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Kommentar: Amazon Kindle Fire



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Inhalte statt Featuritis
Das Rennen um das „beste“ Android Tablet ist beendet: Es gibt einen neuen Sieger – Sieger der Herzen, Sieger des Preises und Sieger über Google. Der Neue kommt ohne viel Protzgehabe daher, ohne eine große Feature-Liste, ohne den Namenszug „iPad-Killer“. Der Gewinner ist der nette Typ aus der Nachbarschaft, der einfach durch Inhalte und durch Bodenhaftung überzeugen kann: Der Amazon Kindle Fire!

Angriff
Amazon hat gestern in New York den lange erwarteten Schritt getan um in den Tablet-Markt einzusteigen und hat nebenbei alle Fehler vermieden die die Mitbewerber bisher stets beschritten. Das Anpreisen der Hardware, das Anpreisen wie schnell der Prozessor ist, wie groß der Arbeitsspeicher ist – kurzerhand, das bisher übliche Gehabe der altmodischen „Featuritis“ wurde einfach abgelegt. Stattdessen hat sich Amazon in Person von Jeff Bezos an das gehalten was Apple von den Mitbewerbern unterscheidet, denn das Kindle Fire wird nicht über die reinen Specs verkauft. Bezos stand auf der Bühne, einst wie immer Steve Jobs und listete einfach auf, warum das Kindle Fire genau das ist, was die Welt braucht und möchte.

Technische Basis
Dass der Kindle Fire im Grunde mit Android läuft, dies wurde nur am Rande erwähnt. Interessanterweise nicht auf Honeycomb (welches Google eh noch nicht für die freie Verwendung veröffentlicht hat), sondern Android 2.X.

Dieses Android 2.X ist eigentlich kein „echtes“ Tablet-Betriebssystem, vielmehr wurde das OS für Smartphones konstruiert – geringere Hardwareanforderungen als Honeycomb und kleinere Bildschirmauflösungen. Mit dieser Android-Version als Grundlage, entwickelte Amazon das Konzept weiter und stülpte seine eigene Oberfläche und eigene Apps über das System drüber. Zudem ist es dann noch mit der Amazon Cloud verknüpft, sprich ein Teil der notwendigen Rechenleistung wird weltweit im Internet erledigt und die Daten werden dann erst auf das Kindle Fire übertragen. Damit spart man an der Entwicklungsarbeit, der Hardware und am Ende folgerichtig bei den Kosten. Mit diesem Konzept kann man dann auch locker den Preis von anderen Android-Tablet-Rivalen und natürlich auch vom iPad locker unterbieten.

Bestes Beispiel für die Verknüpfung des Tablets mit den Serverfarmen von Amazon ist der eigene Browser Silk. Mit diesem soll das Surfen so „weich wie Seide“ sein – das verspricht der Name. Die Technik dahinter ist durchweg beeindrucken: In den Serverfarmen wird die aufgerufene Webseite aufbereitet und komprimiert, so dass sie schneller geladen und gerendert werden kann, egal ob große Bilder etc. Gleichzeitig lernt der Browser, wenn man häufig eine bestimmte Seite ansurft, dann wird diese vorgeladen und kann schneller angezeigt werden, kurzum weil Amazon schon weiß, dass man besonders gerne eben auf die Seite geht.

Hintergedanken
Aber Amazon bietet das Tablet natürlich nicht nur an, damit der Anwender besser Surfen kann. Letztlich ist das Tablet das Frontend für viele Amazon Services – egal ob man darüber im Webshop kauft oder aber vor allem auch Bücher, Musik und Filme oder Inhalte aus der Cloud konsumiert – alles natürlich aus der Hand von Amazon in bewährter Qualität. Diese Dienste sind jedoch leider im kompletten Umfang noch nicht in Europa vorhanden.

Nichtsdestotrotz: Der Kindle Fire ist das Produkt mit dem sich Amazon in den Olymp schießen wird. Für 199 US-Dollar (der europäische Preis bzw. Vertrieb ist noch nicht bekannt) liegt es auf dem Niveau eines iPod Touch bei weitaus mehr Möglichkeiten. Das iPad ist 300 US-Dollar teurer und bietet natürlich mehr – und ist produktiver – aber nicht jeder benötigt diesen Funktionsumfang auch tatsächlich.

„Lückenfüller“
Das Fire rutscht genau in die Lücke hinein, die sich der Markt gewünscht hat: Kostengünstig konsumieren, wer mehr haben will und ein größeres Display benötigt, der greife zum iPad. Dazwischen wird es nicht mehr wirklich viel geben, damit hat auch Google mit Honeycomb und den Nachfolge-Produkten massiv an Boden verloren. Denn der Marktanteil zwischen iPad und Fire wird plötzlich massiv schrumpfen. Selbiges gilt auch für Microsoft mit Windows 8, der angenommene Marktanteil wird auch nicht mehr so hoch sein. Deshalb gehen Platz 1 und Platz 2 an die Firmen die sich in der Post-PC-Welt am besten aufgestellt haben – über Content und Faszination und nicht über trockene technische Daten und dem profanen Hinweis, dass das Tablet Flash-fähig ist.

Weitere Berichte:
• Spiegel Online – Amazon attackiert Apple mit Billig-Tablet
• Zeit Online – Eine Kampfansage namens Kindle Fire
• Financial Times Deutschland – Amazon bringt das Volks-Tablet

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6 Kommentare

  1. Philip schrieb am
    Bewertung:

    Ich bin echt mal gespannt über das Amazon Tablet. Ich fand die Reader auch schon immer gut und freue mich darauf, das Tablett mal in den Händen zu haben. Das klingt echt überzeugend.

  2. Stefan schrieb am
    Bewertung:

    Beim ersten Bild dachte ich noch „WOW was für ein Gerät“, aber beim Video wurde daraus schon nur noch ein „Joa, ganz nett“ und nachdem ich die Angaben hier zu den Technischen Details gelesen habe blieb nur noch ein „Hm, warum sollte ich sowas haben wollen“ übrig.

    Ja das Kindle Fire ist „viel“ günstiger als mein aktuelles iPad2, aber es kann auch „viel“ weniger als mein iPad2 und zudem wäre ich als Benutzer zwingend an die Cloud von Amazon gebunden um überhaupt irgendwas machen zu können.

    Ne, da bleibe ich lieber bei meinem iPad2 und in Zukunft bei anderen „richtigen“ Tablets mit eigenem großen GB’s an Speicher und so weiter.

  3. Klaus schrieb am
    Bewertung:

    Autsch. Wer am Boden liegt, den tritt man nicht auch noch – die Spitze in Richtung WebOS (auch wenn das ganze Theater bei Euch sicherlich für viel unnötigen Stress gesorgt hat) war doch nicht wirklich nötig.
    Auch wenn sich hier wiedereinmal zeigen wird, dass erfolgreiche Gadgets weder von noch für Nerds gemacht werden.
    Dämliche facbook- und appifikation des Internet, wir werden dort in Zukunft eine immer kleinere Rolle spielen, die schönen Tage sind vorbei!

    Scherz beiseite, jetzt mal inhaltlich: es würde mich doch echt mal interessieren, ob die Zeiten von free 3G für uns Europäer nun vorbei sind. Das Tastaturkindle wird noch abverkauft (die Preissenkung ist kleiner als ich mir erhofft hatte) und wir werden zukünftig (bis es deutsche 3G-Provider gibt, mit denen sich Jeff einigen kann) nur noch über WLAN zugreifen können. Das macht ja auch Sinn, den Amerikanern „free global roaming“ anzubieten (wann werden die das schon mal nutzen), und nicht uns, die wir permanent „roamen“ und dadurch vermutlich enorme Kosten verursachen.

  4. Valentin schrieb am
    Bewertung:

    Toll, dass ich mir jetzt gerade doch ein I-Pad geholt hab… Wehe das Amazon Tablet kriegt jetzt bessere Wertungen… Aber ganz ehrlich Leute, nichts ist besser als das Original. Was günstiger ist, kann in der Regel auch einfach weniger!

  5. Benjamin Grüning schrieb am
    Bewertung:

    Ich bekomme nächste Woche auch endlich wieder ein iPad2 und bin kurz und dran mit das kleinste Kindle Modell zu bestellen. Warum ?

    Weil ich was neues zum spielen brauche, aber eBooks kann man auch mit dem iPad lesen und bearbeiten.

    Bin da geteilter Meinung, denn die eine sagt, ja und die andere nein. ;)

    Zum Amazon Tablet kann man nur sagen, dass es zwar ein günstiges Gerät ist, aber wer einmal ein iPad hatte, möchte es nicht mehr missen. Das iOS ist einfach Klasse aufgebaut und jetzt mit dem iOS5 noch besser und komfortabler.

    Beste Grüße
    Benjamin Grüning

  6. Viktor schrieb am
    Bewertung:

    Das Amazon Kindle war doch bisher ein eBook-Reader, der sich durch besondere Lesefreundlichkeit gegenüber PCs, Notebooks, iPads etc. auszeichnete, oder sehe ich das falsch? Ich bin sehr gespannt, ob die Strategie aufgeht, ein „Low-Budget-iPad“ zu basteln. Denn wenn ich das richtig sehe, wurde der größte Vorteil bzw. das größte Unterscheidungsmerkmal dafür aufgegeben, oder nicht?

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