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Pinterest - Pinnst du schon oder postest du noch?



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Die neue Wunderwaffe oder nur eine Sternschnuppe am Social-Web-Himmel?
Ein weiteres soziales Netzwerk, wo doch allein schon über 800 Millionen Menschen auf Facebook sind und sich inzwischen auch schon knapp 90 Millionen sich bei Google+ angemeldet haben? Ein weiteres Netzwerk, in dem es hauptsächlich um das Teilen von Inhalten geht? Mutig, mutig möchte man demjenigen noch zurufen, der sich auf das Terrain zweier mächtigen Platzhirschen wagt. Entschuldigt, es sind natürlich drei, denn auch bei Twitter geht es nur um das Eine. Wir teilen unser Befinden mit, wo wir uns gerade befinden, was wir tun oder welche Seite uns gefällt. Vor allem aber sharen wir Bilder und Videos, die andere Personen ins Netz gestellt haben. Genau hier setzt Pinterest an. Was ist Pinterest und warum könnte es Facebook, Google+ und Twitter schnell den Zahn ziehen?
Liegt der Fokus bei Twitter auf Text-Meldungen mit Links zu Seiten, Bildern oder Videos, zeigen uns sowohl Facebook, als auch Google+, Videos und Bilder als direkt Vorschau oder Fotoalbum. Man sieht sofort worum es geht und ob sich ein zweiter Blick lohnt oder eben nicht. Das begreifen inzwischen immer mehr Menschen und so werden selbst komplexere Studien ansprechend als sogenannte Infografiken dargestellt. Hört sich neumodisch an, ist es aber nicht. Ein Beispiel? Man stelle sich nur mal vor, man müsse sich ohne Karte durch den öffentlichen Nahverkehr schlagen. Was schon in kleineren Städten schwierig ist, wird in Metropolen wie Berlin, London oder New York zum Martyrium. Ein Blick auf die U-Bahn-Karte reicht und schon wird klar, wo wir umsteigen müssen, um von A nach B zu gelangen. Würden wir stattdessen einen Wisch in die Finger bekommen, auf dem steht, dass wir mit der roten Linie bis zum Platz X fahren müssen, um dann die blaue Linie in Richtung Y zu nehmen, bevor wir … oh Gott – ich glaube, wir wären aufgeschmissen.

Und genau hier setzt Pinterest an, ist es doch kurz gesagt primär nichts anderes als ein Bilder-Bookmark-Dienst. Einer Frau gefällt das süße Kätzchen, sie pinnt es auf ihre Pinnwand unter der Rubrik „Tiere“ direkt neben den Bildern von den lustigen Hundewelpen und dem verrückten Kakadu. Ein Blick auf ihre Seite verrät uns weiter, wie ihre Hochzeit aussehen und das zukünftige Heim eingerichtet werden soll. Es geht bei Pinterest in erster Linie nicht um die Person, sondern die Dinge, die sie mag.

Es ist in aller Munde, aber wie kommt es?

Pinterest – ein Wortspiel aus „pin“, zu deutsch etwas anheften oder auf etwas deuten, und „interest“. Vor zwei Jahren das Licht der Welt erblickt, startete ein beeindruckender Erfolgskurs, der selbst für die Platzhirsche gefährlich werden kann. Im August 2011 kürte niemand anderes als das Time Magazin Pinterest zu einer der 50 besten Webseiten des Jahres. Von TechCrunch wurde es als bestes Startup 2011 nominiert und comScore vermeldete im Januar, dass Pinterest inzwischen für mehr Traffic verantwortlich ist als Google+, YouTube und LinkedIn zusammen. Inzwischen gilt das Netzwerk außerdem als die am schnellsten wachsende Internetseite in den USA und zählt bereits über 10 Millionen User.

Wie funktioniert Pinterest?

Wie auch zu Beginn bei Google+ heißt es auch bei Pinterest zunächst: In ist, wer drin ist und rein kommt man nur per Einladung. Hat man es erst einmal geschafft, wird man schnell feststellen, dass der Dienst unser innerstes Grundbedürfnis im Web-2.0-Zeitalter stillt: Unsere Vorlieben so plakative wie möglich zu präsentieren., denn keiner setzt sich hin und liest sich ellenlange Postings durch. Sicher, Facebook, Google+ und Twitter bieten auch die Möglichkeit, aber bei Pinterest ist es der Kern des Ganzen. Anders als bei Facebook, gibt es hier eine echte Pinnwand, an die man seine Inhalte pinnen kann, was vornehmlich natürlich Bilder und Videos sind. Somit kann man zurecht behaupten, dass Pinterest die (vielleicht) perfekte Synthese aus Facebook und Bilder- bzw. Videodiensten wie Flickr/YouTube ist. Dabei spielen aber Videos eine eher untergeordnete Rolle, denn Bilder sind Trumpf.


Das große schwarze Brett mit den Beiträgen der Leute, denen ich folge.
Bilder sind Trumpf.
Klick auf ein Bild genügt und schon bekomme ich die Großansicht.
Als Textvorschlag wird übernommen, was der/die andere Pinner/in als Bildunterschrift verwendet.
Als Textvorschlag wird übernommen, was der/die andere Pinner/in als Bildunterschrift verwendet.
Pinterest – Teil 1″

Das Grundkonzept ist dabei so einfach, wie auch schon bekannt: Entweder ich pinne selber etwas von einer Webseite an meine eigene Pinnwand, die aus sogenannten Boards besteht, oder ich re-pinne Inhalte anderer Pinner, gleichkommend dem Teilen/Sharen bei Facebook oder dem Retweeten bei Twitter. Die Boards unterteile ich bequem nach Themen, die mich interessieren: Musik, Sport, Reisen, Klamotten, Gadgets oder auch Infografiken. Ich kann entweder die Boards übernehmen, die mir Pinterest standardmäßig anbietet oder ich kreiere mir meine eigenen. Selbstverständlich kann ich diese anordnen, wie ich lustig bin und auch bei der Anzahl lässt man mir freie Hand.


Auch Videos machen sich sehr gut auf dem Pinterest Board.
Ein Übersicht meiner, zugegeben, noch etwas leeren Boards.
Hier wird kein Platz sinnlos verschenkt. Pinterest verzichtet bewusst auf ein komplett fixes Raster. Spalten genügen.

Ich finde es gut, dass es keine Unterteilung im Board nach Video- und Bildinhalten gibt.

Ich finde es gut, dass es keine Unterteilung im Board nach Video- und Bildinhalten gibt.
Pinterest – Teil 2″

Was das Abonnieren bei Facebook und das Folgen bei Twitter sowie Google+ ist, lässt sich auch bei Pinterest tun. Ich folge andere Pinner und bleibe so stets auf dem Laufenden, was Freunde und andere „Pinner“ mögen. Aus all den Inhalten stellt mir Pinterest meine ganz persönliche Pinnwand zusammen, ähnlich dem Newsfeed bei Facebook – nur hübscher – und so komme ich mir wirklich vor, als stünde ich vor einer realen Pinnwand.

Natürlich darf auch ein Social-Button wie der Like-, Tweet- oder +1-Button nicht fehlen und so kommt demnächst auf vielen Internetseiten wohl noch der “Pin It”-Button dazu. Eine andere, noch schnellere Möglichkeit, Inhalte zu pinnen bietet mir das Bookmarklet für meine Lesezeichenleiste. Wie man unter Chrome, Firefox, Safari oder dem Internet Explorer einrichtet, erklären die offiziellen Videos. Ein Klick genügt und schon kann ich Bilder der Webseite auf meine eigene Pinnwand hinzufügen. Leider funktionierte das Ganze bei mir weder auf der Facebook-Webseite noch bei YouTube, stattdessen erhalte ich nur eine ernüchternde Fehlermeldung. Natürlich darf es bei einem neuen Überflieger nicht an einer App fehlen und so gibt es eben diese gratis für iOS-Geräte.


Übersicht meiner gepinnte Schätze.
Verknüpfe ich Pinterest mit Facebook, sehen auch meine Freunde, was ich mag und pinne.
Nutze ich das Bookmarklet, zum Beispiel hier im CyberBloc, kann ich damit bequem das Bild auswählen, welches ich an meine Pinnwand pinnen möchte.
Auf der Facebook-Seite selber funktioniert das Bookmarklet leider nicht ...
Auf der Facebook-Seite selber funktioniert das Bookmarklet leider nicht ...
Pinterest – Teil 3″

Auf den ersten Blick gleicht Pinterest einem netten Zeitvertreib ohne wirkliche Kommunikation, wie wir sie von den drei anderen sozialen Riesen her kennen. Zur Zeit gibt es einen enormen Hype um Pinterest und immer mehr Menschen werfen einen Blick in das neue Netzwerk, weshalb die Zugriffszahlen auch so extrem in die Höhe schnellen. Es dürfte allerdings nicht lange auf sich warten lassen, bis auch Pinterest zu unserem täglichen Leben im Internet dazugehören wird.

Welche Möglichkeiten ergeben sich für Hersteller oder Händler wie Cyberport?

Ohne jeden Zweifel wird Pinterest nicht zur Anlaufstelle für Supportfragen, wie es bei den anderen drei großen Netzwerken festzustellen ist, aber es ist mehr als interessant, wenn es um das Thema „Social Commerce“ geht. Facebook hat es, zumindest in Deutschland durch die Diskussionen aus dem vergangen Jahr, schwer, F-Commerce weiter voranzutreiben. Während die einen immer noch über das Sein oder Nichtsein von F-Commerce, dem Shopping auf Facebook, sprechen, sehen andere in Pinterest vielleicht schon den neuen Game-Changer. Wer war dann überhaupt der alte Game-Changer? Facebook war und ist es bis zum heutigen Tage jedenfalls weiterhin noch nicht wirklich.

Nachdem die Facebook-Deals nach kurzer Zeit wieder genauso schnell verschwanden, wie sie auftauchten, versucht sich Facebook nun dem Thema Couponing anzunehmen. Will man als Firma aktuell auf besondere Sonderangebote auf Facebook aufmerksam machen, greift man meist zu den kostenpflichtigen Facebook-Ads. Bei Pinterest stellt man das Angebot einfach kostenlos auf das Board. Einfacher und vor allem kostengünstiger geht es nicht.

In den USA, hinter denen auch das deutsche Internet in der Regel Jahre hinterherhinkt, haben bereits einige größere Firmen das Thema Social Shopping über Pinterest erkannt und erschlossen. Der US-Bio-Lebensmittelhändler Whole Foods Market hat bereits über 14.000 Follower auf Pinterest und setzt auf der Website auch den „Pin it“-Button neben den anderen (noch) bekannteren Buttons ein. Ein anderes Beispiel ist Etsy, Marktplatz für Handgefertiges, mit weit über 50.000 Follower. Man sieht, dass das „neue“ Netzwerk wohl bald auch für viele deutsche Unternehmen von Interesse werden kann. Inwieweit wir von Cyberport uns demnächst vielleicht auf Pinterest bewegen, kann ich zum aktuellen Zeitpunkt noch nicht sagen, vorstellbar wäre aber, dass unsere Kunden die neuesten Produkte oder Gadgets aus dem Webshop bei Pinterest pinnen, andere User darauf aufmerksam und auf die Produktseite gelinkt werden. Es könnte allerdings für komplizierte Technikprodukte sehr schwierig werden, da ein Notebook oder TV dem anderen gleicht und sich Unterschiede einzig aus den technischen Features erschließen. Für andere Branchen wie der Lebensmittel-Industrie oder für Firmen, die Mode, Schmuck, Kunst oder Möbel anbieten, wäre es schon lukrativer. Alle Produkte, bei denen das Auge quasi entscheidend zum Kauf beiträgt, sind perfekt für Pinterest.

Rechtlich eine Grauzone

Die Diskussion um ein soziales Netzwerk ist nicht neu, schließlich erinnern wir uns nur zu gut an die Datenschützer, die sich wie Dr. Thilo Weichert um die Sekunden im Rampenlicht drängten. Bei Pinterest ist es aber die Urheberrechtsfrage, die offen im Raum steht, wie aktuell auch bei Facebook. Mit Freigabe der neuen Timeline, kopierten viele User munter fremde Bilder und verwendeten sie als ihr Coverbild. Immer mehr Seiten bieten passend zugeschnittene Bilder zur Verwendung an, ohne dass die Frage nach dem Urheberrecht geklärt ist. Gleiches gilt auch beim Re-Pinnen auf Pinterest, schließlich bedienen wir uns eines Bildes, für das wir nicht das Urheberrecht innehaben, und teilen es mit anderen.

Fazit

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Pinterest das zur Zeit am schnellsten wachsende soziale Netzwerk ist und Inhalte wie in einer Galerie attraktiv präsentiert werden, (noch) gänzlich ohne Werbung auskommt und ein kleines, aber nicht zu verachtendes Urheberrechtsproblem hat. Der Hype um Pinterest gleicht dem von Twitter oder Facebook vor einigen Jahren. Aktuell lässt man die Plattform in den USA hochleben und immer mehr User können sich nicht mehr von ihr trennen. Das Potenzial für den Durchbruch auch in Europa und Deutschland ist da, nur sollte man nicht zu lange warten, bis die Plattform für jeden offen zugänglich gemacht wid. Es gibt da ja einen Riesen, der wohl etwas zu lange gezögert hat. ;-)

Anders als in den anderen sozialen Netzwerken ist die Frauenquote bei Pinterest extrem hoch, aber auch nachvollziehbar. Es sind zu fast 60% weibliche User, vor allem die 18- bis 34-jährigen, die sich Rezepte, Wohnungsträume, Traumkleider oder Eyeliner austauschen. Natürlich ließen sich auch die Samwer-Brüder und Rocket Internet nicht all zu lange bitten und bieten mit Pinspire einen deutschen Klon an. Hier kann man sich auch ohne Anmeldung registrieren und den Dienst nutzen.

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3 Kommentare

  1. Melanie Rindke schrieb am
    Bewertung:

    Ich liebe Pinterest :)

  2. Ben Walther schrieb am
    Bewertung:

    Wieso finde ich dich dann nicht? ;-)

  3. Melanie Rindke schrieb am
    Bewertung:

    Weiss nicht, ist ja vielleicht nicht umsonst noch ein geschlossenes System ;)
    Meine Boards findet man hier: http://pinterest.com/melanie1012/

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