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Produkttest: FaceTime funktioniert auch mit externer Webcam



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Von Angesicht zu Angesicht…
Meine Damen und Herren! Sind die Spuren der vergangenen Nacht aus dem Gesicht gewaschen? Sitzt die Frisur? Das Make-up? Strahlt Ihr Lächeln? Sind auch Ihre die Zähne blendend weiß? Sind Sie überhaupt angezogen oder lümmeln Sie noch im Schlafshirt oder Unterwäsche etwas müde und übernächtigt vor Ihrem Monitor? Ist Ihre Wohnung oder Ihr Home-Office aufgeräumt, zumindest im Sichtfeld Ihrer Webcam? Fragen über Fragen, die rechtschaffene „iChatter“ oder „Skyper“ und nun auch „FaceTimer“ auf Ihrer Checkliste haben sollten, bevor Sie spontan eine Einladung zum Video-Call annehmen.
Die Rede ist von Apples neuer, kostenloser Video-Call-Software FaceTime, die Ihnen das letzte Quäntchen Anonymität raubt, aber wiederum ein weiteres Fenster zur Welt öffnet. Vorläufig noch in der Betaversion ermöglicht Apple Inc. damit die Video-Telefonie nun nicht mehr nur proprietär zwischen einem iPhone oder einem iPod touch der jüngsten Generation, sondern auch mit einem Mac-Rechner, der üblicherweise über eine Webcam verfügt, im Apple-Jargon iSight genannt bzw. seit dem neuesten MacBook Air schlicht FaceTime-Kamera. Einzige Bedingung: Beide Gesprächspartner befinden sich jeweils in einem WIFI-Netz. Zuhause kein Problem! Und unterwegs? Auch nicht, wenn man entweder in Reichweite eines frei zugänglichen WLAN-Hot-Spots weilt, oder mittels MIFI-Router online ist. Der Huawei E5 ist beispielsweise ein solcher mobiler WLAN-UMTS-Router (siehe Cyberbloc-Test im Juni).

Wer zuhause oder im Büro noch ältere Cinema Displays im Einsatz hat, dem liefern Hersteller wie Logitech das passende Extra-Zubehör zur Videotelefonie. So lässt sich ein MacPro zum Beispiel mit einer QuickCam Vision Pro, die den Universal Video Class Standard beherrscht, im Handumdrehen per USB-Anschluss zum Konferenzgespräch per Video aufrüsten. Separate Treiber müssen nicht installiert werden. Dank eingebautem Mikrofon braucht der Teilnehmer nicht einmal ein Extra-Mikro. Die Stimme der Gegenstelle wird über die Lautsprecher des Systems ausgegeben.

Testumgebung
Meine Testkombination, bestehend aus einem älteren MacPro (Modellnummer 1.1), einem 23-Zoll-Cinema HD-Display, einer Logitech Quickcam Vision Pro und einem Creative i-Trigue 2.1-Soundsystem offenbarte beim Test keinerlei Schwächen. In Null-Komma-Nix war FaceTime auf dem Mac eingerichtet (Vorraussetzung Mac OS X 10.6 Sow leopard). Als neuer Teilnehmer registriert man sich zunächst mit seiner Apple-ID (iTunes-Account) und legt fest, mit welcher E-Mail-Adresse man fortan erreichbar sein möchte. Und schon kann’s los gehen.

Für den gemeinsamen Testcall mit mir als freien CyberBloc-Kosmonauten musste sich der liebe Redaktionsleiter, Sven Kaulfuß, extra einen neuen iPod touch aus dem Cyberstore ausleihen. (Der iPod wurde übrigens nach unserem fast zwanzigminütigen Test nur handwarm. Wie es um die Akkuleistung des Gerätes bestellt war und weitere Eindrücke verrät der Cyberbloc-Chef in einem separaten, später folgenden Bericht.)

Praxistest
Die Soundqualität ist dank QuickCam Vision Pro und i-Trigue-Soundsystem in Ordnung. Die Webcam liefert mit ihrer 2 Megapixel-Linse vortreffliche Bilder in meinem Kontrollfenster und präsentiert selbst bei gedämpfter Lichtstimmung ausgezeichnet gute Belichtungswerte und eine sehr feine Auflösung. Lediglich der Autofokus hängt gelegentlich ein wenig nach. Pumpt bei der Schärfe-Ermittlung jedoch nicht nervös hin- und her. Auch das eingebaute Stereo-Mikrofon verrichtet eine saubere Audio-Übertragung. Mein Gegenüber bestätigte mir eine gute Verständlichkeit. Auch der neue iPod touch meines Gesprächspartners lieferte einen vortrefflichen Ton.

FaceTime am Mac”

Beim Bild neigte der Touch jedoch stark zur Bewegungsunschärfe und pixeligen „Treppenstufen“, vermutlich hervorgerufen durch Schwenks und abrupte Handbewegungen. Auch mit Gegenlicht verträgt sich die Optik des iPod touch nicht gerade. Die Belichtungsautomatik des iPod sprang hin und her zwischen hell und dunkel. Sven musste den Touch schon sehr ruhig halten, damit mir ein vernünftiger Screenshot gelang. Es ist eben nicht alles so wie die Werbung suggeriert. Aber im Rahmen eines schnellen Videotelefonates kann ich mit derart Abstrichen zur Not leben. Zudem sind die beigefügten Screenshots schlechter als der Live-Eindruck vermittelte. (Anmerkung des Autors: Auch ein Test mit einem iPhone 4 offenbarte, dass die Optik der mobilen Apple-Geräte nicht mit der Bildqualität der Logitech QuickCam Vision Pro mithalten kann). Übrigens zeigte auch die iSight-Cam meines MacBookPro ein wesentlich schlechteres Bild.

FaceTime am iPod touch”

Auf Anhieb macht FaceTime sichtlich Spaß. Besonders die Apple typische Einfachheit der Benutzeroberfläche erschließt sich wieder einmal intuitiv. In der FaceTime-App auf dem Mac gibt es rechts neben dem eigenen Videobild ein Register mit drei Menüpunkten. Dort kann man aus seinen vorhandenen Adressbuch-Kontakten den jeweiligen FaceTime-Gesprächpartner auswählen. Das geschieht über eine vorher bekannt gegebene E-Mail-Adresse oder bei einem Mobile-Device, wie dem iPhone 4, über die zugehörige Mobilfunknummer. Bei bereits erfolgter FaceTime Verbindung sieht der Nutzer in der Anrufliste die bisher angerufenen Teilnehmer und die für die FaceTime Nutzung festgelegte Nummer bzw. Mail-Adresse. Praktisch, die bisherigen Anrufer lassen sich am Mac auch als Favoriten bestimmen. Interessant ist die Tatsache, dass FaceTime ebenfalls erkennt, ob sich der Gesprächspartner stationär an einem Mac oder mit einem iPhone 4 oder iPod touch gemeldet hat. Ebenso kann man der Anrufliste entnehmen, ob man einen Call verpasst hat.

Fazit
Mit Abstrichen in der Bildqualität überzeugt die Computerschmiede aus dem kalifornischen Cupertino erneut durch ein simpel zu bedienendes Programm, das den Computer-Alltag im Apple-Universum erleichtert. Ohne beschwerliche Installationsorgie können Mac-User mit Freunden und Kollegen Video-Anrufe tätigen. Vorausgesetzt, alle bewegen sich im geschlossenen Apfelhain. Will heißen: Ohne einen Macintosh oder iPhone/iPod (der neuesten Generation) geht nichts. Anders als bei der Konkurrenz von Skype & Co. funktioniert FaceTime auf einem mobilen Gerät nur im WLAN-Netz. Und es lassen sich neben dem Videoanruf keine weiteren Botschaften, Kurznachrichten oder Anhänge verschicken. Und: Es gibt auch keine Mailbox-Funktion, anders als bei Skype.

Noch befindet sich FaceTime in einer Betaphase und ist für den User kostenlos. Die Anwendung muss am Mac nicht gestartet sein, um erreichbar zu sein. Dank Push-Technologie sieht der Anwender am Programm-Icon in der Dock-Leiste, ähnlich wie beim iPhone, ob und wie viele Anrufe beim Mac-User aufgelaufen sind. Erfolgt ein Anruf öffnet sich ein FaceTime-Fenster und der Nutzer kann entscheiden, wann er gesprächsbereit ist oder nicht. Denn wer will schon beim Konferenz-Call seinem Boss in Unterwäsche gegenübersitzen? Es sei denn, man verdient knapp bekleidet seinen Lebensunterhalt. In den Vereinigten Staaten wird bereits gemunkelt, wie FaceTime die Sex-Industrie revolutionieren wird. We will see…

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