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Inkscape: Alternative zu Adobe Illustrator



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Ist die Open Source Software eine würdige Alternative zum teuren Konkurrenten?
Angesichts der relativ hohen Preise von Profi-Software liegt die Frage recht nah, ob man vielleicht auch mit Open-Source-Software arbeiten kann. Im Office-Bereich hat sich zum Beispiel Open Office schon längst in vielen Betrieben und auf Heimcomputern etabliert. Daher habe ich Inkscape, die Open-Source Version von Illustrator mal unter die Lupe genommen und geschaut ob die Software ein ebenbürtiger Gegner ist. Die Organisation selbst verspricht für Inkscape: „Inkscape ist ein Open-Source-Vektorgrafikeditor, dessen Fähigkeiten mit denen von Illustrator, Freehand, CorelDraw oder Xara X vergleichbar sind. Inkscape verwendet das vom W3C standardisierte SVG-Dateiformat (Scalable Vector Graphics)“ (Quelle: Inkscape.org)
Inkscape läuft auf folgenden Plattformen: Windows, Mac OS X, Linux

Unterstützte Sprachen:
Hier sollte für jeden was dabei sein: Englisch, Deutsch, Spanisch, Französisch, Russisch, Italienisch, Tschechisch

Installation & Inbetriebnahme
Die Datei ist 81MB groß und somit recht schnell runter geladen und installiert. Jedoch dauert das Öffnen trotz eines neuem Macbook Pro (gefühlt) drei Minuten. Ich dachte zuerst das Programm sei kaputt, da sich auch kein Ladebalken oder ähnliches auftat aber man muss ihm offensichtlich nur genug Zeit lassen. Für effektives Arbeiten haben wir hier aber schon mal einen Minuspunkt.

Erster Eindruck
Wer Illustrator oder ähnliche Programme kennt dürfte sich hier nicht völlig fremd fühlen. Das Ganze wirkt auf jeden Fall ein wenig verspielter und unreifer als bei den Konkurrenten. Manche Funktionen sind selbsterklärend, andere dafür nicht. Beim darüber fahren erscheint aber schnell ein erklärendes Tooltip. Standardmäßig öffnet das Programm ein Din-A4-Hochformat. Dies lässt sich in den Dokumenten Einstellungen ändern. Für einen flüssigen Workflow wäre es aber wünschenswert wenn sich das Format beim Öffnen einstellen lässt wie bei Illustrator.

-Inkscape Erster Eindruck:
image

Kompatibilität
Für ein professionelles Arbeiten ist dieser wohl einer der wichtigsten Punkte, denn was nützt es wenn ich meine Dateien in diesem Programm schön ordentlich erstellt habe, die Druckerei oder der Kunde die Datei nicht öffnen kann?

Import von .ai und .eps zu Inkscape: Die Illustrator Datei lässt sich ohne Probleme importieren, alles wird bei meinem Test richtig angezeigt und lässt sich nach Belieben bearbeiten. Etwas anders sieht es komischerweise bei .eps aus. Diese lässt sich nicht importieren. Es erscheint lediglich eine Fehlermeldung „Format konnte nicht gelesen werden“, allerdings ohne Begründung.

Import von Dateien die aus Inkscape gespeichert worden sind: Eine .eps die aus Inkscape gespeichert worden ist, lässt sich problemlos in Illustrator wieder öffnen, allerdings hat man dann eine Datei mit RGB Farbraum.

Die wichtigsten Funktionen und Werkzeuge im Überblick

Pathfinder: Alle wichtigen Funktionen zum verbinden, zerschneiden von Formen sind vorhanden und sind mit den Funktionen aus Illustrator vergleichbar.

Ausrichten: Hier bleiben keine Wünsche offen auch hier kann der Funktionsumfang mit dem Konkurrenten mithalten und steht ihm in nichts nach: Die Ausrichten Funktion bietet sogar ein paar Extras die bei Illustrator nicht zu finden sind. Statt wie bei Illustrator „An Seite ausrichten“ & „An Objekt ausrichten“ bietet einem Inkscape einem sogar die Möglichkeit nach „kleinstem Objekt ausrichten“, „an größtem Objekt ausrichten“, „Zuerst gewählt“, „Zuletzt gewählt“ usw. Ob die Funktionen nun sinnvoll sind oder nicht muss jeder selbst entscheiden, zumindest habe ich diese Funktionen bei Illustrator noch nie vermisst aber immerhin.

Trace Funktion (Bilder nachzeichnen): Funktion ist vorhanden und scheint auf den ersten Blick ähnlich umfangreich wie bei Illustrator. Wie gut genau die Funktion ist, kann ich nicht sagen, da ich sie auch bei Illustrator nie benutze aber macht im direkten Vergleich einen vergleichbar „guten“ Eindruck.

Textwerkzeug: Ähnlich umfangreich wie bei Illustrator, allerdings fehlt die Funktion „Zeichenabstand“, welche in manchen Fällen nicht unwichtig ist. Dafür gibt es aber sogar eine Rechtschreibprüfung (natürlich gibt es die auch bei Illustrator).

Screenshots von Inkscape”

Farben: Ich denke hier zeigt sich der größte Nachteil, denn bei Inkscape gibt es nur RGB Farben, womit es für den Druck nahezu unbrauchbar wird. Des weiteren gibt es zwar eine Menge voreingestellter Farbpaletten wie zum Beispiel „Blautöne“, „Windows XP Icons“ oder „Ubuntu“ um aber eine eigene Farbpalette zu erstellen, muss man die Datei als Gimp- Palette (.gpl) abspeichern um sie danach in ein Verzeichnis zu speichern und wieder ins Programm zu laden. Das empfinde ich als relativ umständlich.
Einen Farbmischer wie aus Illustrator habe ich nicht gefunden. Man muss seine gewünschte Farbe als RGB Wert eintragen um sie zu bekommen und um eine Vorschau des Farbtons zu erhalten müsste man noch eine Erweiterung installieren.

Schnittmaske: Heißt bei Inkscape Ausschneidepfad und schneidet standardmäßig die vordere Form aus der Hinteren und funktioniert somit recht komfortabel und selbsterklärend einfach.

3D Werkzeug: Inkscape verfügt ebenfalls über ein 3D Werkzeug, welches zwar nicht so umfangreich wie bei Illustrator ist, jedoch lässt sich die 3D Form nach Erstellung noch live Bearbeiten. Das heisst, dass sich am erstellen Objekt noch der Fluchtpunkt und Perspektive direkt einstellen lassen. Das ist bei Illustrator zwar auch möglich, jedoch über einen kleinen Umweg. Man kann wie bei Illustrator genaue Werte eingeben oder frei Hand zeichnen.

Es sind also rund um alle Werkzeuge da die man zum Arbeiten mit Vektor Programmen benötigt und gewöhnt ist.

Unterstützung von Grafiktabletts
Getestet mit einem Wacom Bamboo Fun Tablet – läuft flüssig und einwandfrei, Striche werden ohne Verzögerung gezeichnet und einen Unterschied zu Illustrator kann ich nicht feststellen, was das Zeichengefühl angeht. Das Programm nimmt die Druckstufen wahr und ob ich den Stift flach oder gerade halte. Des weiteren lässt sich ähnlich wie bei Illustrator die Glättung einstellen, sodass „Zitterer“ korrigiert werden. Die Stärke ist variabel und man kann zwischen voreingestellten Spitzen wie „Tuschstift“, „Filzstift“, „Pinsel“ wählen oder eigene Pinselspitzen erstellen. Hier kann Inkscape also auch voll mit halten.

Tastenkombinationen
Tastenkombinationen vom Mac Betriebssystem werden ignoriert um Schritte rückgängig zu machen muss man wie bei Windows „STRG + Z“ drücken. Auch jegliche Tastenkombination aus dem uns bekannteren Programm Illustrator sind dem Programm Inkscape völlig unbekannt, was den Workflow natürlich etwas behindert. So muss man zum Beispiel zum raus zoomen die Umschalttaste drücken.

Fazit
Inkscape ist ein Open Source Programm mit großem Umfang. Für den Professionellen Gebrauch ist Inkscape bis jetzt noch nicht geeignet, da es auf den RGB Farbraum aufgebaut ist. Natürlich lassen sich bestimmte Farbprofile auch einbetten, was aber etwas umständlicher ist. Standardmäßig ist kein druckfähiges Farbprofil eingestellt und Dokumenteinstellungen lassen sich diese aber verknüpfen. Desweiteren lassen sich mit Inkscape keine druckfähigen PDF erzeugen. Wer also Daten mit Druckereien austauschen muss, kann mit diesem Programm leider nicht viel anfangen.

Inkscape ist ausbaufähig und als Einsteiger Programm (z.B. für Schüler) sehr zu empfehlen, da es kostenlos ist. Auch wer Vektor Daten ausschließlich für den Webgebrauch erstellen möchte, sollte sich das Programm mal näher anschauen, da das Programm fürs Web das sehr beliebte SVG Format speichern kann.

Der Adobe-Konkurrent wirkt ausgereifter und hat hier und da intelligentere Workflows die effektiveres Arbeiten ermöglichen. Illustrator läuft zudem deutlich flüssiger und schneller, was allein beim öffnen der beiden Programme deutlich wird. Der Zeitfaktor ist für professionelles Arbeiten auf jeden fall auch ein wichtiger Aspekt und sollte daher beachtet werden.

Da Inkscape ein Open Source Programm ist, kann es natürlich gut sein, dass fehlende Funktionen in kommenden Versionen noch ergänzt werden. Solange sollten Profis jedoch auf ausgereiftere Programme setzen.

Zum Schluss kann ich nur sagen, dass jeder selbst ausprobieren sollte, ob Inkscape eine mögliche Alternative ist, ich hoffe aber, dass ich euch mit meinem Beitrag einen kleinen Einblick in das Programm gewähren konnte.

Ein paar nützliche Links für Inkscape:

  • Wer das Programm austesten möchte kann es auf der Hersteller Seite www.inkscape.org kostenlos runterladen. Die Installationsdatei ist 81MB groß.
  • Viele Benutzerbeispiele findet ihr unter Inkscape Wiki
  • Tutorials findet ihr hier Inkscape Tutorials
  • Unter openclipart.org findet ihr eine offene Bibliothek mit Inkscape Dateien
  • Natürlich gibt es auch ein deutschsprachiges Forum in dem ihr auch beeindruckende Beispiele findet (unter Design) Inkscape Forum

    Die umfangreichen Adobe-Kollektionen findet ihr natürlich im Cyberport Shop.

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  • 2 Kommentare

    1. Benjamin Grüning schrieb am
      Bewertung:

      Melanie, Danke für die schöne Vorstellung und Glückwunsch zum gelungenen Start in eine neue Zukunft.

      Ich werde mir die App morgen mal ein wenig näher anschauen, denn ich bin seit gestern ein MacBook Oldie Nutzer und brauche ne Alternative zu Photoshop.

      Mit freundlichen Grüßen
      Benjamin Grüning

    2. Melanie Rindke schrieb am
      Bewertung:

      Hallo Benjamin,
      danke für deinen netten Kommentar :)

      Wenn du wirklich auf der Suche nach einer Alternative für Photoshop bist (Inkscape ist ja eher eine Alternative zu Illustrator), darfst du dich auf einen meiner Beiträge in der nächsten Woche freuen!

      Liebe Grüße
      Melanie

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