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Produkttest: Amazon Kindle 3 3G



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E-Book-Reader vom Buchversender
E-Books sind (leider) noch nicht der durchschlagende Erfolg der sie hätten sein sollen bzw. können. Aber das wird noch, schließlich schwappen die gesammelten Trends aus den USA und Japan über das Vereinigte Königreich dann auch nach Deutschland und Resteuropa, dies hat zumindest die Vergangenheit bisher immer bewiesen. Bis jetzt hat sich gezeigt, dass nur mit den richtigen Inhalten und der Möglichkeit des einfachen Einkaufs sich der Erfolg einstellt, analog zum iPod und zu iTunes – eine Kombination die den Musikmarkt nachhaltig beeinflusste und komplett umwarf. Ebenso folgt diesem Beispiel die Erkenntnis, dass man nicht der Erste sein muss, der ein Produkt einführt. Vielmehr kommt es darauf an, der Beste zu sein, das Beste zu machen und dem Kunden genau das zu geben was er will – all dies eingebettet in einem weitestgehend, geschlossenen System. Somit ist der Kunde zwar fest an den Anbieter gebunden, gibt aber gerne und mit Überzeugung sein Geld für Dienste und Produkte aus. Einem solches Konzept, bezogen auf E-Book-Reader, folgt auch Amazon in den Staaten und in Ansätzen in Deutschland – der Kindle!
Natürlich gibt es bereits jede Menge anderer Firmen in Amerika, die auf diesen Zug aufspringen, wie beispielsweise Barnes & Noble. In Deutschland dagegen läuft der Hase noch nicht so wie oben beschrieben, Hardwarehersteller bieten bisher eigenständige Produkte an und versuchen diese mit dem Content-Delivery-Systemen von Verlagen zu koppeln. Eine Vorhersage über den Markt und wer zukünftig der Gewinner oder Verlierer sein wird, kann man sicherlich nicht so einfach tätigen, spielen doch Preise, DRM, Anzahl der Kunden und die Inhalte eine große Rolle.

Exemplarisch für ein geschlossenes Systems, testete ich den aktuellen Kindle 3G in der dritten Generation von Amazon. Nicht unerwähnt bleiben sollte, jedoch auch die Heerschar weiterer Gerätschaften, die bei Cyberport erhältlich sind. Doch zurück zum Kindle 3, diesen gibt es in Deutschland in zwei verschiedenen Versionen, einmal als reine WiFi-Variante, andererseits zusätzlich mit UMTS (3G) – Preise: 139 Euro bzw. 189 Euro. In den USA gibt es noch eine günstigere Version, die allerdings werbefinanziert (Werbung auf den Homescreen) – Kostenpunkt 114 Dollar.Früher gab es den Kindle in weiß, heute nur noch in der graphitgrauen Version. Ausgestatte ist der Kindle mit integriertem Flashspeicher (4 GB), dieser ist nicht erweiterbar. Das reicht laut Amazon für bis zu 3500 Bücher. Die Batterielaufzeit liegt auf Grund des geringen Stromverbrauchs bei ca. vier Wochen, wenn man 3G und WiFi nutzt, kann die Batterielaufzeit geringer ausfallen, aber es ist so oder so beeindruckend, was die Batterie leistet. Das E-Ink Display ist sechs Zoll groß bzw. klein und wiegen tut der Kindle 3 241 Gramm. Im Vergleich zum Vorgänger wurde der Kindle um 21 Prozent kleiner, ist 15 Prozent leichter und das Umblättern (beim E-Ink Display wird das komplette Display schwarz bevor sich die Buchstaben neu anzeigen lassen) ist um 50 Prozent schneller geworden. Weiterhin ist die integrierte Tastatur leiser und es gibt einen Internetbrowser auf Webkit-Basis.

Amazon Kindle 3″

Die erste Begegnung
Ich hab ein iPad 2 und bin mit der Kindle App von Amazon eigentlich vollkommen zufrieden gewesen, wenngleich ich nicht wirklich gerne Bücher auf dem iPad lese – im hellen Sonnenlicht ist es eher ein Ding der Unmöglichkeit konzentriert auf das beleuchtete Display zu schauen. Ergo habe ich mir zwar Bücher bei Amazon gekauft, aber bin mit dem Lesen nicht wirklich weitergekommen. Nach ein paar Wochen probieren, bin ich dann zufällig auf dem Nachhauseweg in den öffentlichen Verkehrsmitteln auf jemanden gestoßen, der einen Kindle 3 hatte und fleißig lies. Der Wunsch war dann bei mir geweckt doch einen E-Book-Reader zu kaufen. Gesagt getan, auch wenn es am Anfang von Kollegen und Freundin die Frage kam, ob ich wirklich einen E-Book-Reader benötigen würde, da ich ja bereits das iPad habe.

Im direkten Vergleich zum iPad ist der Kindle 3 übrigens richtig klein, das Wort „niedlich“ liegt mir auf der Zunge. Dazu noch flach, vollkommen unscheinbar. Dafür ist das Display die Wucht, im Standby-Modus zeigt der Kindle Portraits von zeitgenössischen Autoren an, dies sieht einfach nur super aus. Nörgler würden jetzt sagen, dass das Display nicht beleuchtet ist, aber das spart Batterielaufzeit und schont die Augen beim Lesen. Sonst könnte ich ja direkt beim iPad bleiben ;-). Nachteilig ist die mangelhafte Touchfähigkeit des Kindle, als iPhone- und iPad-User habe ich natürlich direkt auf das Display gegriffen um Menüpunkte zu klicken und um weiterzublättern. Allerdings funktioniert dies nur über Tastatur und die Hardwaretasten. Die Registrierung bzw. das Einloggen in den Amazon-Account ist auch ganz einfach und quasi sofort kann man bereits auf seine Bibliothek zugreifen – besser geht es nicht. Wer möchte kann auch zuerst die Kurzbedienungsanleitung durchlesen, die als erstes Buch mit dem Kindle mitgeliefert wird, aber das habe ich nicht wirklich gebraucht.

Hardware
Wie bereits erwähnt: Mit 241 Gramm ist der Kindle schön leicht und mit 190 x 123 x 9 mm ist er auch ausreichend klein und handlich. Auf der Vorderseite befindet sich das E-Ink Display und eine Tastatur (QWERTY), Menü, Back und Homebutton als auch ein 5-Wege-Keypad zur schnellen Navigation. Auf beiden Seiten des Displays befinden sich jeweils zwei große Tasten für das Blättern im Buch. Auf der Rückseite befindet sich der Lautsprecher und „iPhone-like“, dezente Zertifikate und Informationen. An der Unterseite befinden sich Powerknopf, Schalter zum verstellen der Lautstärke wie auch Kopfhöreranschlüsse als auch ein Micro-USB-Port zum Übertragen von Informationen und zum Aufladen.

Formate
Ein Buch wird als Datei über die „Luftschnittstelle“ (UMTS oder WLAN) oder via USB-Kabel auf den Kindle gebracht und deshalb sollte man auch wissen, welche Formate der E-Book Reader annimmt. Natürlich ist es das hauseigene AZW-Format, sowie TXT, PDF, AA, AAX, MP3 und MOBI-Dateien ohne DRM. Das gebräuchliche ePUB wird nicht vom Kindle unterstützt. Möchte man sich DOC; HTML, JPEG, GIF, PNG und BMP Dateien auf dem Kindle anschauen, so müssen diese erst von Amazon konvertiert werden. Eine Software vom Dekodieren legt Amazon nicht bei, hier gibt es eine E-Mailadresse mit der der Inhalt auf den Kindle gebracht werden kann. Es gibt es zwei Möglichkeiten: Einmal die kostenpflichtige Zustellung der Inhalte via UMTS und andererseits die kostenlose Zustellung der Inhalte mittels WIFI. Jeder Kindle-Nutzer bekommt zwei Kindle-Adressen, einmal eine für den kostenlosen Versand und einmal eine für den kostenpflichtigen Versand.

Wer ePUB Dateien hat, muss diese auch vor der Nutzung vom Kindle konvertieren, hierfür gibt es die kostenfreie Software namens „Calibre“ – eine Art iTunes für E-Book-Reader die eine Reihe von E-Book-Readern unterstützt.


Schöne, bunte Werbewelt des Kindle.

Lesen
Das Lesen auf einem E-Book-Reader ist ein absoluter Traum, das Display ist gestochen scharf und die Schrift lässt sich angenehm in der Größe verstellen. Das Umblättern beim E-Ink-Display geht inzwischen sehr schnell und im Vergleich zu E-Book-Readern von vor wenigen Jahren sehr schnell. Vorteilhaft beim Lesen finde ich beim Kindle die Suchfunktion, mit der man große Dokumente bzw. Bücher schnell und effektiv durchlesen kann. Natürlich kann man sich auch mit dem Kindle Passagen oder Wörter im Buch markieren und Notizen dazu erstellen. Nett ist das Feature, dass der Kindle auch anzeigt, wie viele andere Personen bestimmte Stellen im Buch markiert haben, sprich, je häufiger eine Stelle markiert wurde, desto interessanter oder wichtiger ist sie. Nutzt man den Kindle über mehrere Geräte hinweg (sprich iPhone, iPad, auf dem Mac oder PC und dem Kindle), so wird das Buch und der Lesefortschritt automatisch synchronisiert, ich kann also an der selben Stelle weiterlesen, wo ich auf einem anderen Gerät aufgehört habe.

Inhalte
Die Inhalte beim Amazon Kindle Store (jetzt inzwischen auch in einer deutschen Version erhältlich) sind noch ziemlich eingeschränkt, hier muss der Bestand noch deutlich wachsen. Wenn man sich hingegeben andere Anbieter aus Deutschland anschaut, so ist der Bestand an deutschen Büchern deutlich größer, hier ist sicherlich ein Nachteil des Kindle zu sehen.

Fazit
Ob jetzt Kindle oder andere E-Book-Reader, diese machen Spaß und animieren zum Mehrlesen, denn man hat das Buch immer dabei und muss es sich nicht erst mühsam aus dem Regal ziehen. Und selbst eigene Dokumente und PDFs können auf dem E-Book-Reader mitgeführt werden. Speziell beim Kindle ist das nicht vorhandene Touchdisplay und der mangelhafte Inhalt des Amazon eigenen Kindle Store ein wirkliches Problem, so bereitet das Gerät mit deutschen Büchern nicht wirklich Freude. Hier wäre beispielsweise der von Cyberport angebotene Sony PRS 650s E-Book-Reader mit Touchdisplay deutlich empfehlenswerter.

Nachteilig beim Kindle ist auch der Kopierschutz und das eigene Amazon-Format, sowie die mangelhafte direkte Unterstützung von ePUB-Inhalten, hier hat man ein geschlossenes System bei dem man an den Anbieter gebunden ist. Mit einem „freien“ E-Book-Reader ist man dagegen nicht gebunden. Das Problem ist nur, dass beispielsweise der Kindle als geschlossenes System vom Inhalteanbieter „subventioniert“ wird, sprich günstiger ist, gerade weil man sich darüber an den Inhalteanbieter bindet. Den Preisvorteil haben „offene“ Systeme natürlich nicht. Trotzdem: E-Books sind die Zukunft, genauso wie früher MP3s einmal die Zukunft waren.

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5 Kommentare

  1. beam schrieb am
    Bewertung:

    Tipp: Man ist nicht umbedingt auf den Amazon Shop angewiesen.
    Unter http://www.beam-ebooks.de bieten wir ausschließlich DRM freie eBooks an, die man sehr leicht auf den Kindle übertragen kann (siehe auch http://www.ebook-journal.de/ebooks-lesen-mit-dem-amazon-kindle).
    Der Vorteil – man ist nicht für alle Ewigkeit an den Kindle gebunden und kann die eBooks auch auf anderen Geräten lesen.

    Eine sehr gute Alternative zum Kindle ist der Sony Reader. Er hat das gleiche Display wie der Kindle aber als Touchscreen.
    Leider auch deutlich teurer.

  2. MMind schrieb am
    Bewertung:

    Das Cyberport eine eReader-Ecke hat wusste ich bis heute noch nicht. Aber das scheint nicht nur mir so zu gehen, sondern auch dem CP-Produktmanagement.

    Den Cybook Gen3 teurer anzubieten als die neueren Sony-Reader (PRS-650 und 350) ist schon abenteuerlich :-) . Insbesonder da dort eine ganze Display-Generation dazwischen liegt (Vizplex im Gen3 vs. Pearl in Sony-Readern, Kindle).

  3. konrad mattes schrieb am
    Bewertung:

    dem fazit von herrn pittermann schließe ich mich an. allerdings: die unterstützung des formats „epub“ ist hier nicht nur mangelhaft, sondern aus marktpolitischen gründen heraus schlicht gesagt überhaupt nicht vorhanden. und das ist für mich vollkommen inakzeptabel – deswegen fiel meine wahl auf den mit 229 euro teureren sony prs-650, und ich bin damit sehr zufrieden. aus meiner sicht kann man keinem normalen kunden ein konvertiertool zumuten, schon gar nicht ein beschneiden der wahlfreiheit und ein lesen in knechtschaft. ach ja, apple und das ipad123 – aber das führt jetzt zu weit!
    schöne grüße, konrad mattes

  4. Cyruss1989 schrieb am
    Bewertung:

    Ihnen ist hoffentlich klar das sie sich das Geld hätten sparen können?

    ePub ist in Sekunden verlustfrei in mobi umzuwandeln, daher wird es bei mir ein Kindle.

    Calibre kann dies beispielsweise.

  5. online kaufen schrieb am
    Bewertung:

    Video Clip erklärte alles sehr zugänglich :)

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