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Startschuss: DAB+ kommt noch 2011



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Zugeordnete Tags Radio | DAB | DVB-T

Das „Überall-Radio“!
Wenn wir uns heute ins Auto setzen, oder auch unter der Dusche stehen, da hören wir meist Radio. Die Sender empfangen wir dabei über die Ultrakurzwelle (UKW bzw. auch FM genannt). In den letzten Jahrzehnten gab es wenig technische Neuerungen für diese bewährte Übertragungstechnik – abgesehen von RDS, TMC und dem Stereoempfang. UKW ist bis dato ein solides Medium für die Übertragung von Sprache und Musik, denn auch der wichtige Dynamikumfang (Verhältnis zwischen der leisesten und lautesten Stelle) ist für uns Radiohörer ausreichend gut. Bedarf es da überhaupt einer Neuerung?
Warum digital?
Vielleicht doch, denn es ist ärgerlich, wenn der Empfang nicht optimal ist und der neueste Hit von Lena in einem statischen Rauschen und Zwitschern verschwindet. Vereinfacht ausgedrückt, entsprechen diese Störungen dem Schnee in der Mattscheibe, den wir noch von früher kennen, als wir Analogfernsehen über die Antenne empfingen. Beim Fernsehempfang dagegen ist inzwischen alles digitalisiert und DVB-T ist unter dem Begriff „Überall-Fernsehen“ ein durchaus greifbarer Erfolg geworden. Mit der Digitaltechnik könnte auch das beschriebene Radioempfangsproblem gelöst werden: Übertragungsfehler werden bis zu einem gewissen Grad korrigiert und der Ton bleibt konstant gut. Mit der Einschränkung, dass bei einem schwachen Signal der Empfang dann komplett aussetzt – sowie man es auch vom digitalen TV kennt.

DAB: Erster Versuch
Natürlich gab es schon frühzeitig Bemühungen die Digitalisierung des Radios voranzutreiben, unter dem Schlagwort DAB wurde u.a. von Blaupunkt und Grundig und dem Bayrischen Rundfunk das Thema entwickelt. Soweit, so gut: Der bisherige Misserfolg von DAB hing leider nicht von der Technik ab (obwohl die Empfangsgeräte am Anfang sehr teuer waren), sondern war in Wahrheit ein reines Politikum. DAB wird auf Frequenzen übertragen die in unmittelbarer Nähe zu militärisch genutzten Kanälen liegen. Um die (wichtigeren) Übertragungen ungestört durchzuführen, wurde die Sendeleistung von DAB massiv zusammengestrichen, auf etwa ein Hundertstel dessen was ein normaler UKW Sender in den Äther schaufelt. Hier könnte ich noch etwas weiter technisch ausholen, aber unterm Strich bleibt folgendes Resultat: DAB wird zu schwach ausgestrahlt und viele Radios können das Signal auf Grund von verschiedenen Gegebenheiten nicht empfangen. Neben den (teureren) Empfangsgeräten und der schwachen Sendeleistung gibt es noch einen dritten Punkt, der den Erfolg von DAB verhindert hat: Die Sendeanstalten stellen zu wenig Programm für DAB bereit oder können und wollen sich nicht den Einstieg leisten.

Damit ist das eigentlich technisch hervorragende DAB zu einem Mauerblümchendasein verdammt, kaum jemand kennt es, und die Early Adopters haben teures Equipment, welches nie das geleistet hat, was ihnen versprochen wurde. Damit könnten wir das Kapitel DAB eigentlich schon schließen. Doch nicht so schnell…

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Neustart: DAB+
Es gibt eine Fortsetzung und vielleicht sogar ein Happy-End. Die DAB-Sendeleistung soll um den Faktor 10 verstärkt werden. Und es soll mehr Inhalte geben. Eine Gruppe von Sender hatte sich kurz vor Weihnachten 2010 mit dem Sendebetreiber Media Broadcast zusammengesetzt und einen Zehnjahresplan vorgestellt. Neben der Sendeleistung soll auch DAB verstärkt werden. Mit DAB+ gibt es zudem einen neuen Standard für eine bessere Qualität und der Möglichkeit auf der gleichen Bandbreite mehr Sender unterzubringen. Und diesmal ziehen auch mehr Sendeanstalten mit und versprechen mehr Inhalte und Programme für DAB+. Auch die Gerätehersteller und Automobilkonzerne bieten vermehrt Tuner mit DAB+ an. Startschuss ist der 1. August 2011, dann gehen die ersten Kanäle auf Sendung. Übrigens, bisherige DAB-Geräte können nur DAB+-Signale nach einem entsprechenden Firmwareupdate empfangen, DAB+-Geräte hingegen sind meist zu DAB abwärtskompatibel. Auch bei Cyberport kann man schon heute entsprechende kompatible Tuner erwerben, bspw. der Maximum MR 2000, Marantz M-CR502 DAB oder das „Design-Ei“ Pure Sensia. Hoffen wir mal das Beste, dass es wie beim Überall-Fernsehen auch beim „Überall-Radio“ eine Erfolgsgeschichte geben wird.

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6 Kommentare

  1. Hendrik schrieb am
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    Natürlich kann man nach allen möglichen Gründen suchen. Jedoch ist es auf ein ganz einfaches Problem zu reduzieren weshalb sich DAB nicht durchgesetzt hat: Der Empfang ist zu schlecht. Ob das jetzt an der Politik liegt die nicht die entsprechende Sendeleistung genemigt hat, oder an den Herstellern der Empfangsgeräte die nicht in der Lage waren mit der Empfangsstärke des Signals zu arbeiten kann man streiten. Wobei das raufdrehen der Sendeleistung sicherlich das einfachste wäre.

    Den Radiosendern oder Gerätepreisen würde ich jetzt mal eher keine Schuld geben.

    Die Anstalten müssen keinen besonderen technischen Aufwand betreiben um das Signal auch DAB übertragen zu können, es seiden sie bieten Zusatzinformationen an – aber das ist ja keine Pflicht. Aber wenn die Media Broadcast keine Flächendeckende Abdeckung sicherstellen kann, und dann auch noch für die DAB Ausstrahlung extra Geld verlangt, dann verzichtet ein Sender natürlich auf die Ausstrahlung, weil es nicht in einem ordentlichen Kosten-Nutzen-Verhältnis steht. Schaut man mal auf Bayern, dann gibt es dort sogar seit Jahren eine nahezu flächendeckende Ausstrahlung von allen Landesweiten Programmen im DAB, und sogar zusätzliche Programme die nur über DAB, nicht aber UKW zu empfangen sind. Trotzdem gibt es kaum Leute mit DAB-Geräten.

    Woran liegts das es in Bayern auch nicht mehr DAB-Hörer gibt, an den Preisen? Nein! Die meisten Autoradios sind zum Beispiel ab Werk im Auto eingebaut und kosten so schon eine stange Geld. Ein DAB-Gerät wäre dabei kaum teurer, vorallem weil bei diesen Geräten die Stückzahl auch passen würde. Aber seitens der Autohersteller ist bisher noch nichts unternommen worden. Nachdem das Auto nach dem Zuhause der wichtigste Ort fürs Radio Hören ist, ist es natürlich schon mal schlecht für eine Technologie wenn Sie nicht eingesetzt wird. Haben jetzt die Autohersteller schuld? Nein! Die haben lange darauf verzichtet DAB einzusetzen, und fragt man nach was der Grund dafür ist, dann hört man eine klare Aussage. Man hatte keine gewissheit ob es mit DAB weiter geht, und wo hin es geht. Außerdem wollte man natürlich auch ungern für Deutschland eine Insellösung produzieren.
    Für die „normalen“ Geräte spielen die kosten dann schon eine größere Rolle, doch da hat die Industrie auch keine besondere Schuld dran. Sie hat einfach nur wenige Stück produziert, weil nur wenige verkauft wurden, und bei geringen Stückzahlen waren die kosten wiederum hoch. Eine großangesetzt PR-Maßnahme um die Geräte in großer Stückzahl und zum kleinen Preis in den Markt zu bringen hat die Industrie aus dem selben Grund wie bei der Automobilindustire vermieden: Man hatte keine Zukunftssicherheit.

    Fazit: Das Problem ist bei der Politik zu suchen. Und zwar nicht nur bei den Genehmigungen der Frequenzen und Sendeleistungen, sondenr auch und vorallem darin sich nicht auf einen Standart fest zu legen, wie es bei DVB passiert ist. Bei DVB hat man sich nicht nur klar für einen Standart sondern auch für einen straffen Zeitplan entschieden. Wenn die alte Alternative abgeschaltet wird haben die nutzer keine andere Wahl mehr als das „Neue“ zu nahmen. Und wenn es dann noch besser funktioniert – wunderbar.

    Die Politik und Wirtschaft haben sich nun endlich mit DAB+ auf einen Standart geeinigt, wirklich glücklich ist mit dem Beschluss jedoch keiner. Also schauen wir mal mit wie viel Elan die Sache nun vorangetrieben wird.

  2. Christian Steffen schrieb am
    Bewertung:

    Ich warte ja schon mit einergewissen Zuversicht auf den 1. August in der Hoffnung, das alles besser wird. Mein voriges Auto hatte ich relativ günstig auf DAB umrüsten lassen, wobei die Suche nach geeigneten und günstigen Radios schon ein erstes Hinderniss war. Der Einbau einer anderen Antenne verlief dann recht problemlos.
    Ich hatte auch nie das Gefühl, dass der Empfang schlecht sei. Auf einer Strecke von über 200 Kilometern von Trier aus quer durch den Westerwald bis an die ersten Ecken NRWs konnte ich durchgehend und ohne einen Aussetzer alle rheinlandpfälzischen DAB Sender hören.
    Soweit so gut.

    Was eben nie in die Gänge kam, war ein breiteres Programmsprektum. In RLP und meines Wissens auch in NRW gab es keine landesweis empfangbaren privaten Sender. Nur eine Handvoll (8-10) öffentlich rechtliche Sender, von denen dann noch 2 oder 3 für mich interessant waren.

    Mittlerweile habe ich ein anderes Auto ohne DAB. Die Zukunft war ungewiss und bevor DAB+ nicht „ordentlich“ eingeführt ist kommt mir auch kein DAB mehr ins Auto. Da will ich schon Gewissheit haben.
    Dafür habe ich mittlerweile zwei akkubetriebene Radios mit DAB-Empfänger, eines upgradebar auf DAB+. Ich muss sagen, dass in Deutschland mittlerweile der Empfang sehr gut ist. Ich hatte bislang keine Probleme, selbst ohne ausgefahrene Radioantenne , Musik samt Radiotext zu empfangen.

    Wenn DAB+ also qualitativ mindestens genauso gut wird und die Auswahl deutlich höher ist, dann ist es nur noch eine Frage der Vermarktung.

    Ich denke nur noch dran zurück, als mal der Radiotext von „Das Ding“ im RLP-DAB hängen geblieben war. Scheinbar war ich der erste, der das nach etwa 2 Wochen monierte, sodass der Sender das beheben konnte. Viele Hörer kann DAB damals also nicht gehabt haben….

    Werden wir sehen wohin der Zug fährt…aber ich drücke die Daumen!

  3. Simon Erksen schrieb am
    Bewertung:

    Ich benutze schon seit 2006(!) DAB daheim. In Bayern sogar mit einigen guten, werbefreien Sendern wie Das Modul, oder auch der RockAntenne. Nun hier in NRW wo ich jetzt wohne gibts nur ein paar wenige Sender, aber trotzdem habe ich top Empfang und Klang (nur mit einer winzigen Stummelantenne) und ich würde auf keinen Fall freiwillig zu UKW und Co. zurückkehren!

    Die Einführung ist nicht an der Technik, sondern an hirnlosem Marketing gescheitert. Und daran, dass niemand auf die Idee kam, die Autoindustrie ins Boot zu holen. Hätte seit 2006 jeder Neuwagen ein DAB Radio bekommen, hätte es sich in kürzester Zeit durchgesetzt.

  4. Chrissi schrieb am
    Bewertung:

    Wie schaut es denn nun 2 Jahre später aus? Im Handel gibt es ja kaum DAB Autoradios. Woran liegts?

  5. Klaus Simon schrieb am
    Bewertung:

    Wie entwickelt sich die Sache denn bisher eigentlich mit DAB+? Ich war ja sehr gespannt, nach der vermeintlichen Pleite mit DAB. ABer da UKW ja abgeschaltet wird, muss man zwangsläufig auf DAB+ umsteigen, oder?

  6. Hendrik schrieb am
    Bewertung:

    Es tut sich auch weiter wenig am Markt. Kein Wunder.

    Beim kauf meines neuen Autos muss ich 300 Euro dafür berappen um DAB+ zu empfangen. Da kassiert Audi kräftig mit, anstatt die Markteinführung zu unterstützen. Auch sonst ist die Anzahl an Preisgünstigen Geräten am Markt eher gering. Wer will schon für ein DAB-Radio extra Geld ausgeben?

    Inzwischen ist es zwar zumindest so dass die Sender dazu verpflichtet sind über DAB+ auszustrahlen wenn im Emfpangsgebiet ein gewisser Ausbaustand erreicht ist, aber was bringts wenn im gegenzug die Lizenzen für UKW weiter verlängert werden.

    Also, brauchen tuts ein DAB-Gerät sicher auch die nächsten 10 Jahre nicht, um Radio empfangen zu können. Nur die Vielfalt wird nicht ganz so groß sein, und bei der Qualität muss man ab und ein paar Abstriche machen. Aber vielleicht macht das ein oder andere Rauschen ja sogar Radio aus? Wie das Knistern bei der guten alten Schallplatte…

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