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Twitter zerstört Beziehungen - so ein Quark (Kommentar)



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Twitter killt Beziehungen? Oh bitte!
Twitter killt Beziehungen? Oh bitte!

Klar, wenn wir schon nicht selbst für das Aus unserer Beziehungen verantwortlich sind, schieben wir die Schuld einfach mal auf die Social-Media-Kanäle. So geschehen in einer Studie names „The Third Wheel: The Impact of Twitter Use on Relationship Infidelity and Divorce“ der University of Missouri-Columbia.

Im Rahmen der Forschungsarbeit wurden 581 Twitter-User zwischen 18 und 67 Jahren zu ihrem Nutzungsverhalten und damit einhergehenden Problemen in vergangenen oder aktuellen Beziehungen befragt. Das ach so schockierende Ergebnis: Menschen, die Twitter exzessiv nutzen, stehen häufiger vor Eifersucht, Seitensprüngen und den Trümmern ihrer Beziehung.

Da ich selbst (nicht nur beruflich) viel Zeit auf Twitter verbringe, könnte ich mich über diese Studie bis ins Unendlich aufregen. Doch anstatt mich in Rage zu schreiben, schubse ich das Ergebnis einfach mal in ein anderes Licht.

Twitter zerstört nicht, Twitter fängt auf

Geben wir uns mal der Vorstellung hin, wir hätten eine Beziehung. Wir tauschen uns mit dem Partner aus und genießen es, mit ihm Zeit zu verbringen. Kaum einer wird während eines gemeinsamen Abends exzessiv zum Smartphone greifen, um Tweets abzusetzen, wenn denn die Beziehung intakt ist, es genug Gesprächsstoff gibt und man die Zweisamkeit zu schätzen weiß.

Und genau das ist für mich der Knackpunkt, den die Studie vernachlässigt. Nicht Twitter ist der Grund, aus dem Beziehungen in den Bruch gehen. Es ist die bereits kaputte Beziehung an sich, für die sozialen Medien ein Ventil bieten.

Denn Twitter ist nicht nur eine Microblogging-Plattform, in der wir unsere Befindlichkeiten in die Welt schreien. Nein – Twitter fängt auf, die Nutzer stehen mit Rat und Tat zur Seite und zeigen dort Verständnis, wo es im richtigen Leben fehlt. Klar, dass es seitens des Partners dann zur Eifersucht kommt, wenn nicht mehr er der Lebensmittelpunkt ist, sondern sein Platz von ungreifbaren Nutzer in der virtuellen Welt eingenommen wird.

Aber auch hier ist es falsch, die Schuld auf den blauen Vogel zu schieben. Vielmehr müsste sich der Partner die Frage stellen, warum die Plattform ihm den Rang abgelaufen hat. Oder aber er meldet sich einfach selbst an und beginnt den Dialog auf 140 Zeichen, um vielleicht noch einmal an die Gefühle des anderen anknüpfen zu können. Alles besser, als tatenloses Resignieren und den Frust auf jemanden zu schieben, der am Ende gar keine Schuld trägt.

Und wie war das früher?

Heute Twitter, damals die Freunde
Heute Twitter, damals die Freunde

Gehen wir zurück in eine Zeit, in der es weder Twitter noch Facebook gab. Was haben Menschen da gemacht, wenn ihre Beziehungen nicht mehr das waren, was sie sein sollten?

Ich kann mich nur dunkel erinnern, aber ich glaube, sie haben sich mit Freunden getroffen und generell mehr Zeit mit Bekannten als mit dem Partner verbracht. Bleiben wir bei der Twitter-Theorie aus Missouri, müsste es heißen, dass damals die Freunde Schuld am Scheitern der Liebe trugen? Ganz schön einfach gedacht, oder? Allerdings ist es letztendlich natürlich immer einfacher, jemand anderem die Schuld am Beziehungs-Aus zu geben, anstatt sich selbst an die Nase zu fassen. Schon klar.

Eine Anektdote am Rande

Und um den Inhalt der Studie gänzlich anzuzweifeln: Die Teilnehmer wurden über einen Link-Post des Twitter-Profils der Huffington Post sowie der Wissenschaftler gewonnen und es nahmen mehr Frauen als Männer teil. Zudem wurden nur Antworten von Personen ausgewertet, deren Partner ebenfalls einen Twitter-Account besaß.

Was das bedeutet? Die größtmögliche Vielzahl der Teilnehmer ist nicht gegeben und gerade diese ist Fundament einer jeden wissenschaftlichen Studie. Zudem fehlt mir hier die Teilnehmer-Gruppe, bei der nur ein Partner über einen Twitter-Account sein Eigen nennt.

Somit wurden scheinbar bereits die wissenschaftlichen Basics nur marginal beachtet – aber wenigstens gibt es Stoff für einen reißerischen Titel.

Und wo ist die Kontrollgruppe? Wie verhalten sich Twitter-lose Menschen? Haben sie auch Marotten, die den Partner zur Eifersucht treiben? So viele Fragen, so wenige Antworten.

In diesem Sinne: Traue nie einer Studie, die du nicht selbst gefälscht hast. Und das gehe ich jetzt twittern.

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