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Produkttest: Pentax K10D



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Ein hervorragendes Auslaufmodell
Vier Monate war sie mein treuer Begleiter auf der Reise durch Nepal und hat mich stets dabei unterstützt, meine Impressionen festzuhalten, auch wenn sie Anfangs gar nicht das machen wollte, was ich gern wollte. Aber mit etwas Übung haben wir es dann doch geschafft, uns fast blind zu verstehen. – Die Rede ist von der K10D aus dem Hause Pentax, die ich freundlicherweise von Cyberport als Leihgabe und Testexemplar erhalten habe. Die K10D bot bis vor Kurzem den Einstieg in die semi-professionelle Fotografie mit digitalen Spiegelreflexkameras; mein Testkit bestand aus dem K10D-Body und dem Pentax-Objektiv smc-DA 18-55 mm. Als Telezoom habe ich mir noch das Tamron 28-300 mm XR DI zugelegt, um auch für Tierfotografie gewappnet zu sein. Zusammen mit zwei Ersatzakkus und zwei SanDisk-Extreme-III-SD-Karten mit je 2 GB Kapazität konnte der Testparcour beginnen.
Im Vergleich zu den damaligen Konkurrenten lag einzig und allein die K10D wirklich gut in meinen doch relativ großen Händen und durch die gummierten Griffflächen hatte ich zu keiner Zeit das Gefühl, dass mir die Kamera aus der Hand rutschen könnte. Auch ansonsten macht das Gehäuse einen sehr stabilen und robusten Eindruck. Sehr gut hat mir das relativ große und vor allem relativ blickwinkelunabhängige Display gefallen, das auch nicht sonderlich kratzempfindlich zu sein scheint. Trotzdem würde ich mir eine Displayschutzlösung wünschen, wie sie bei Nikon zu finden ist.

Die Menüführung ist übersichtlich strukturiert, aber der Funktionsumfang ist schier erschlagend, sodass ich mich erstmal umfassend mit dem Handbuch auseinandergesetzt habe. Die ersten Aufnahmen waren trotz allem ein Graus, was aber keinesfalls an der Kamera, sondern an mir lag, da ich bisher noch nicht das Vergnügen hatte, mich intensiv mit einer digitalen Spiegelreflexkamera auseinanderzusetzen. Deshalb wunderte ich mich über miese Nachtaufnahmen trotz Stativ, bis mir das Handbuch verriet, dass der Verwacklungsschutz doch bei Langzeitbelichtungen auszuschalten ist. Ansonsten ist es eigentlich nur nötig, sich die Grundprogramme der Kamera zu verinnerlichen – und schon kann es losgehen.

Mit dem Automatikprogramm der K10D gelingen auch sofort gute Aufnahmen, die eigentlich kaum Wünsche offen lassen. Aber wenn man dann doch etwas die Fotos gestalten und mit Tiefenschärfe und langen Belichtungszeiten spielen will, wird aber schnell klar, dass man in diesem Programm nicht verweilen kann. Im Vergleich zur direkten Konkurrenz gibt es auch keine Motivprogramme zur Auswahl, sondern es wird sich auf die Auswahl von verschiedenen Automatikmodi beschränkt und damit dem Nutzer die totale manuelle Gewalt übergeben. Ob dies nun ein Vor- oder Nachteil ist, muss jeder für sich entscheiden. Da ich auch meinen Einfluss auf die Bilder haben möchte, benötige ich kein vorgefertigtes Motivprogramm, sondern nutze lieber das von Pentax angebotene User-Programm, in dem man seine eigenen Vorstellungen fest speichern und seinen Bedürfnissen anpassen kann. Man kann sich sicher stundenlang über die Einstellmöglichkeiten der Kamera auslassen, aber ich möchte lieber auf die direkten Praxiserfahrungen eingehen.

Nepal ist eigentlich kein Land, in dem man mit einer DSLR umherziehen sollte, denn es ist dreckig und staubig und die Gefahr einer Sensorverschmutzung oder von „Dreck im Getriebe“ ist sehr hoch. Hier erarbeitete sich die K10D jedoch gleich ihre ersten Pluspunkte: Durch das komplett abgedichtete Gehäuse konnte ich die Kamera bedenkenlos bei Wind und Wetter um den Hals baumeln lassen, ohne dass ich Angst haben musste, Probleme zu bekomme. Nach vier Monaten Dauereinsatz ist die Kamera äußerlich verdreckt und muss einer gründlichen Reinigung unterzogen werden, aber alle wichtigen Knöpfe und Einstellräder sind frei von Dreck und funktionieren eins a.

Trotz häufigen Objektivwechsels ist auch der Sensor frei von Dreck geblieben. Die Schüttelaktion des Sensors zur Selbstreinigung habe ich nicht wirklich genutzt, da ich an deren Funktion nicht so richtig glaubte und sie nur Strom frisst. Apropos Schütteln: Sehr überzeugt war ich auch vom „Shake-Reduction“-System von Pentax – auch hier ein klarer Pluspunkt gegenüber der damalig aktuellen Konkurrenz. Pentax setzt auf ein objektivunabhängiges Anti-Wackelsystem und ermöglicht so relativ günstige Optiken, was gerade für einen Studenten bei den ohnehin teuren Gläsern ein wichtiges Kaufargument ist. Da ich auf meiner Tour durch Nepal natürlich kein üppiges Dreibein, sondern nur einen kleinen Gorillapod von meinem Vater dabei hatte, war diese Funktion gerade in ungünstigen Belichtungssituationen (Wald, Dämmerung) sehr hilfreich, da ich nicht gern mit hohen ISO-Werten (größer 400) fotografiert habe.

Damit wären wir beim nächsten Punkt, nämlich dem Rauschverhalten der Kamera. Ehrlich gesagt habe ich hier keine direkten Vergleichsmöglichkeiten, weshalb ich mich mit meiner Einschätzung nicht zu weit aus dem Fenster lehnen möchte. Jedoch waren für mich die Fotos im Bereich von ISO 800 schon grenzwertig und in ISO 1600 nicht mehr wirklich schön anzusehen. Natürlich kann man am Blechotto die Fotos recht gut korrigieren, dennoch habe ich aufgrund der großen Euphorie in anderen Pentaxtests zum Rauschverhalten etwas anderes erwartet.

Pentax K10D“

Die letzte Möglichkeit, schlechte Belichtungssituationen zu verbessern, ist standardmäßig der interne Blitz. Dieser ist zwar sehr hell und für den Nahkampf auch völlig ausreichend, aber es ist und bleibt ein interner Blitz, der sehr zu Lasten des Kameraakkus geht und nur begrenzt Möglichkeiten zum Aufhellen gibt. Natürlich kann man sich in alter Nepali-Manier und mit Blitz-Improvisation schnell mit etwas Alufolie behelfen, für gut ausgeleuchtete Aufnahmen sollte man aber doch auf einen Systemblitz zurückgreifen, der im Zubehörschuh auf der Geräteoberseite montiert werden kann.

Zur Akkulaufzeit kann ich nur sagen, dass ich mit dem Orginalakku zwischen 300 und 400 Aufnahmen (ohne Blitz) erreicht habe und diese durch Verwendung von zwei Zusatzakkus nochmals verlängern konnte und so auf keinem Trek in Stromnot geraten bin. Eine günstige Alternative zu den Pentaxakkus sind übrigens die baugleichen Akkus für die Minolta NP-400.

Auch akustisch ist die K10D auffällig: Verschluss und Autofokus sind deutlich hörbar, was mir persönlich recht gut gefällt – man hört, dass ordentliche Mechanik am Werkeln ist, wodurch der Eindruck eines soliden Gehäuses noch verstärkt wird. Zwar ist die Akustik ebenso wie die Gehäusepassform sehr von Geschmack und Empfinden des Benutzers abhängig, doch der Pentax-Klick hat den positiven Effekt, dass die Menschen, die wild fuchtelnd mit ihren sucherlosen Digicams im Bild rumstehen, ehrfürchtig zur Seite treten, weil man doch einen recht professionellen Eindruck macht. ;-)

Ebenfalls bemerkbar macht sich die K10D durch ihr massives Gewicht. Die Magnesiumverstärkung trägt hierzu sicherlich ihren Teil bei; allerdings habe ich das zu keiner Zeit als störend empfunden, abgesehen vielleicht von der Gewichtskontrolle und der anschließenden Zahlungsaufforderung wegen Übergepäcks beim Boarding nach Kathmandu! ;-)

Nun aber noch kurz zum Kitobjektiv (smc-DA 18-55 mm): Für mich war es eine grundsolides Weitwinkelzoom, das auch eine recht gute Abbildungsleistung erbracht hat. Etwas mehr Lichtstärke wäre manchmal nicht unangebracht gewesen, aber von einer 50-Euro-Optik hatte ich das gar nicht erwartet und war vollkommen zufrieden. Die Serienbildfunktion hat mit den SanDisk Extreme III wunderbar harmoniert und konnte ihre volle Leistungsfähigkeit von drei Bildern pro Sekunde ausschöpfen. Im von mir genutzten Raw-Format ist es möglich, neun Aufnahmen im Serienbildmodus zu schießen, ehe der Puffer der K10D voll ist und auf die Karte geschrieben werden muss. Für mich völlig ausreichend.

Abstriche gibt es bei der Pentax-eigenen Software, die zwar recht gut für das schnelle Betrachten und Sortieren der Raw-Bilder geeignet ist, die jedoch nur sehr magere Bearbeitungsmöglichkeiten liefert. Natürlich gibt es diese Software wieder nur für Windows und Mac, ich als Linux-Freund war leider aufgeschmissen. Auch der sehr nützliche und gut durchdachte Pentax Remote Assistant 3, mit dem die via USB-Kabel an den PC angeschlossene K10D gesteuert werden kann, ist nicht für Linux erhältlich. Mit dem Remote Assistant ist es außerdem möglich, längere Belichtungszeiten als die kamerainternen 30 Sekunden einzustellen oder ohne weiteres Zubehör die Kamera verwacklungsfrei auszulösen. Ein sehr nettes Gimmick, nur nicht für Linux-User.

Alles in allem hat mich die K10D vollends überzeugt. Bis jetzt konnte ich zwar noch nicht ihre Grenzen ausloten, denn das schwächste Glied in der Fotokette bin momentan ich und werde es sicher auch noch eine Weile bleiben. Die K10D macht ihrem Anspruch als semi-professionelle DSLR aber alle Ehre und ich bin sehr gespannt, wie die Entwicklung bei Pentax mit der K20D weitergeht.

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