortlich bin und Marcel nicht über einen eigenen Account hier im Blog verfügt.

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  • 1 Kommentar

    1. Johny Knockdown schrieb am
      Bewertung:

      die EQ-Potis sind sind soweit ich weiss zusätzlich zum drücken da darum etwas locker

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