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Produkttest: Philips HF 3480/01 Wake-up Light



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Lichtwecken funktioniert…einigermaßen.
Bildquelle: Philips

Einen Lichtwecker braucht der Mensch. Ich meine, wer kämpft nicht jeden morgen mit seinem Wecker? Wer verflucht und verwünscht ihn nicht? Wie wäre es statt der hässlichen Quäke mit lieblich säuselnder Melodie und dem sanften Erwachen durch sich langsam verstärkendes Licht? Ein Traum, ein echter Traum! Man lese zunächst diesen euphorischen Bericht, dann weiß man ungefähr, welche Hoffnungen ich hegte, als ich mir das Wunderding (Modell: Philips HF 3480/01) ins Haus holte. Hegte, nun ja, hegte.
Die Form
Der Wecker/die Lampe ist ein hässliches Ungetüm. Gut, in einen „stylischeren“ Haushalt als dem meinigen, mag er unter Umständen passen, aber ich kann mich wirklich nicht dazu durchringen ihn „schön“ zu nennen. Er hat eine „spacige“ Form, die sich vor einer weißen Wand zum Glück recht unscheinbar ausnimmt. Auf meinem Nachttisch… ein Grauen! Mein persönliches Highlight ist der rechts seitlich aus dem Gehäuse ragende Ein- und Ausschalter, der mit der Formsprache der Lampe (wenn es so etwas gibt) überhaupt nichts gemein hat. Er besteht aus Metall (der restliche Wecker allerdings aus Plastik) und erinnert entfernt an On-/Off-Schalter aus klassischen Agentenfilmen mit denen sich vorzugsweise Bomben bedienen lassen. Wenigstens/leider kam mir eine derartige Funktion nicht unter.

Das Material
Das Gehäuse besteht aus einem rauen Plastikwerkstoff, der immerhin dafür sorgt, dass die Lampe, wenn man sie mit einer Hand transportiert, nicht aus der selbigen gleitet. Genauer gesagt handelt es sich um zwei weiße Plastikschalen, die für mein Empfinden ziemlich unelegant von zwei dezent farblich abgesetzten Nähten zusammengehalten werden. Dieses Design mag modisch sein, meinem Geschmack entspricht es nicht.

Philips HF 3480/01 Wake-up Light“

Lichtausbeute
Das Licht wirkt auf den ersten Blick recht kalt, man gewöhnt sich aber schnell daran. Der Dimmer funktioniert in zwanzig Stufen prima – von „funzlig“ dunkel bis kräftig scheinend. Dass es an dieser Stelle nichts zu meckern gibt, ist schön, aber auch Bedingung, denn alles andere wäre für eine Lampe wirklich desaströs. Hübsch finde ich persönlich das orange beleuchtete Display. Es ist in vier Stufen dimmbar und muss deshalb niemanden stören.

Funktion
Ich habe mich auf dieses Gerät wirklich sehr gefreut. Es fällt mir deshalb nicht schwer, meine Enttäuschung in Worte zu fassen, als ich es aus der Packung nahm und versuchte es einzuschalten. Intuitiv ist anders. Innovativ könnte die Bedienung vielleicht sein. Sie wird mit Hilfe des spektakulären Schalters und dreier Scrollrädchen vorgenommen, die sich gleichzeitig auch noch wie Buttons drücken lassen. Es gibt so kleine Piktogramme, an denen man sich orientieren kann. Ein Rädchen ist für die Radiosender, eines für die Weckfunktionen und eines für das Licht. Man kann sie leicht verwechseln, dann hat man das Licht verstellt oder die Lautstärke für den Wecker am nächsten Morgen oder im Zweifelsfall auch die Weckzeit. Die Anleitung beschränkt sich auf zwei eng bedruckte Seiten. Wenn ich eine Prüfung über die Funktion des Weckers hätte ablegen müssen, würde ich ihn vielleicht heute lieber mögen, denn dann hätte ich mir zwangsläufig merken müssen, wie man ihn stellt.

Radio
Wenn es einem gelingt, das Radio in Gang zu setzen, funktioniert es tadellos.

Wecker
Mit Hilfe der Bedienungsanleitung, und zwar nur mit Hilfe der Bedienungsanleitung, lässt sich der Wecker stellen. Wenigstens gibt es an dieser Stelle ein paar spannende Optionen. Wecken lassen kann man sich per nervigem Piepton, per Radio, mit Vogelgezwitscher, Klanghölzern und Trommeln. Ach ja, und natürlich auch mit Licht und einer Kombination aus Licht und Ton.

Zunächst die Zusammenfassung – Lichtwecken funktioniert tatsächlich. Genauer gesagt habe ich mich am ersten Morgen tierisch erschrocken, weil irgendein Idiot in der von mir allein bewohnten Wohnung offensichtlich das Licht angemacht hatte. Ich brauchte ein paar Augenblicke, um mich zu orientieren. Tatsächlich musste ich feststellen, dass ich wacher war als sonst üblich, was mich passionierten Weiterschläfer allerdings keineswegs davon abhielt, die Decke über den Kopf zu ziehen und genüsslich einzunicken. Für die Statistik: Nach ungefähr einer Viertelstunde des halbstündigen Weckmarathons wachte ich auf.

Ich kann zusammenfassen, Wecken mit Licht funktioniert. Aber ist keineswegs so, dass man ausgeruht und fröhlich aus dem Bett springt und dem Tag entgegen rennt. Ein Wecker bleibt ein Wecker, ein notwendiges Übel eben.
Das Vogelgezwitscher ist nervtötend. Die Zahl der singenden Gesellen und auch ihre Ausdauer ist vollkommen unrealistisch, zumindest mit meinen Erfahrungen (auf dem Lande groß geworden) nicht im Geringsten deckungsgleich. Eher kam ich mir vor wie im botanischen Garten.

Ein ganz besonderes Erlebnis stellte der extreme Kontrast dar, der sich aus dem schallenden Vogelgezwitscher in meinem Schlafzimmer und der ersten kompletten Schneedecke des Jahres vor selbigem Fenster ergab. Für in kreativen Berufen Tätige können solche Erlebnisse ganz ungeahnte Schaffensschübe hervorrufen. Der Klang von Trommeln und Klanghölzern nimmt sich im Übrigen nicht besonders viel. Zu meinem großen Bedauern fand ich die viel gelobte Funktion „Meeresrauschen“ ein meinem Gerät leider nicht mehr vor. Auch wenn ich auf alle Arten von Künstlichkeit allergisch reagiere, von Meeresrauschen geweckt zu werden, hätte ich mir schon vorstellen können. Zumal man für rund 120 Euro ja schon ein ganz besonderes Rauschen erwarten kann. Es würde mich stark interessieren, warum Philips das Rauschen aus dem Programm genommen hat.

Der Hersteller
Philips ist eine holländische Firma, die bei meinem kritischen Urteil einige Vorschusslorbeeren hat. Ich habe holländische Verwandtschaft und bin sehr markentreu. Ich erwarte von Philips keine Innovationen, aber solide Technik. Bei diesem Gerät ist, meiner Meinung nach, in der Gestaltung des Aussehens und der Bedienung irgendwas ganz gewaltig schief gegangen.


Werbefilm von Philips

Die Bedienung
Das Bedienungspanel dieser Lampe macht den Eindruck, als sei es mitten in der Erprobungsphase und ohne Abgleich mit Kundenmeinungen eingebaut worden. Die Doppelt- und Dreifachbelegung von Scrollrädern die man per se ja gar nicht als Tasten wahrnimmt, das lässt mich echt nur mit dem Kopf schütteln. Ich bin mir sicher, eine nicht unerhebliche Zahl von Kunden lässt das Gerät wegen Unbedienbarkeit postwendend zurückgehen. Zur Ehrenrettung muss ich einfügen: Hat man sich mit den Funktionen vertraut gemacht (das benötigt allerdings wiederholtes Blättern in der Bedienungsanleitung und Schritt-für-Schritt-Nachvollziehen über Tage hinweg) funktioniert der Wecker tadellos.

Die Idee
Das Wecken funktioniert, aber auch diese Methode bekommt mich nicht so wach, dass ich nicht weiterschlafen könnte. Das Aufstehen und Aufwachen ist tatsächlich ein bisschen gemütlicher, wenn das Licht schon brennt und man sich nicht zwingen muss, es einzuschalten. Das Ganze ist allerdings wenig paartauglich, es sei denn man steht zur selben Zeit auf. Das konnte ich so leider nicht testen, für diesen Fall könnte der Wecker aber tatsächlich sogar ein bisschen Spaß machen. Ich könnte bei diesem Wecker gut weiterschlafen, empfindlichere Zeitgenossen können das vielleicht nicht.

Positiv überrascht hat mich hingegen die sogenannte Einschlaf-Funktion. Das Licht wird in einem selbst gewählten Zeitrahmen langsam gedimmt. Das hilft, den Alltag zu entschleunigen. Man kommt langsam zur Ruhe, liest noch ein paar Zeilen, macht sich noch ein paar Gedanken und schläft dann einfach ein.

Fazit
Wer sich eine riesige Eieruhr ins Schlafzimmer stellen möchte, dem gefällt der Wecker sicherlich. Für den Preis von ca. 120 Euro kann ich ihn aber nicht empfehlen. Die Idee als solche finde ich nach wie vor nicht schlecht. Ich denke auch, dass es für solche Produkte durchaus einen Markt gibt. Es leben schließlich immer mehr Menschen allein und können sich Lichtweckorgien erlauben.

Philips sollte jemanden einsetzen, der das Bedienelement vereinfacht und das muss beileibe kein Designer sein. Wenn sich gar niemand findet, ich mache das gern :o). Noch eine Kleinigkeit: Lichtwecken funktioniert natürlich nur, wenn man im Dunkeln aufsteht. Den ganzen Sommer über wird man ja auf natürlich Art „lichtgeweckt“. Ich probiere es jetzt mal mit einem Schlafphasenwecker.

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8 Kommentare

  1. Justus schrieb am
    Bewertung:

    Eher was für Singles :-) oder kann man für den Partner per Option das Licht ausblenden?

  2. Peggy Stuber schrieb am
    Bewertung:

    Partner mit Schlafbrille sind klar im Vorteil! :o)

  3. Florian schrieb am
    Bewertung:

    Ich bin jetzt etwas verwirrt, weil ich mich grade für den Kauf eines solchen Licht-Wecker informiere. Der hier gesteste Philips wird auf http://www.lichtwecker-test.de/philips/philips-lichtwecker-hf3480-philips-wake-up-light-hf3480-01-test-vergleich/ so hoch gelobt – bei Ihnen schneidet er aber recht schlecht ab. Ich weiß nicht mehr was ich glauben soll. Schön ist er jedenfalls nicht.

    Haben Sie eine alternative Kaufempfehlung für mich?

  4. Peggy Stuber schrieb am
    Bewertung:

    Hallo Florian,

    darf ich bemerken, dass mir die von Dir angegebene Seite nicht wirklich „unabhängig“ vorkommt.

    Ich denke, was ich erlebt habe, trifft auf die meisten Lichtwecker-Exemplare zu. Ein Lichtwecker tut nichts anderes als sein Name sagt, er schaltet das Licht ein. Man wird schon sanfter geweckt, aber der ganze Hype um Lichtwecker ist deutlich übertrieben.

    Ich hatte schon Radiowecker, selbst zu besprechende Wecker … Wecken ist einfach unangenehm, auch mit Licht. Deswegen kann ich Dir auch keine Alternative empfehlen, denn zum Testen einen Schlafphasenweckers bin ich noch nicht gekommen.

  5. Klaus schrieb am
    Bewertung:

    Hallo Zusammen,

    also ich muss sagen mir fällt das Aufwachen in der Früh schon sehr viel leichter mit Lichtwecker. Habe mir vor etwa einem halben Jahr das Philips Wake Up Light auch aufgrund des Testberictes auf http://www.du-sag-mal.de/gesundheit/lichtwecker/ gekauft. Bin damals zwischen dem Philips und Medisana geschwankt. Im Nachhinein kann ich nur sagen das ich meine Entscheidung den Philips gekauft zu heben nicht bereue.

  6. Ingo schrieb am
    Bewertung:

    Ich bin ebenfalls am Kauf eines Lichtweckers interessiert und bin durch diesen Bericht etwas stutzig geworden. In mein Zimmer würde der Wecker rein optisch eigentlich sehr gut passen, doch die beschriebenen Makel sind wirklich nicht von der Hand zu weisen. In der heutigen Zeit kann man eigentlich Geräte erwarten, die intuitiv und ohne Lesen der Anleitung zu bedienen sind. Abgesehen davon klingen die beschriebenen Wecktöne bereits vom Hören nervig.

  7. Lichtwecker Experte schrieb am
    Bewertung:

    Ein sehr schöner Testbericht, danke dafür. Nicht umsonst ist der Philips der meistverkaufte Lichtwecker.

  8. sprachkrüppel schrieb am
    Bewertung:

    lichtwecker experte lol what the fuck ah warum spreche ich so? wer hat mir diese sprache eingeflößt?

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