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#erstmalverstehen: Verschlüsselung der microSD-Karte im Smartphone



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Wenn nicht per Gesichtserkennung oder Fingerabdruck, so ist dein Smartphone in der Regel zumindest durch eine PIN gesichert. Ohne diese Freigabe kann niemand auf Daten wie Bilder, Mails oder andere Dokumente zugreifen. Das gilt jedoch nicht zwangsläufig für eine zusätzlich eingesetzte SD-Karte, die aufgrund der Größe im microSD-Format daherkommt und meist von Herstellern wie SanDisk oder Samsung stammt.

Wie du deine privaten Daten auf der microSD-Karte im Smartphone am besten schützt, erfährst du in diesem Artikel.

Ohne Verschlüsselung: Bei Diebstahl komplett ungeschützt

Wird die SD-Karte nach dem Einsetzen ins Smartphone nicht explizit verschlüsselt, bleiben die Daten ohne Weiteres lesbar. Der Vorteil liegt auf der Hand: Nimmst du die Karte heraus, lässt sie sich im PC oder Laptop kopieren. Bilder und Videos können archiviert werden und der Platz lässt sich für neue Inhalte freigeben.

Gleichzeitig sind die Daten für jede Person zugänglich, die das Smartphone in die Hände bekommt. Auch, wenn du eine Bildschirmsperre eingerichtet hast, lässt sich die Karte aus dem Gehäuse herausnehmen und mit jedem handelsüblichen Lesegerät einsehen. Das bedeutet vor allem im Fall eines Diebstahl, dass nicht nur das Smartphone selbst, sondern im Zweifel auch zahlreiche private Daten in die falschen Hände gelangen.

Liegen Bilder und Videos unverschlüsselt auf der SD-Karte, können sie ohne Probleme kopiert werden.
Liegen Bilder und Videos unverschlüsselt auf der SD-Karte, können sie ohne Probleme kopiert werden.

Verschlüsselung: Sicher, aber mit Haken

Mit der bei vielen Smartphones integrierten Funktion, die SD-Karte zu verschlüsseln, wird der Zugriff auf die gespeicherten Daten nur nach erfolgreicher Entsperrung des Mobiltelefons gewährt. Unter Android hast du seit Ende 2015 in den Einstellungen – üblicherweise unter dem Menüpunkt Sicherheit – die Option, eine eingesetzte Speicherkarte komplett zu verschlüsseln.

Geht das Smartphone verloren oder wird sogar entwendet, bleiben die Dateien dennoch unzugänglich, solange die Bildschirmsperre nicht überwunden werden kann. So weit, so schön – allerdings gibt es auch hier einen Kritikpunkt. Es wird nämlich kein Code oder Passwort zur Aufhebung dieser Verschlüsselung vergeben. Stattdessen ist sie fest mit dem jeweiligen Smartphone verknüpft und die SD-Karte kann nicht mehr getrennt von diesem ausgelesen werden. Geht das Telefon kaputt, zum Beispiel bei einem Sturz oder durch Wasserschaden, bleiben Fotos und alle anderen Daten auf der Speicherkarte verschlüsselt und lassen sich nur mit viel Aufwand wieder freigeben.

Fraglos gewährt die Methode ein hohes Maß an Sicherheit, weil der Schlüssel eben kein einfaches Passwort ist, sondern direkt auf dem Telefon hinterlegt wurde. Damit ist die SD-Karte auch geschützt, wenn das Smartphone abhanden kommt. Allerdings sind dann auch deine Daten weg, wenn du nicht alles Wichtige regelmäßig sicherst oder Fotos beispielsweise in die Cloud überträgst.

Allerdings sind trotz Verschlüsselung alle Daten zugänglich, sobald die eingebaute Smartphone-Sperre geknackt ist. Danach gibt es nämlich nicht noch eine extra Verschlüsselung, da sonst auch alle anderen Apps wie die Galerie oder der Mediaplayer nicht darauf zugreifen könnten.

Bei durchs Smartphone verschlüsselten microSD-Karten gibt es noch einen weiteren Haken. Die Zugriffsgeschwindigkeit auf ein verschlüsseltes Laufwerk ist immer etwas niedriger als auf eins im offenen Zustand. Wirklich bemerkbar macht sich dieser Umstand aber eigentlich nur bei einem Neustart des Smartphones. Bei ausreichender Rechenleistung, die in nahezu jedem halbwegs aktuellem Smartphone vorhanden ist, fällt die Live-Verschlüsselung kaum auf.

Verschlüsselte SD-Karten: Risikofaktor Cloud

Die kostenlose Android-Version von EgoSecure schützt die SD-Karte mit einem Passwort.
Sophos geht ähnlich vor und bietet die Verschlüsselung unter Android kostenlos an.
Die kostenlose Android-Version von EgoSecure schützt die SD-Karte mit einem Passwort.

Dass dein Smartphone nur gestohlen wird, um an die darauf gespeicherten Daten zu gelangen, erinnert mehr an einen Wirtschaftskrimi, als dass es in der Realität häufig vorkommen würde. In dieser werden die Daten eher gelöscht und das Telefon komplett zurückgesetzt, um dann wieder benutzen zu können.

Aber selbstverständlich gibt es sensible Informationen, die nicht für jedermann bestimmt sind. Gefährdet sind diese jedoch vor allem auf dem Weg von deinem Mobiltelefon in die Cloud oder beim Versenden via E-Mail. Hierfür ist die eingebaute Verschlüsselung untauglich, denn deine Daten werden ungeschützt verschickt, sofern du kein spezielles Programm zum verschlüsselten Versand benutzt.

Für genau diese Fälle existiert eine große Auswahl an Software, die das Verschlüsseln einzelner Datenpakete zulässt. Auf diese Weise werden die hinterlegten Dateien – auch, wenn der Cloudspeicher oder das E-Mail-Konto geknackt werden – erst durch die Eingabe eines Passworts freigegeben werden. Beispiele sind etwa Boxcrypter oder auch Sophos Mobile Encryption. Beide Programme sichern deine Dateien unabhängig vom gebotenen Betriebssystem lokal mit einem Passwort und laden diese gesichert in die Cloud. Ebenso eignet sich das Verfahren gut für den Versand per E-Mail.

Auch komplette SD-Karten können so verschlüsselt werden, dass sie sich mit einem Passwort auf einem beliebigen Gerät öffnen lassen. Das gelingt zum Beispiel mit EgoSecure, welche für Windows allerdings kostenpflichtig ist. Bei vielen kostenlosen Verschlüsselungserweiterun-gen, etwa EncFS, verläuft der Übergang von Android zu Windows jedoch im besten Fall holprig. Bevor du ein Programm für wichtige Daten einsetzt, solltest du also unbedingt einen Testlauf mit Testdaten durchführen, nicht dass es am Ende zum Datenverlust kommt, der ja gerade nicht eintreten sollte.

Alternativen Software-Schutz gibt es reichlich

Windows Bitlocker iverschlüsselt Laufwerke komplett. Diese können dann auf anderen PCs mit Windows durch Passwortfreigabe geöffnet werden.
Windows Bitlocker iverschlüsselt Laufwerke komplett. Diese können dann auf anderen PCs mit Windows durch Passwortfreigabe geöffnet werden.

Grundlegend gewährt die in vielen Geräten integrierte Codierung ausreichend Schutz, damit private Daten nicht durch die Entnahme der microSD-Karte in die falschen Hände geraten können.

Wenn du etwas Sensibles per E-Mail oder Cloud teilen willst, solltest du es allerdings zusätzlich mit einem Passwort versehen. Dafür eignen sich auch die seit etlichen Jahren bewährten Packprogramme wie RAR oder Winzip. Sie funktionieren im Grunde auf allen Geräten und sind noch dazu in der Lage, die Größe der Dateien zu verringern, was insbesondere bei mobilem Internet deutliche Vorteile bringt.

Darüber hinaus verfügt Windows selbst ebenfalls über eine eingebaute Verschlüsselungsfunktion. Mit Bitlocker kannst du USB-Sticks oder SD-Karten schützen, die sich dann auf jedem anderen Windows-Computer mithilfe des Passworts wieder öffnen lassen. Bei all diesen Programmen gilt selbstverständlich, dass auch das gewählte Passwort ein Mindestmaß an Sicherheitsmerkmalen erfüllen sollte, also möglichst lang und mit ein paar Sonderzeichen sowie Groß- und Kleinbuchstaben versehen sein sollte.

Je sensibler die Daten sind, umso aufwendiger darf auch deren Schutz gestaltet sein. Während die private Bilder und Kontakte auf einer mit der Gerätesoftware verschlüsselten microSD-Karte gut aufgehoben sind, werden wirklich geheim zu haltende Dateien am besten hinter mehreren Riegeln aus Soft- und Hardware-Verschlüsselung versteckt.

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