Hessens Verbraucherschutzministerin fordert Rückgaberecht für Apps

von Anne Fröhlich

· 2 min Lesezeit

App Store

Hessens Verbraucherschutzministerin Lucia Puttrich fordert ein Rückgaberecht für digitale Güter: „Ein Rücksenderecht gibt es für jedes Kleidungsstück, eine App muss ich aber behalten, sobald ich sie heruntergeladen habe. Ob sie mir gefällt oder nicht.“ Einige Smartphone- und Tablet-Besitzer werden an dieser Stelle wahrscheinlich erstaunt mit dem Kopf nicken. Stimmt, wieso kann man Apps eigentlich nicht zurückgeben?

Kein Rückgaberecht bei App-Kauf

Selbst wenn man sich die gesamte Beschreibung der App durchliest und sämtliche Rezensionen ansieht: Ob die App alle Funktionen erfüllt, die man braucht und ob sie auf dem eigenen Gerät flüssig läuft, stellt sich erst nach dem Kauf heraus. Wenn sie sich dann als Fehlinvestition herausstellt, hat man eben Pech gehabt. Bei Apple kann man sich an den Support wenden und auf Kulanz hoffen, ein Recht auf Rückgabe hat man jedoch nicht. Im Google Play Store gibt es immerhin die Möglichkeit, innerhalb von 15 Minuten eine App zurückzugeben. Allerdings kann die Funktionalität einer App nicht immer in den ersten 15 Minuten in vollem Umfang getestet werden. Beispiel: Eine Spiele-App, die sich an einer bestimmten Stelle immer wieder aufhängt, weshalb nach der Hälfte des Spieles die App nicht mehr zu Gebrauchen ist. Ärgerlich, gerade Spiele sind oft teuer.

Demoversionen von Apps als Pflicht?

Einige App-Entwickler begegnen diesem Problem, indem sie kostenlose Light-Versionen ihrer Apps anbieten. Wenn diese gefällt, dann ist ein Upgrade auf die kostenpflichtige Version in der Regel aus der App heraus möglich. Sinnvoll, aber eben nur bei bestimmten Apps möglich. Puttrich sieht das jedoch als den Königsweg: Als Ausgleich für das mit dem Download erlöschende Widerrufsrecht fordert sie die Bundesregierung auf, die App-Anbieter zu kostenlosen Demoversionen zu zwingen.

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Schwieriger Fall: Digitale Musik und Filme

Carsten Dobschatz von Mobilegeeks weißt auf einen weiteren Punkt hin: Apps sind mit DRM versehen, können also nachträglich deaktiviert werden. Dann ist gesichert, dass der Kunde keinen Zugriff mehr darauf hat. Anders bei Musik und Filmen: Sind diese einmal heruntergeladen, so können sie leicht mitgeschnitten und damit als Kopie gesichert werden. Dafür muss also eine andere Regelung her, am besten eine, die nicht auf DRM basiert. Denn danke des Verzichts auf DRM ist es inzwischen möglich, gekaufte Musik auf allen Plattformen, egal ob Google, Amazon oder Apple, zu nutzen. Die Wiedereinführung von DRM wäre also ein Rückschritt, der den meisten Usern wohl nicht passen würde.

Kommentare

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Gepostete Kommentare

Daniel Barantke 06.05.2013, 11:01 Uhr

Ein guter Artikel. Ein weiterer Punkt ist hier aber auch noch der Umgang mit Downloads. Warum darf ich eine gekaufte Film-DVD nach dem ansehen weiter verkaufen aber einen Download-Film jedoch nicht? Ebenso ist der Handel mit "gebrauchten" Ebooks untersagt. Dabei kostet das Ebook in der Regel doch fast genauso viel wie ein echtes Buch, welches ich nach dem lesen auch noch weiter verkaufen kann. Könnte man ein Download den man erworben hat danach weiterverkaufen, würde sich das Problem mit der Unzufriedenheit auch allein regeln. Ich denk das ist ein Problem, was man wohl nie wirklich zufriedenstellend gelöst wird.

Ulf Dunkel 06.05.2013, 14:43 Uhr

Frau Puttrich hat leider anscheinend keine Ahnung von Software-Vertrieb im Netz ohne versiegelbare Packungen. Genauso könnte sie fordern, den Kaffeeduft bereits geöffneter Verpackungen zurückgeben zu dürfen. Apps aus App Stores wie dem Mac App Store haben ein ganz banales, ganz anderes Problem als das des Rückgaberechts: Die meisten App Stores, die ich kenne, erlauben es Softwareherstellern nicht, DEMO- und Ausprobier-Versionen online zu stellen. Dort muss man tatsächlich entweder die Katze im Sack kaufen (so dass die Produktbeschreibungen und Screenshots sehr wichtig sind), oder sich anhand der Website-Links beim Hersteller erstmal eine Demoversion herunterladen und diese ausprobieren, was natürlich die App-Store-Betreiber nicht soo gern sehen. Denn dann holt man sich meist die Vollversion auch direkt beim Hersteller und der App Store schaut in die Röhre. Wenn schon eine realistische und keine populistische Forderung, dann sollte Frau Puttrich fordern, dass App Stores Demoversionen (und endlich auch vernünftig funktionierende Upgrade-Möglichkeiten) unterstützen sollten. Aber Rückgabe von Softwarelizenzen, die rein elektronisch übermittelt wurden, ist absoluter Unfug. Da würde ich mich ja gleich komplett eindecken und alles aus fadenscheinigen Gründen "zurückschicken" und natürlich weiter benutzen können. So ein Blödsinn.

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Anne Fröhlich 06.05.2013, 14:50 Uhr

Hallo Ulf, ich verstehe deine Einwände nicht ganz. Puttrich fordert genau das, was du anführst: Demoversionen für alle Apps. Und dank DRM ist es meines Wissens möglich, die Nutzung einer gekauften App im Nachhinein durch Sperrung oder sogar Löschung auf dem Gerät zu verhindern. Beste Grüße Anne

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