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Restaurant-Test: Dunkelrestaurant „unsicht-Bar“ in Berlin



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Zugeordnete Tags Essen

Ein kulinarischer Ausflug der Sinne
Quelle: unsicht-bar.com

In diesem Restaurant-Test stelle ich euch das größte Dunkelrestaurant Berlins anhand persönlicher Erfahrungen etwas genauer vor. Schmecken, riechen, fühlen, hören heißt es in der „unsicht-Bar“. Der Sehsinn wird komplett ausgeschalten, um uns zur intuitiven Benutzung der verbliebenen Sinne zu zwingen. Dabei könnten sich die außergewöhnlichen Speisen sicherlich sehen lassen, müssen aber unseren Blicken verborgen bleiben. Wie es uns gefallen hat und welche Eindrücke wir sammeln konnten, lest ihr im Bericht.
Die Idee
Was dahinter steckt ist relativ simpel: Die Funktion des Auges, welches sonst „mit isst“, wird abgeschaltet. Somit wird der Sinn des Sehens in den Urlaub geschickt, und den sonst eher als untergeordnet betrachteten Sinnen wird eine neue, größere Aufmerksamkeit geschenkt. Zu den Wahrnehmungen aber später mehr.

Damit niemand das Ziel verfehlt
Ziemlich leicht zu finden liegt das von außen doch eher unscheinbare Ziel des Abends in der Gormannstraße 14, in der Nähe des U-Bahnhofes Weinmeisterstraße, wo man allerdings nicht spontan zum Speisen auftauchen sollte. Eine Reservierung ist aufgrund der Planung und persönlichen Betreuung später dringend erforderlich. Wie der Name schon sagt, ist diese Lokalität aber auch eine Bar, man kann also im vorderen Bereich auch im Vorübergehen einkehren um Getränke zu sich zu nehmen.

Das Restaurant, die Speisen und der Kellner
Wir betraten also den Vorraum des Restaurants, wo sich die eigentliche Bar, Garderobe, die Rezeption und eine gemütliche Lounge mit gedämpftem Licht befindet. Wir wurden sehr freundlich von der netten Bedienung empfangen und eine Speisekarte wurde uns gereicht. Die Beschreibung der Speisen ist sehr abenteuerlich. Die grobe Richtung des Gerichtes wird einem vorgegeben, genauere Beschreibungen ließen uns aber eher raten als wissen, was uns später erwarten würde. Man wählt zwischen den Varianten Rind, Geflügel, Vegetarisch, Lamm, Aus Fluss und Meer sowie einem Überraschungsgericht. Eine Ahnung, was genau „In einem herbsüßen Bett rekelt sich der feurige Spanier und entspannt sich an wollüstigem Grün“ als Beschreibung der Vorspeise des Gerichtes mit Rind sich dahinter verbergen wird, hatten wir nicht. Ähnlich spannungsvoll umschrieben sind alle Speisen. Die Getränke wählten wir ebenfalls vorher. Diese sind als einzige keine Überraschung an diesem Abend. Anschließend wurde uns unser persönlicher Kellner vorgestellt, der uns die nächsten Stunden betreut hat. Eine Faszination: Alle Kellner im Dunkelrestaurant sind blind oder stark sehbehindert. Sie kennen sich bestens im Restaurant aus. Somit wird ein weiterer Aspekt der Idee des Restaurants deutlich: Man soll nachvollziehen, wie blinde Menschen essen, leben, in völliger Dunkelheit zurechtkommen. Unser Kellner hieß Dominik; ein sehr netter, lustiger und junger Mann, den wir fortan „Dominator“ nennen sollten. Wir fühlten uns in dessen Gegenwart sehr gut, er nahm uns doch etwas von der Anspannung.

Es geht los – Betreten der Dunkelheit
Wir mussten Handys ausschalten, Uhren abnehmen, falls deren Ziffernblatt leuchtete und sogleich führte er uns in den Gastraum, in dem wir später essen würden. Das passierte zu unserem Schutz und dessen der übrigen Gäste als Polonaise. Damit war es so weit. Wir befanden uns in völliger Dunkelheit. Nicht die Dunkelheit, bei der man noch Umrisse und Silhouetten von Menschen oder Gegenständen erkennen kann. Nein, es war die absolute Dunkelheit, man konnte nichts, gar nichts mehr sehen. Sofort prasselten tausend Eindrücke auf uns ein. Man könnte es als Gemisch der verschiedensten Geräusche von klapperndem Besteck, von lachenden, sich in unterschiedlichen Sprachen unterhaltenden Menschen sowie dem gleichzeitigen Gefühl der Spannung mit etwas Hilflosigkeit aufgrund völlig fehlender Orientierung beschreiben. Man nahm außerdem eine Vielzahl von Gerüchen wahr, die man nicht hätte zuordnen können und man konnte nur erahnen, wie groß der Raum sein könnte, in dem man sich im Moment befindet.

Am Platz angekommen, dauerte es nicht lange, bis der „Dominator“ die Getränke und Vorspeisen brachte. Wir hatten einen Salat/Antipasti vor uns stehen und versuchten diesen möglichst unfallfrei in den Mund zu bekommen. Ich möchte das Essen nicht genauer beschreiben, denn dann würde ja die Überraschung für Interessierte zunichte. Ich kann aber sagen, dass es sehr lecker war. Auch die Gewöhnung an die neue Umgebung und das Essen, ohne etwas zu sehen, fiel uns nach und nach immer leichter. Wir hatten übrigens die Gerichtvariante Rind gewählt, dazu Vorspeise und Nachspeise. Die Unterhaltungen mit meiner Freundin empfand ich als intensiver, da viele Eindrücke und Ablenkungen mit dem Ausschalten des Sehsinns verloren gingen. Die Lautstärke im Restaurant empfanden wir als angenehm, eben so die leise Musik, die uns durch den Abend begleitete.
Schließlich wurden wir auf unseren Wunsch an den Kellner wieder zurück ans Licht geführt und freundlich verabschiedet. Nach der Bezahlung konnte man noch einen Blick in die Auflösungskarte werfen, in welcher man die gegessenen Speisen „unverschlüsselt“ sehen konnte. Sehr interessant, wenn man seine Vermutungen dann mit dem tatsächlichen Essen vergleicht. Einige Dinge haben bei uns übereingestimmt, andere hätten wir wahrscheinlich nie erraten. Entgegen unserer Befürchtungen waren wir auch nicht völlig bekleckert, das Essen funktionierte offensichtlich erstaunlich gut.

Ein schöner Abend endet – die Zusammenfassung
Die Unsicht-Bar ist ein von unserer Seite sehr empfehlenswertes Restaurant, wenn auch der Abend kein günstiges Unterfangen wird. Die Preise der Menüs liegen zwischen 36,50 € und 53,50 € ohne Getränke. Der Bar- und Lounge-Bereich ist stilvoll und gemütlich eingerichtet und mit Kerzen beleuchtet, sodass man sich gleich wohl fühlt. Alle Angestellten waren sehr nett und zuvorkommend; der persönliche Kellner stand jederzeit zur Verfügung. Alles ist sehr sauber, im sichtbaren Bereich konsequent stilistisch ansprechend gehalten und machte einen sehr guten Eindruck. Die unsicht-Bar in Berlin hat Mittwochs bis Sonntags von 18:00 Uhr bis 1:00 Uhr geöffnet. Durch die einmaligen Eindrücke und Erfahrungen bei diesem außergewöhnlichen Essen sind wir uns beide einig, dass sich der Besuch definitiv gelohnt hat und sicherlich nicht der letzte war.

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1 Kommentar

  1. Andreas schrieb am
    Bewertung:

    Ich war auch in diesem Restaurant und war sehr enttäuscht. Die Idee ist super, das Erlebnis auch, mal in völliger Dunkelheit zu essen. Aber das Essen? Für diesen Preis sehr sehr schlecht. Da habe ich eindeutig mehr erwartet. Was mich jetzt interessieren würde: Ist der Koch eigentlich auch blind? Das würde so einiges erklären… leider!

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