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Rückblick und Vorbericht: 10 Jahre Notebooks



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Von Compaq Presarios und Hotline-Erlebnissen…
Bevor ich die beiden Notebooks Compaq Presario CQ56-103EG und HP 625-WS833EA auspacke, fotografiere und dem Testlabor zuführe möchte ich ausnahmsweise mal ein paar Worte vorweg schicken, denn mit den Compaq Presarios hab ich so meine besonderen Erfahrungen. „Früher war alles besser“…Sei es die unverstandene Jugend oder der angeblich mittlerweile unterirdische Service allerorten, die hohe Politik, das Sozialsystem und das allgemeine oder spezifische Preisniveau. Die verklärte Sicht der Vergangenheit macht vor keinem Thema halt. In diesem Zusammenhang wird auch gerne eine „nachlassende Produktqualität“ beklagt, die sich nahezu über alle Produktkategorien ausgebreitet habe. Neuere Qualitätsstandards, zusätzliche gesetzliche Gewährleistungspflichten und die Transparenz des Internet mit seinen unzähligen Produkttests haben in vielen Bereichen aber wohl eher das Gegenteil bewirkt. Die meisten Produkte wurden in Wahrheit in den letzten 10 Jahren immer besser UND immer billiger, und das gilt in besonderem Maß für die Welt der elektronischen Helfer.
Mehr Leistung zu gleichem oder kleinerem Preis nennt man ja eigentlich sogar eine Produktivitätssteigerung, aber so einfach ist das wohl hier nicht. Als Mitarbeiter im technischen Support von Compaq lernte ich bereits im Jahr 2001 die noch sehr junge Presario-Reihe kennen, die ja bis heute weitergeführt wird, zwischendurch EVO hieß und lange Zeit eben kaum günstiger wurde. Einige der Systeme haben mir damals schon ganz gut gefallen, denn diese waren den Markt beherrschenden Desktoprechnern erstmals nahezu ebenbürtig, wozu damals noch serielle und parallele Anschlüsse, nicht aber ein WLAN-Modul nötig waren. Zu dieser Zeit wurden die Presario-Modelle 1215 (das Standardnotebook), 1400 (der Plastikbomber), 1600 (das grosse 1215), 1700 (Edelmodell der Consumer-Reihe) und 1800 (1600 verbessert und größer) über verschiedene Kanäle in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertrieben, wobei der Renner das Modell 1800 war. Dieses war zwar gut ausgestattet, aber gerade in der Verarbeitung nicht perfekt (das 1700er war da etwas besser). Unvergesslich ist das „1800er“ aber aus einem ganz anderen Grund, der bis heute einen Referenzpunkt für mich darstellt: Der Kaufpreis!

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Irgendwie war es ja lustig, oder sogar lächerlich, und dementsprechend machten die Kollegen auch so ihre Witzchen. Aber Compaq hatte mit dem Vertrieb der 1800er Modelle über die Discounter-Schiene offenbar den Nerv der Leute getroffen. Trotz des exorbitanten Preises von sage und schreibe Sechs Tausend Mark – es können auch 5999 DM gewesen sein – wuppten sich die Familienväter reihenweise beim Warten an der Kasse „mal eben“ solch eine Investition in den Korb. In Österreich verkaufte Compaq die Systeme über Hofer, in Deutschland – wenn ich recht erinnere – über die Wursttheken von Plus und LIDL und in der Schweiz über die Mitropa. Wir fanden es unglaublich, wie viele Menschen bereit waren, einen solch hohen Betrag zu zahlen, aber vielleicht saß die Mark damals noch lockerer als der Euro heute. Kein Wunder jedenfalls, dass sich schnell Nachahmer fanden und nach einiger Zeit sogar Aktiengesellschaften auf diesem Geschäftskonzept gegründet wurden. Wie man sieht waren eben gerade Notebooks noch vor einigen Jahren viel teurer als derzeit. Auch im Jahr 2004 kosteten vergleichbare Systeme gut und gern noch 2000 Euro, die heute etwa für ein Viertel davon zu haben wären. Man sieht also, dass früher eben nicht alles besser war…und ich hab auch nicht „Autobahn“ gesagt.

Das war soweit das, was ich sagen wollte. Wer mag kann jetzt noch das ein oder andere Kundenanektdötchen lesen.

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Ja, Grüezi…
Mit den Käufern aus den drei deutschsprachigen Ländern konnten natürlich wir Untergebenen uns rumschlagen, was auch eine Rücksichtnahme auf lokale Eigenheiten wünschenswert machte. Bis man das soweit „drauf“ hat, vergehen allerdings so einige lustige Gespräche, wie z.B. mit dieser Dame aus der Schweiz:

Frau: „Ja Grüezi, I hob da an Compario von Ihenen, odrrr?“
Ich so: „Weiß ich ja nicht…haben Sie oder haben Sie nicht?“
Frau: „Ja, sagg ich doch, I hob da änne Compario und de startet nimmi, odrr?“
Ich so: „Ja weiß ich immer noch nich…mit Compario meinen Sie doch sicher einen Compaq Presario, oder? Und haben Sie einen…?“
Sie bekam langsam einen verärgerten Unterton was mich schwer verwirrte, weil ich dieses komische „odrr?“ an jedem Satzende tatsächlich als Frage verstanden hatte. „Ja sagg ich doch, odrr?“ wiederholte sie noch ein paar Mal bis ich begriff, dass das so was wie das englische „isn´t it?“ sein musste. Ihr „odrrr?“ hatte ich ungefähr so gut verstanden wie die Übersetzung des Englischen in „Asterix bei den Briten“: „Es ist, ist es nicht?“ (it is, isn´t).

Ich dann wieder so: „Ok, also Sie haben einen Presario und ich frag jetzt auch nicht mehr nach dem „odrr?“. Könnten Sie mir denn dann bitte einmal die Modellbezeichnung nennen?
Frau: „Nu, is änne Compario. Da brauchen Sie jetzt noch eine Nummrr, odrr?“
Ich so: „Geeenau!“
Da ich aber selbst noch ganz neu war, kannte ich weder die Modelle im Einzelnen, noch wusste ich wo man die Modellbezeichnungen auf den Rechnern eigentlich findet, aber zumindest für Ersteres gibt es ja Datenbankabfragen. Dass Compaq den Namen „Presario“ in der Schweiz auch für mehrere Desktop-PC-Varianten benutzte, hatte ich aber schon mitbekommen.

Ich also wieder so: „Also, schauen Sie doch bitte nach einer Bezeichnung, in der Regel aus Buchstaben und/oder Zahlen bestehend.“
Frau: „Ija, hieristi änne Bezeichning, odrr? Nennt sig virrzigg icks (40X)…“
Ich so: „Hm, OK. Kleinen Moment bitte, ich schau mir das Gerät mal in der Datenbank an…40X haben Sie gesagt? Dazu finde ich ja leider gar nichts…Wenn Sie kurz warten könnten, würde ich eben die nötigen Informationen von einem Kollegen erfragen?“

Als ich dann endlich jemand gefunden hatte, der sich meines Problems annehmen konnte, fragte ich nach: „Sag mal kennst Du ein Modell 40X aus der Schweiz? Ich find da nämlich nichts in der Datenbank…“ Der Kollege begann zu schmunzeln. „Das ist n Desktop, oder?“ Und ohne meine Antwort abzuwarten schob er hinterher: „…wenn es auf der Vorderseite stand wird es wohl die Lesegeschwindigkeit des CD-Laufwerks sein, vierzigfach halt…die Modell-Nr. steht hinten drauf.“ „Diese Schweizerin hat so was von keinen Plan, die macht das bestimmt nur im Auftrag ihres Ehemanns“ schob er noch hinterher. Die Kundin konnte dann an eine Stelle in der Schweiz verwiesen werden, denn die „Comparios“ sollen die mal lieber selbst reparieren, odrr?

Ah geh, s´is a Schmäh…
Über alles gesehen sind die Menschen in der Regel aber sehr nett, auch wenn sich mal der ein oder andere über die Abläufe aufgeregt hat. Insofern kann ich sagen, dass ich soweit mit allen Kunden ganz gut klar gekommen bin, nur mit einer Sorte hatte ich so meine Schwierigkeiten, und das waren komischerweise diese ach so kultivierten Wiener. Nichts gegen die Österreicher, warum auch? Ich bin ja beileibe kein Rassist und mir ist auch egal ob Ali und Aishe deutsch können (frag mich eh was daran so wichtig sein soll, aber das ist ja jetzt nicht Thema). Der gemeine Wiener unterscheidet sich – gefühlt – deutlich von allen anderen Lebewesen des deutschen Sprachraums, und das leider in negativer Weise. Ob das bewusst oder unbewusst passiert weiß ich auch nicht, es ist aber auffällig, dass nahezu alle Kollegen diese Erfahrung teilten.

Die Vorwahl 0043-1- geriet dementsprechend ziemlich in Verruf unter den Kollegen, täglich erzählte jemand anders wieder von „seinem“ Wiener und wie er heut wieder genervt hat. In der Tat muss man bei 0043-1- immer damit rechnen, dass man statt den Aussagen eines Kunden nur Kaugummi-Geschmatze hört, dass zwischendurch plötzlich eine in nächster Nähe befindliche Klospülung erklingt und man sicht denkt: „Ach so…daher“. Oder auch dass man Kunden hat wie den guten Mann, der mir eine Webadresse mit „dubya, dubya, dubya…dat kam“ diktierte, was wohl soviel heißen sollte wie www…punkt com.

Das soll bis hierher erstmal genügen, auch wenn man im direkten Kundenkontakt immer mal wieder lustige Sachen erlebt oder schräge Probleme auftauchen. So gesehen könnte ich also wohl noch das ein oder andere Geschichtchen aus dem Nähkästchen freilassen, aber das interessiert doch eh niemanden, was ja wiederum auch OK wäre. Sollte wider Erwarten eine Flut von flehentlichen Bitten um weitere Ergüsse hernieder regnen lasse ich mich gegen Zahlung eines fürstlichen Salärs eventuell noch einmal dazu herab.

Ansonsten stell ich natürlich als nächstes die beiden Testkandidaten Compaq Presario CQ56-103EG und HP 625-WS833EA (Aktionsmodell) endlich vor, die wegen ihrer sehr geringen Preispunkte von 299 bzw. 329 Euro – bei jeweils 15,6 Zoll Bildschirmgröße – und dem Einsatz zweier unterschiedlicher AMD-Prozessoren überhaupt erst in die engere Auswahl gekommen sind. Und natürlich wegen dieses Wahnsinns-Artikels hier.

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