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Neuseeland 2010: Der lange Weg nach Süden – Teil 7



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Ab auf die Südinsel…
Nach der ersten Hälfte des Urlaubs auf der Nordinsel ging es in den folgenden zwei Tagen hinunter auf die Südinsel, mehr oder weniger direkt bis Wanaka. Und damit das Ganze nicht zu langweilig wurde, erfolgte die Reise zuerst mit dem Schiff über die Cook Strait, dann mit dem Zug bis Christchurch und anschließend mit dem Bus und Shuttle-Service nach Wanaka, etwas nördlich von Queenstown gelegen. Am frühen Morgen ging es zunächst von der Unterkunft zum Pier der Interislander-Fähren. Der große Rucksack wurde eingecheckt und schon konnte es an Bord gehen.
Da es die Sonntagsfähre war, wollten recht viele Menschen in den Süden: Einzelreisende so wie ich, Familien, Touristen mit und ohne eigenem Fahrzeug, Berufskraftfahrer mit ihren Trucks und mehrere Schulklassen bestiegen das Schiff bevor es das langsam erwachende Wellington verlassen konnte. Die „Kaitaki“, die größte Fähre Neuseelands (bis zu 1650 Passagiere, bis zu 600 Autos auf drei Decks verteilt und 22.365 Tonnen Gesamtgewicht), legte pünktlich vom Pier ab und ging auf die 92 Kilometer lange Fahrt nach Picton, dem Zielhafen auf der Südinsel. Während der Ausfahrt aus der Bucht vor Wellington war der älteste Leuchtturm Neuseelands (1859 erbaut) und die Südküste der Nordinsel zu sehen. Aber bereits da war die Südinsel zu erblicken, bevor die Fahrt durch die Marlborough Sounds mit ihren herrlichen Buchten nach Piction führte. Der Ausblick wurde leider etwas von der kommerziellen Holzwirtschaft getrübt, da mehrere Hügel kahlgeschlagen waren.

In Picton blieb nur eine halbe Stunde Zeit um schnell etwas zu essen und schon ging es auf die nächste Strecke – mit dem TransCoastal nach Christchurch. In Picton selber lässt sich neben anderem eine herrliche Wanderung auf der Halbinsel nordöstlich der Stadt unternehmen. Ebenso das Museum mit der Edwin Fox (restaurierter Rumpf eines Dreimasters) besuchen, auf dem Queen-Charlotte-Track wandern oder Segeln und Tauchen.

Mit dem Zug ging es über 347 Kilometer in circa fünf Stunden über 175 Brücken und durch 21 Tunnel nach Christchurch. Wenigstens hatten die Touristen aus San Francisco, welche am selben Tisch saßen etwas zu erzählen, denn sonst wäre es zu langweilig geworden. Bis kurz hinter Blenheim mit seinen Weinanbaugebieten war das Wetter noch in Ordnung und ermöglichte hier und da einige Fernblicke. Dann wurde es leider zusehends schlechter und weder von den südlichen Alpen noch vom Ozean war etwas zu sehen.

Südlich von Seddon wurde es für kurze Zeit interessant, als der Zug durch ein Gebiet mit einem künstlich angelegten See fuhr. In diesen wird das salzige Ozeanwasser gepumpt und dann gewartet bis Sonne und Wind es verdunsten und das zurückgebliebene Salz eingesammelt werden kann.

Abfahrt in Wellington.
Ein letzter Blick auf die Nordinsel.
Eine andere Interislander-Fähre in den Marlborough Sounds.
Willkommen in Picton.
Willkommen in Picton.
Neuseeland: Weg nach Süden – Teil 1″

Nächster Stopp: Kaikoura – idealer Ausgangspunkt für die Wal- und Delphin-Beobachtung. Beides lässt sich vom Schiff aus tun, viel spannender sind aber die anderen Varianten: „Wings over Whales“ – Wal- und Delphinbeobachtung aus der Luft. Dort sieht man endlich einmal die wirkliche Größe der Tiere im direkten Vergleich mit den kleinen Walbeobachtungsbooten. Ebenso interessant „Schwimmen mit Delfinen“ – besonders wenn man hohe Wellen mag und damit leben kann das sich der Meeresboden erst circa 2000 Meter unter einem befindet ;-).

Auf Grund des Wetters muss ich die Fotos für die Bahnfahrt leider schuldig bleiben, aber in der Gallerie der Reise von 2008 finden sich „Schönwetteraufnahmen“ für Picton selber und die Wanderung auf der Halbinsel, ebenso Aufnahmen aus Kaikoura und den erwähnen Walbeobachtungen.

Während der beiden Fahrten durfte ich wiederholt feststellen, dass die beste Kamera nichts nützt, wenn man nicht weiß, wie man fotografieren soll. Da wurden teure digitale Spiegelreflex-Kamera verwendet um Leute direkt gegen die Sonne zu fotografieren oder später durch die doppelt verglasten, stark reflektierenden Fenster die Landschaft außerhalb des Zuges. Zitat: „Das kriegt man mit Photoshop schon hin.“ Für solche Kunstwerke würde es auch eine einfache Kamera tun, obwohl man da auch einiges falsch machen kann, zum Beispiel immer schön mit Blitz durch das Zugfenstern fotografieren. So bot die Fahrt wenigstens etwas Unterhaltung, zumindest für mich ;-).

Eine wahre Wohltat war es nach Ankunft des Zuges in Christchurch die vier Kilometer bis zur Unterkunft zu laufen. Von den Folgen des Erdbebens konnte ich auf dieser Strecke nur einige beschädigte älterer Häuser sehen. Die meisten Zerstörungen gibt es wohl direkt im Zentrum, wie ich nächsten Morgen sehen konnte. Aber die Christchurcher sind selbst in dieser Situation kreativ und verzieren zum Beispiel das Stützgerüst einer kleinen Kirche noch mit Figuren. Oder machen Witze darüber, so wie George, der Busfahrer auf der Stecke zwischen Christchurch und Tekapo: „Bei McDonalds gibt es einen neuen Burger, den McChristchurch mit einem gratis Shake dazu.“ Während der einen Nacht die ich in Christchurch verbrachte gab es laut Geonet weitere Beben in der Nähe. Nun sind es schon über 3000 Nachbeben seit dem großen im September.

Kreative Gebäude-Abstützung in Christchurch.
Zwischenstopp in Geraldine.
Allee der Kriegsopfer bei Fairlie.
Ein erster Blick auf die südlichen Alpen.
Ein erster Blick auf die südlichen Alpen.
Neuseeland: Weg nach Süden – Teil 2″

Am nächsten Tag ging es mit Bus und Shuttle-Service weiter südwärts bis nach Wanaka. Hier sind erst einmal einige Tage Urlaub angesagt, bevor ich wieder in einen Bus steige. Während der Fahrt wurde im Radio über das vergangene Wochenende diskutiert, dem mit 11 Verkehrstoten schlimmsten Nicht-Ferienwochenende im Lande bisher. Landschaftlich hatten die Canterbury Plains von der Straße aus gesehen außer ein paar Feldern wenig Abwechslung zu bieten, dafür aber die Tierarten welche hier gezüchtet werden: Dammwild, Rinder und natürlich auch Schafe. Aber unser Busfahrer George sorgte für Unterhaltung und Informationen. Ansonsten hätten wir wohl nie erfahren das wir gerade über eine der längsten (1,6 Kilometer) zweispurigen Brücken des Landes fuhren oder das jeder Baum an der Strasse aus Fairlie heraus für einen im Krieg getöteten Mann steht und das fast auf 21 Kilometern! Nach Twizel folgte viel kahles, wenig bewachsenes Land nur die langen Kanäle, welche die Seen verbinden und zur Stromerzeugung dienen, boten etwas Abwechselung. Mit dem Lindis-Pass erreichten wir dann das letzte Hightlight des Tages, denn er ist mit über 1000 Metern der höchste Pass über den ein State Highway führt.

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6 Kommentare

  1. Kiwi schrieb am
    Bewertung:

    Neuseeland? Bitte schreiben Sie mir, wenn Sie echte Kiwis auf Ihrem Weg sehen. Bitte fotografieren und die Bilder schicken. Das landet dann auf meinem „The Green Bird“-Blog :D

    Gruß Kiwi

    PS: @Haase: freut mich, dass Ihnen Ihr Mac gefällt (steht auf Ihrer Autorenseite). I  Apple ;)

  2. Dirk Haase schrieb am
    Bewertung:

    Hallo.

    Kiwis gesehen ja, in Rotorua. Aber dort war fotografieren verboten. Sind ja Nachtaktive Tiere denen ein Blitzlicht sicher nicht gut tut. Vielleicht hier in Queenstown, da gibt es ja tagsueber mehrere Kiwi-Fuetterungen. Ob man da was sieht, weiss ich allerdings nicht.

    Gruss Dirk

  3. Holger schrieb am
    Bewertung:

    Neuseeland ist sooo toll … wie gerne würde ich wieder ein Jahr dort verbringen =/

  4. Lothar schrieb am
    Bewertung:

    never been there – wanna be there – jealous !!! Ich bitte um nehr von diesen tollen Berichten!!

  5. Dirk Haase schrieb am
    Bewertung:

    Ein paar Impressionen werden noch kommen, aber irgendwann ist der Urlaub auch zu Ende. Wanaka – mit Ausblicken und Queenstown mit viel Natur. Einen Tag habe ich noch, dann geht es weiter nach Dunedin. Müsste auch langsam mal anfangen etwas zu schreiben, aber irgendwie fehlt diemZeit dazu. ;-)

  6. Elisabeth schrieb am
    Bewertung:

    Fotos und Texte sind ganz toll und interessant. Danke für die wunderschöne Karte. Noch eine schöne Zeit und guten Heimflug.

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