Tests

Im Test: MacBook-Konkurrent Microsoft Surface Laptop 3



Zugeordnete Tags Microsoft | Surface | Notebook
Bereiche

Bewertung
Gut, aber teuer
4

 Pro

  • Äußerst hochwertig & fast schon futuristisch
  • Tolles Touch-Display
  • Ordentliche Hardware
  • Präzise Tastatur

 Contra

  • Anschlussarmut
  • Kein Zubehör im Karton
  • Bildwiederholrate nicht anpassbar
  • Leichtes Backlight Bleeding
  • Zu schwach für aktuelle Games

Ein wenig geschmunzelt hat wohl so mancher, als sich Microsoft vor einigen Jahren entschied, den Markt der Notebooks und Tablets aufzumischen. Sieben Lenze ist es inzwischen schon her, seit die erste Surface-Generation auf den Markt kam. Inzwischen werfen sich Surface Pro, Surface Laptop und Surface Studio Jahr für Jahr als ernst zu nehmende Konkurrenz – nicht zuletzt für MacBook und Co. – in die Hightech-Waagschale. Dementsprechend dürfte das ungläubige Schmunzeln weiträumig einem wissenden Lächeln gewichen sein, denn was Microsoft hier an Technik ins Business bringt, hat durchaus Hand und Fuß.

Zur 2019er-Riege gehört unter anderem auch der Surface Laptop 3, der in zwei Displaygrößen, diversen Farben und auch in zwei Alcantara-Varianten auf den Markt kommt. Vor allem die 15-Zoll-Variante ist dabei dem MacBook näher denn je. Aber ist sie dem Apple-Konkurrenten wirklich gewachsen? Testen wir das gut 1.650 Euro teure Edel-Notebook und finden es heraus.

Lieferumfang

Surface mit Ecken & Kanten & überschaubaren Anschlüssen

Ich weiß ja nicht, wie es euch geht, aber immer, wenn ich mir ein besonders teures Technik-Schmankerl zulege, erwarte ich schon beim Auspacken einen gewissen Unterhaltungs- und Begeisterungswert. Bei Smartphones klappt das ganz gut, bei Kameras noch besser, bei Notebooks mal mehr und mal weniger. Der Microsoft Surface Laptop 3 fällt eher in die „weniger“-Sparte.

Der Karton präsentiert sich noch in klassischer Surface-Manier und wirkt wertig und robust. Allerdings transportiert er ziemlich viel Luft. Gleich unter dem Deckel finde ich schon das Notebook, eingeschlagen in schützendes Plastik. Nehme ich das Book beiseite, lande ich schnell beim Netzteil und den Beilegern. Das war’s. Mehr suchen brauche ich nicht, denn da gibt es nicht mehr: kein Stift, keine Adapter, kein Sleeve, nichts. Da denke ich doch ein wenig wehmütig an frühere Test-Notebooks wie zum HP Spectre zurück.

Und wenn wir schon einmal über die Adapter sprechen, können wir auch gleich einen Blick auf die Anschlüsse werfen. Keine Sorge, das geht schnell. Denn außer einem USB-Port am Ladegerät, einem zweiten am Notebook, einem zusätzlichen USB-C-Anschluss und einer Klinkenbuchse gibt es nichts. Wer also Peripherie anschließen will, muss sparsam sein oder ziemlich schnell zu einem Dock beziehungsweise Hub greifen.

Unumwunden positiv muss ich mich jetzt allerdings noch über das Design des mit 1,5 Kilogramm recht angenehm-leichten Surface Laptop 3 äußern. Mein 15-Zöller kommt im 3:2-Format daher und präsentiert sich in einem rundum makellos verarbeiteten Gehäuse. Das Metall-Chassis fühlt sich absolut hochwertig an und geht fast schon fließend in Trackpad und Display über. Handschmeichler sind die Ecken und Kanten hingegen nicht, denn hier ist nichts gefällig angeschrägt oder abgerundet. Der Laptop gibt sich bewusst kantig und geradlinig und gewinnt dadurch auch einen leicht futuristischen Charme.

Der Karton gibt sich in klassischer Surface-Manier.
Der Inhalt auch.
Surface Laptop, Ladekabel, Beileger - that's it.
Immerhin gibt es am Netzteil auch noch einen USB-Anschluss.
Der Karton gibt sich in klassischer Surface-Manier.
Display

Überzeugendes Touch-Display im ungewöhnlichen 3:2-Format

Bereits die vorherigen Generationen des Surface Laptop gingen beim Display-Format eigene Wege. Während sich alle Welt ein Multimedia-taugliches 16:9 auf die Bildschirmfahnen schreibt, macht Microsoft konsequent 3:2 weiter. Das beschert dem 15-Zöller mit PixelSense dann auch eine entsprechende Auflösung von 2.496 mal 1.664 Pixeln, die für knackscharfe Bilder sorgen. Generell kann ich über die Qualität der Darstellung kaum meckern.

Das Panel deckt den sRGB-Farbraum komplett ab und punktet mit satten Farben und tollen Kontrasten. Die maximale Helligkeit geht in Ordnung, wenngleich ich beim Außeneinsatz schon ein bisschen gegen die starken Reflexionen ankämpfen muss. Und zu guter Letzt passt auch die Blickwinkelstabilität. Die Farben ändern sich lediglich bei sehr breiten Blickwinkeln von oben und unten leicht ins Gelbliche. Was ich natürlich auch noch erwähnen sollte: Es handelt sich wie gewohnt um ein Touch-Panel, das all meine Touch- und Multitouch-Eingaben präzise entgegen nimmt.

Kommen wir zu den kleinen, verschmerzbaren Kritikpunkten: Zunächst kommt das Display des Surface Laptop mit einem rundum unzeitgemäß breiten Rahmen daher. Zudem ist ein leichtes Backlight Bleeding am unteren Bildschirmrand zu verzeichnen, was eigentlich nicht weiter dramatisch ausfällt. Blöderweise sorgt aber nun wieder das Bildschirmformat dafür, dass jedes Video oben und unten schwarze Streifen hat und das Bleeding dementsprechend immer auffällt. Außerdem muss ich an der Stelle noch bemängeln, dass die Bildwiederholrate des Panels bei gerade einmal 60 Hertz liegt und sich auch nicht erhöhen lässt. Ein wenig mau bei diesem Preis.

Das Touch-Display erweist sich abermals als Highlight ...
... und stellt Inhalte aus allen Blickwinkel kontrastreich dar.
Auch beim Design überzeugt der Surface Laptop 3.
Allerdings sind 3:2 und der große Display-Rahmen gewöhnungsbedürftig.
Eine gute Webcam ist auch Standard.
Das Touch-Display erweist sich abermals als Highlight ...
Hardware

Ryzen läuft rund, wenn auch nicht rasant

Neu an der dritten Generation des Surface Laptop ist die Wahlmöglichkeit bei der Hardware. Neben dem Alcantara-Alu-Zwiespalt kommt auch noch die Frage nach Intel oder AMD auf euch zu. Ich habe mich bei meinem Testgerät einmal für die AMD-Variante entschieden, um endlich den vielbeschworenen Ryzen in Aktion zu sehen. Doch vorher die Hard Facts im Überblick:

  • AMD Ryzen 5 3580U mit Quad-Core und Optimierung auf den Surface Laptop
  • AMD Radeon Vega 9 Grafik (onboard)
  • 256 Gigabyte SSD-Speicher mit NVMe-Technologie
  • 8 Gigabyte Arbeitsspeicher

Als Erstes schaue ich mir wieder die Benchmarks an. Neben Cinebench R15 und 20 habe ich noch den PCMark 10, 3DMark und AS SSD durch den Rechner gejagt. Die Ergebnisse sind logischerweise nicht Weltklasse, aber für einen schlanken Rechner im Segment rund um Huawei Matebook und Dell XPS auch gar nicht so schlecht. Der Surface Laptop positioniert sich natürlich unterhalb der Nicht-U-Prozessoren, kann aber mit direkten Konkurrenten gut mithalten. Vor allem in den 3DMark-Tests konnte das Notebook mitunter ganz souverän abschneiden. Hinzu kommen ordentliche Geschwindigkeiten beim Lesen und Schreiben auf der SSD.

In der Praxis behauptete sich der Surface Laptop 3 in nahezu jeder Situation. Photoshop und Lightroom liefen ordentlich, aber eben mit den Lags, die jeder Prozessor dieser Klasse mitbringt. Office, Web und Streaming sind ohnehin nicht der Rede wert. Bleibt die Frage nach dem Gaming: Es wird ja immer mal geschwärmt, wie toll sich AMD-APUs gegen dedizierte Grafikkarten behaupten können. Nun, beim Surface Laptop stimmt das nur sehr bedingt. Mein Testlauf mit „Destiny 2“ ging lediglich mit minimalen Details flüssig über die Bühne. So richtig Spaß hat das dann aber nicht mehr gemacht. Schade, dass es den Microsoft-Laptop (gerade bei diesem Preis) nicht doch auch mit GeForce-MX-Option gibt.

Im Cinebench R15 schneidet der Surface Laptop besser ab ...
... als im Cinebench R20.
PCMark 10 schätzt den Ryzen-Rechner auch nicht so prall ein.
Immerhin kann ich im 3DMark ...
... je nach Benchmark doch ganz ordentliche ...
... Werte aus dem Notebook kitzeln.
Die Schreibgeschwindigkeit geht in Ordnung.
Im Cinebench R15 schneidet der Surface Laptop besser ab ...
Tastatur

Angenehmes Tippen für ein so leichtes Notebook

Bei den Surface-Produkten waren die Tastaturen meist ein kleines Highlight. Selbst die Docking-Tastaturen von Surface Pro und Co. wussten zu überzeugen. Ähnlich ist auch der Surface Laptop 3 aufgestellt. Das Notebook kommt mit einer relativ klassischen Tastenanordnung daher, wenn man von dem noch immer merkwürdig zwischen F12 und Entf positionierten Power-Button einmal absieht.

Alle Tasten haben einen spürbaren und angenehm straffen Druckpunkt, ergänzt durch einen ausreichenden Tastenhub. Nicht alle Tasten geben dabei das gleiche Feedback. So kommt mir Enter zum Beispiel weicher und schwammiger vor als die Buchstabentasten. Alles in allem lässt sich auf dem Keyboard des Surface Laptop 3 aber auf Dauer angenehm tippen, was auch der zwar hörbaren, aber ebenso annehmbaren Geräuschkulisse geschuldet ist.

Ergänzt wird die Tastatur durch ein Clickpad mit Glasabdeckung, das fast schon zu akkurat und rasant anspricht. Hier habe ich ein wenig Übung gebraucht, um mit Mehrfingergesten auch wirklich treffsicher zu navigieren. Die beiden Tasten sind ähnlich wie beim MacBook in das Clickpad integriert und sprechen ebenso präzise an. Für meinen Geschmack sind sie beim Klicken jedoch ein wenig zu laut.

Gewohnte Tastatur mit gewohnt seltsam positioniertem Power-Knopf.
Das haptische Feedback beim Tippen passt, ...
... allerdings könnte vor allem das Clickpad ein wenig leiser sein.
Gewohnte Tastatur mit gewohnt seltsam positioniertem Power-Knopf.
Software & Surface Pen

Der Surface Pen glänzt mit Abwesenheit

Da ich die zweite Generation des Surface Laptop nicht testen konnte, ist mir der Abgesang auf das unsägliche Windows 10 S leider durch die Lappen gegangen. Dafür freue ich mich nun beim Surface Laptop 3 umso mehr, dass sich die Bevormundung des Nutzers nicht gehalten hat. Windows 10 Home habe ich an Bord und mit ihm natürlich alle Features, die Windows-Nutzer lieben. Cortana, Edge, Hello – alles alte Bekannte, die auch der neue Laptop mitbringt.

Zudem erklärt mir mein Surface gleich nach dem ersten Start, dass ich auch den Surface Pen gern einrichten und konfigurieren kann. Aber welcher Pen? Auch dieses durchaus sinnvolle und mit um die 60 bis 80 Euro auch nicht allzu teure Produktiv-Add-on muss ich nachkaufen. Ich frage mich ein wenig, warum es nicht einmal der Pen in den Lieferumfang des wahrlich nicht schmalpreisigen Microsoft-Notebooks geschafft hat. Das Dock verlange ich ja noch nicht einmal, aber der Pen und das tolle Touch-Display? Das wäre doch ne super Kombi.

Der Surface Laptop geizt mit Zubehör ...
... und ist auch bei den Anschlüssen eher mau aufgestellt.
Den Surface Pen sucht man vergebens.
Der Surface Laptop geizt mit Zubehör ...
Audio

Umschalttaste, ich hör dich trällern

Bei meinem ersten Rundum-Blick hatte ich schon das Gefühl, dass mir irgendetwas fehlt. Im Laufe des Tests habe ich auch herausgefunden, was das ist: Lautsprecher-Öffnungen. Und Fakt ist: Der Surface Laptop 3 hat keine, sondern gibt seinen Ton über die Tastatur aus. Je mehr ich aufdrehe, desto mehr vibriert dabei die Handballenauflage, denn der Laptop schafft ganz ordentliche Bässe und Mitten. Für meinen Geschmack klingt das Ergebnis allerdings ein wenig dumpf beziehungsweise gedämpft.

Überhaupt nichts zu meckern habe ich hingegen bei den Betriebsgeräuschen. Während des gesamten Tests ist der Surface-Lüfter nur beim „Destiny“-Zocken deutlich lauter geworden und es wurde kuschelig warm in der Gehäuseunterschale. Jenseits davon flüstert sich das Notebook aber geschmeidig durch den Business- oder Multimedia-Alltag.

Und das schafft es auch locker neun bis zehn Stunden lang. Ich habe schon ab und an verwundert auf den Akkustand geschaut, weil ich der Meinung war, der Laptop müsste doch langsam mal nach einer Neuladung rufen. Die lässt sich aber beim Tippen und Surfen und natürlich bei reduzierter Display-Helligkeit gut hinauszögern. Ist es dann doch einmal soweit, steht der Surface Laptop 3 nach spätestens zwei Stunden wieder zur Verfügung. Hier liefert Microsoft sehr gut ab.

Kommt da ein Ton raus?
Nein, nur Abwärme. Der Ton kommt aus der Tastatur.
Kommt da ein Ton raus?
Fazit

Tolles Design, tolles Display, deftiger Preis

Nach ausgiebigem Test hat der Surface Laptop 3 von Microsoft bei mir doch an der einen oder anderen Stelle wieder für Verwunderung gesorgt. Denn da sind schon so ein paar Merkwürdigkeiten, die einem Notebook dieser Preisklasse nicht ganz so gut zu Gesicht stehen. Aber fangen wir wie immer beim Positiven an: Der Surface Laptop ist vor allem in der Nicht-Alcantara-Variante ein sehr edles, ziemlich robustes und rundum hochwertiges Stück Technik. Die Verarbeitung ist top und das Multitouch-Display weiß nahezu uneingeschränkt zu überzeugen. Auch Hardware-seitig kommt der Laptop ganz passabel daher, während die Vielschreiber unter euch eine ordentliche Tastatur geboten bekommen.

Was mir weniger gefallen hat, ist die doch etwas schmale Grafik- und Prozessorleistung. Der Ryzen und seine Vega-Grafik sind zwar grundlegend nicht verkehrt und meistern den Business-Alltag souverän. Aber für gut 1.650 Euro wäre doch sicherlich auch dedizierte Grafik drin gewesen. Ebenso wenig begeistert hat mich die eher magere Anschlussausstattung und das Fehlen des Surface Pen. Hier müsst ihr leider für jedes bisschen Zubehör erneut löhnen. Als kleine Minuspünktchen wären dann noch das etwas laute Clickpad, das leichte Backlight Bleeding nebst nicht anpassbarer Bildwiederholrate und die kuriose Audioausgabe zu verzeichnen.

So muss ich letztlich eben zusammenfassen: Beim Surface Laptop 3 kauft ihr sehr viel Stil und Display-Qualität, verzichtet aber auf Leistung und Vielseitigkeit eines klassischen (Gaming-)Notebooks im gleichen Preissegment. Und bevor einer fragt, wann ich denn den Bogen zum MacBook aus der Einleitung schlage: Optisch kommt der Surface Laptop 3 ganz gut ran an den Apple-Rechner, technisch kann er dank Touch mehr, aber bei der Leistung bietet zumindest mein Testgerät weniger. Allerdings fehlen dem Surface Laptop auch noch ein paar hundert Euro zum MacBook Pro mit 15 Zoll. Ein vergleichbar teurer Rechner mit einem My Technik mehr wäre vielleicht sogar auf Augenhöhe – die Apple-Fanboys mögen mir verzeihen.

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