News

Gimp als Ersatz für Photoshop



5
Zugeordnete Tags Photoshop | Adobe | Bildbearbeitung | Fotografie | Filter | Gimp | Wacom | Grafik | Software

Bildbearbeitungsprogramme im Vergleich
Wenn wir von Open-Source-Software im Grafikbereich sprechen darf Gimp natürlich nicht fehlen. In der letzten Woche hatte ich bereits ein kostenloses Programm mit einem sehr teurem verglichen und bin zu dem Schluss gekommen, dass sich ein Blick auf kostenlose Software gelohnt hat. Daher geht es heute weiter: Gimp vs. Photoshop. Kann das Open Source Programm Gimp den eingefleischten Profi ersetzen? Gimp bedeutet ursprünglich „General Image Manipulation Program“. Eine erste offizielle Version erschien im Januar 1996 und ist aus einer Studienarbeit entstanden. Die letzte stabile Version ist aus 2008, für 2012 ist jedoch ein Update angekündigt. Kann man hier schon einen ersten Nachteil erkennen? Als Adobe User wird man immer relativ zügig mit Updates versorgt (obwohl dies natürlich einen zusätzlichen Kostenfaktor darstellt).
Unterstützte Betriebssystem
Gimp läuft auf folgenden Plattformen: Linux, Mac OSX, Windows und nach eigenen Angaben „viele Mehr“. Linux Nutzern wird das Programm sicher auch schon geläufig sein, denn Photoshop läuft nicht auf Linux, daher bleibt diesen Nutzern eigentlich nur Gimp als Alternative.

Unterstützte Sprachen
Deutsch und Englisch

Download & Installation
Auf der Download Seite findet sich lediglich eine Version für Snow Leopard, welche 78,8 MB gross ist. Eine Installation unter Lion stellt aber kein Problem dar und ist innerhalb weniger Sekunden vollzogen.

Erster Eindruck
Anders sieht es beim Starten aus, dies dauert wie auch bei Inkscape eine gefühlte Ewigkeit. Kein Wunder denn im Hintergrund läuft dasselbe Protokoll (X11). An dieser Stelle also den ersten Minuspunkt für effektives Arbeiten. Die Benutzeroberfläche sieht etwas aus wie der kleine ausgeflippte Bruder von Photoshop. Die Icons sind etwas Bunter und insgesamt alles etwas gröber.
Was auffällt: neben Bekannten Icons aus Photoshop, finden sich hier ein paar Icons die wir in Photoshop so nicht finden. Dazu aber in den nächsten Abschnitten mehr.

-Gimp Erster Eindruck-
image

Kompatibilität
Dateien aus Gimp lassen sich in so ziemlich allen Formaten abspeichern (jpg, eps, gif, bitmap, html, png, tiff, psd). Dateien mit Gimp Format (xfc) lassen sich nicht mit Photoshop öffnen. Dafür lassen sich aber Gimp Dateien die im PSD Format gespeichert worden sind im Test ganz problemlos öffnen. Alle angelegten Ebenen sind sichtbar und lassen sich bearbeiten.

Import von PSD Dateien zu Gimp : die Dateien lassen sich zwar öffnen. Leider werden Ebenengruppen aber nicht übernommen, wodurch die PSD in Gimp aussieht wie Kraut und Rüben. Manche Ebenen verschwinden auch einfach beim Import und Farben werden teilweise nicht richtig dargestellt. Funktioniert also eher nicht. Damit wird das Programm zum Arbeiten zwischen Agenturen und Designern die Photoshop nutzen unbrauchbar.

-Ergebnis Import PSD-
image
EPS-Dateien lassen sich ebenfalls mit Gimp öffnen, allerdings verschwinden auch hier alle Ebenen und das Objekt ist komplett verschmolzen, man kann keine Pfade mehr anfassen. Sogar der Hintergrund wird mit eingeschmolzen. So ziemlich der gleiche Fall mit Inkscape Dateien, nur dass der Hintergrund hier wenigstens transparent bleibt.

Die wichtigsten Funktionen & Werkzeuge
Ebenen: Ein Ebenen Fenster ist vorhanden. Um eine neue Ebene zu erstellen muss man auswählen ob diese mit Farbe gefüllt wird oder Transparent bleiben soll. Den Ebenen Modus kann man auch hier auswählen. Gewohnte Standardmodi wie „Multiplizieren“ sind vorhanden.

Schön ist: es gibt ein Icon womit sich die Ebene nach oben oder unten in der Ebenen Reihenfolge verschieben lässt. Dafür gibt es aber leider kein Icon um eine neue Ebene zu erstellen, das geschieht über einen Rechtsklick im Ebenen Fenster. Das finde ich etwas überflüssig, da Ebenen sich auch per Drag & Drop verschieben lassen und man neue Ebenen doch öfter braucht. Hier entsteht also ein kleiner Umweg.

Ebenen Stile: Fehlen bei Gimp. Dinge wie Schlagschatten, Farbüberlagerung usw. sind daher nur über Umwege zu erreichen.

Stempel: Ein wesentliches Tool zur Bildbearbeitung welches wohl bei vielen recht häufig seinen Einsatz findet: auch dieses Tool gibt es bei Gimp und steht Photoshop nach einem kleinen Test in nichts nach.

Ausbessern-Werkzeug: Funktioniert zwar ein bisschen anders als beim großen Konkurrenten, dafür aber nicht weniger effektiv und präzise. Damit lassen sich Unregelmäßigkeiten auf Bildern wirklich gut korrigieren.

Verflüssigen: Wird auch recht häufig bei der Bildbearbeitung eingesetzt, gibt es bei Gimp auch und nennt sich hier iWarp (findet ihr unter Filter > Verzerren). Kleiner Nachteil: das Bild lässt sich im Optionsfenster leider nicht ran Zoomen, womit die Bearbeitung von Details sich wohl als etwas schwierig erweisen dürfte.

Objektivfehler: Die lassen sich mit Photoshop automatisiert korrigieren. Bei Gimp gibt es eine ähnliche Funktion. Hier lässt sich alles manuell steuern, was ja nicht unbedingt ein Nachteil sein muss. Die Korrektur findet ihr ebenfalls bei Filter > Verzerren.

Filter: Die Filter sind ähnlich umfangreich wie bei Photoshop vorhanden, beliebte Filter wie „Gaußscher Weichzeichner“ finden sich auch hier wieder. Stärke des Filters lässt sich durch ein Optionsfeld steuern. Allerdings eine Filtergalerie, bei der man zuerst sehen kann wie sich der Filter auf mein Bild auswirkt und wo ich mich von Filter zu Filter durchklicken kann, suche ich vergeblich.

Historie: Nennt sich bei Gimp „Journal“ und lässt sich mit der Historie in Photoshop vergleichen. Alle Schritte werden aufgezeichnet und lassen sich Rückgängig machen.

Perspektive: Zur Abwechslung ein Tool das Gimp besitzt Photoshop aber nicht. Und dieses Tool kann sich wirklich sehen lassen! Das Tool hat ein Extra Icon in der Werkzeugpalette und mit diesem Werkzeug lassen sich ganz einfach und sehr präzise z.B. Gebäude auf Fotos grade richten.

Formen & Aktionen: Rechteck, Kreis, Polygon, Eigene- Form sowie Aktionen fehlen gänzlich bei Gimp

Gimp Screenshots“

Performance: Das Programm reagiert manchmal nicht sofort (Beispiel: ich möchte den Pinsel verwenden, wähle diesen aus, will zeichnen > nichts passiert. Muss den Pinsel erneut auswählen. Ich zeichne den Pinselstrich, dieser erscheint leicht verzögert).

Tastenkürzel: Tastenkürzel unter Mac werden ignoriert. Wie auch bei Inkscape gibt es hier kein cmd +z sondern ctrl + z. Das ist für alle Macuser im ersten Moment wohl etwas verwirrend. Die gewohnten Tastenkürzel aus Photoshop schlagen hier auch nicht an. Das bedeutet natürlich eine Umgewöhnung für diejenigen die schon das Arbeiten mit Photoshop gewohnt sind.

Grafiktablett: Das Programm erkennt mein Wacom Bamboo ohne Probleme. Leider nimmt es keine Dinge wie Druckintensivität wahr bzw. nur sehr eingeschränkt. Zwar gibt es ein paar Einstellmöglichkeiten wie „verblassen“ usw. aber Portraits lassen sich damit nicht zeichnen. Es hält einen also nichts davon ab mal dann und wann ein paar Pinselstriche zu ziehen, für professionelles digitales Zeichnen ist Gimp aber sicher nicht zu empfehlen. Außerdem habe irgendwie nicht rausgefunden wie man die Pinselspitzengröße ändert.

Rohformate (ORF, RAW, usw.): Ein Punkt der mich begeistert, denn viele wissen zwar nicht was sie mit ihren Rohformaten der Spiegelreflex Kamera anfangen sollen, für diejenigen aber die es wissen sollte es auch ein Highlight sein. Gimp bietet nämlich tatsächlich auch ein ähnlich umfangreiches Entwicklungslabor wie Photoshop mit dem sich die Rohformate eurer Kamera optimieren lassen. Hier lassen sich Farbtemperatur, Belichtung, Rauschen uvm. korrigieren. Zwar sieht das Gimp Gegenstück auf den ersten Blick etwas unübersichtlich aus aber nach kurzem reinarbeiten lässt dieser Eindruck nach. Auch die „automatisch angepasster Angleich“- Funktion liefert ein schönes Ergebnis.

Fazit
Wer so ein Programm wirklich tagtäglich und vor allem zum professionellen Arbeiten braucht der sollte lieber etwas tiefer in die Tasche greifen. Dafür fehlen einfach essentielle Dinge wie Smartfilter, Ebenenstile, Aktionen usw. Zum Layouten ist das Programm einfach unbrauchbar. ABER alle die nur hobbymäßig mit dem Programm rumwerkeln oder es nur zur Fotobearbeitung/ -optimierung nutzen, denen kann ich nur raten das sie auf jeden Fall einen näheren Blick auf Gimp werfen sollten. Für diese Zwecke ist Gimp wirklich ein solides und sehr umfangreiches Programm. Und: ausprobieren kostet in diesem Fall nichts.

Für alle die mehr Ansprüche an ein Grafikprogramm haben empfiehlt sich ein Blick in den Cyberport Shop, dort findet ihr die umfangreichen Adobe-Kollektionen.

Download

Links

 

RSS-Feed

Werde Autor!

Dieser Beitrag wurde von veröffentlicht.
hat bereits 88 Artikel geschrieben.
Sei auch dabei: Werde jetzt Autor und teile dein Wissen!

5 Kommentare

  1. Anton schrieb am
    Bewertung:

    Ich habe auch mal mit GIMP rum gespielt, kam aber nur zu einem Ernüchternen Ergebnis. Ich glaube für PS umsteiger ist es nicht denkbar, aber für Neulinge im Grafikbereich vielleicht lohnenswert.

  2. Maria schrieb am
    Bewertung:

    Ich find Gimp ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden, zwar dauert es etwas bis man sich eingearbeitet hat aber dafür ist es auch deutlich günstiger als Photoshop (kostenlos). Für den kleinen Hausgebrauch reicht es meiner Meinung nach aus.

  3. Jens Litzer schrieb am
    Bewertung:

    Also ich find für den Hausgebrauch ist Gimp völlig ausreichend. Bei gewerblichem Nutzen ist dann doch eher Photoshop zu empfehlen, da es einige deutliche Vorteile bietet. Gerade als kleiner Heim Webdesigner aus Hobby Veranlagung kann man jedoch mit Gimp bereits eine Menge erreichen, weshalb das Programm wie ich finde sehr zu empfehlen ist.

  4. Phillipp schrieb am
    Bewertung:

    GIMP ist wirklich ziemlich gute OpenSource-Software, zumal Fotosoftware ziemlich anspruchsvoll ist.

    Wer möchte, dass GIMP noch ein bisschen näher an PS herankommt, der kann sich auch ebenfalls kostenlose Plugins installieren. Deren Umfang geht dann von Anpassung der Benutzeroberfläche über Erweiterung des Funktionsumfangs und macht so für 95% aller Nutzer den Unterschied marginal.

  5. Tom 44 schrieb am
    Bewertung:

    Für mal eben schnell was machen ist Gimp leider völlig ungeignet. Das Programm ist viel zu umständlich und bevor man damit was sinnvolles auf die Beine gestellt bekommt hat mans schneller (mit Blatt und Papier) selbst gezeichnet.

Kommentieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

Ähnliche Beiträge

Neue Photoshop-Version geht in die Wolke

News

23.05.2013

 | Siv Zenker

Während das neue Lightroom 5 auch weiterhin als Kaufversion angeboten wird, geht Adobe mit Photoshop neue Wege: Zukünftig wird es keine Kaufversion der Adobe Creative Suite mehr geben. Photoshop CC ist nur noch im Rahmen eines Creative Cloud... mehr +

Adobe sorgt für Unverständnis mit neuen Lizenzbedingungen

News

12.12.2011

 | Melanie Rindke

Neue Lizenzbedingungen bei Adobe sorgen für Aufruhr unter den Nutzern. Viele Designer, Fotografen und Digitale Künstler unter euch werden sicherlich die Creative Suite von Adobe für ihre Arbeit verwenden. Die Creative Suite ist nun mal einfach... mehr +