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Meine Frau, ihr Smart-TV und ich



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Der Alte ist kaputt.

Der alte Fernseher ist kaputt.
Quelle: Oblivious Dude

Einmal kommt bei jedem dieser Augenblick, indem man realisiert: Der geliebte DVD-Player ist defekt, erledigt, kaputt oder schlicht nur noch Schrott. Es muss nicht zwangsläufig der DVD-Player sein, es kann auch der Fernseher selbst sein, ein Videorekorder, ein Stereokassettenrekorder oder der Commodore 64. Wenn man Glück hat, ist das Gerät schon älter und außerhalb der Garantie. Manche haben hingegen noch Gewährleistungsanspruch und damit so richtig Pech. Denn dann wird es leider nur durch sich selbst ersetzt und es gibt kein neues Spielzeug.

Alle anderen aber sonnen sich mit einem zufriedenen Lächeln in der Gewissheit, nun hochoffiziell die Erlaubnis zu haben, sich ein neues Gerät anschaffen zu dürfen. Ganz ohne schlechtes Gewissen und ganz ohne böse Blicke. Doch bevor jetzt alle Glücklichen den nächsten Cyberport Store stürmen, möchte ich kurz erläutern, wie man leicht aus einem kaputten DVD-Player einen 3D-Smart-TV mit Blu-ray Player machen kann und trotzdem nicht die engen Grenzen der hochoffiziellen Beschaffungserlaubnis übertreten muss. In meinem Fall ist dieses „hochoffiziell“ übrigens meine Frau.

Ich denke, diese Anleitung dürfte einige interessieren. Sie gliedert sich der Übersichtlichkeit halber in fünf Phasen, die alle nacheinander zu durchlaufen sind. Die Reihenfolge ist wichtig, sonst bricht das Argumentationsgerüst zusammen, ehe der „Jetzt kaufen“-Button angeklickt wurde!

Das Ausgangsszenario ist mein defekter DVD-Player und wir beginnen mit:

Phase 1: Trauer

Das alte Gerät war einfach erstklassig. Diesen Satz muss man sich immer wieder sagen. Egal wie sehr es hakte, dröhnte, brummte oder unerklärlich vibrierte, es war stets ein treuer Begleiter. Und dass es überhaupt so lange gehalten hat, grenzt an ein Wunder, schließlich hat man ihm alles abverlangt. Meist indem man diesem Mistteil nur mit hämmernder Gewalt seine Funktionen abgerungen hat. An dieser Stelle ist auch der geeignete Platz für die unzähligen Erinnerungen, die man mit dem DVD-Player verband. Die viele guten Filme, die noch zahlreicheren schlechten Filme und vor allem die vielen gemeinsamen Stunden, die man damit verbracht hat, über beide Arten von Filmen zu diskutieren. Nicht zu vergessen die vielen Hammer-Features, die er gehabt hat: Dolby Surround, DivX oder den USB-Anschluss (es spielt dabei keine Rolle, dass diese Features mittlerweile jede Eieruhr beinhaltet).

Man hatte sich damals schon ein außergewöhnlich gutes Stück Technik gegönnt. Es wird nicht einfach zu ersetzen sein. Soviel steht fest. Dieser Gedanke bringt uns direkt zu:

Phase 2: Die Grenzen der Technik

Wie bereits vermutet, ein ähnliches Gerät gibt es gar nicht mehr auf dem Markt und wenn, dann zu einem exorbitant höheren Preis als der dahingegangene DVD-Player damals gekostet hatte. Ich glaube es war ein Aldi-Sonderangebot für 49,95 Euro, also eines jener deutlich unter Wert verkauften Spitzenmodelle (Phase 1!!!). Eine Sackgasse, möchte man meinen. Falsch, sage ich. Dies ist eine Autobahnauffahrt! Schließlich kann man sich dunkel an einen Technologiewandel erinnern, Blu-ray hieß dieser neue Kram. Mit diesem neuen Keyword ausgerüstet findet man ruckzuck ein Gerät, welches dem alten in nichts nachsteht. Eigentlich ist es so gut ausgerüstet, dass es eine Schande ist, seine Fähigkeiten mit dem schnöden Abspielen von Filmen zu vergeuden. Mich würde es nicht wundern, wenn es nebenbei auch meine Steuererklärung machen kann, während es der NASA dabei hilft, neue Planeten zu entdecken.

Mit solch erbaulichem Suchergebnis ausgestattet starten wir die:

Phase 3: Supersize it

Zugegeben, ich hatte Glück, dass bei meiner Suche nach „Blu-ray-Player mit orbitaler, automatischer Langstreckensensoreinstellung und kohärenten Phasenzyklusvarianzdämpfern“ direkt nur Bundle-Angebote gezeigt wurden. Es ist aber enorm wichtig, ein solches ausfindig zu machen. Bei mir war es eben ein LG-Smart-TV, bei dem es praktischerweise den passenden Blu-ray-Player dazu gab und alles noch dazu preislich reduziert war. Ok, Ok. Der Fernseher kostet immer noch einen Haufen Geld. Aber man: Den Player gibt es gratis dazu! Für lau! Kostenlos! Ist doch super, ein neues Gerät und ich muss gar nix für bezahlen! Und es gibt einen hammermäßig-tollen Fernseher dazu. Und der war auch noch reduziert! Wenn man an dieser Stelle nicht selber überzeugt ist, wird es schwer. Die erste Diskussion über den Kauf führt man schließlich mit sich selbst. Verliert man diese, wie soll man dann in nächster Instanz bestehen können? Also sollte man sich Phase 1 bis Phase 2 noch einmal genau vor Augen führen und unbedingt mit den gefundenen Geräten abgleichen.

Man sollte also darauf achten, dass der Fernseher folgendes hat:

Phase 4: Features, Features und ein Zugeständnis

Im Grunde alles was man aus 3 – 4 Buchstaben an Abkürzungen kreieren kann, sollte im TV verbaut sein. Dazu gehören solche Killerfeatures wie HbbTV, welche man nach dem Kauf vergisst, einen Monat später wieder entdeckt, ausprobiert und feststellt, dass das Ganze so performant läuft wie Real Media in den Neunzigern. Auf jeden Fall sollte das Gerät Internet haben, das ohne Kabel. Nur so wird der erste Abend mit dem neuen Gerät unvergesslich. Bei mir gab es dann noch so Sachen wie 3D, DVB-T, DVB-C, jede Menge HDs, irgendwas mit Aufnehmen auf einer Festplatte und natürlich das aktuelle Mega-Must-Have: USB-Anschluss. Das alles ist ziemlich wichtig. Genauso wichtig ist, dass es alles in der Produktbeschreibung zu lesen ist. Schließlich darf man nicht vergessen: Es muss alles noch abgesegnet werden und da hilft eine detaillierte, vor allem lange Featureauflistung ungemein.
Ganz wichtig ist auch jener Satz, mit dem ihr das Bundle präsentiert: „Schau mal, den Ersatz für unseren DVD-Player gibt es bei diesem Fernseher gratis dazu. Den gibt es auch in 45 Zoll, ich finde aber 42 Zoll reichen für uns auch.“ Dieses Zugeständnis muss man machen, sagt es doch: „Ich will dieses Hammerteil haben und die alte rückwärtsgewandte Filmabspieltechnologie auf silbernen Scheiben gibt es da bereits umsonst dazu (wer kauft das heutzutage auch noch). Ich weiß aber, dass so ein Smart TV ziemlich viel Geld kostet, darum schlage ich vor, wir beschränken uns in der Bildschirmdiagonale auf ein menschenwürdiges Minimum von 107 Zentimetern.“ Das kann man natürlich alles auch direkt so sagen, muss man sich aber erst mal trauen.

Phase 5: Erkenne die Wahrheit

Mit etwas Glück hat man nun ein Heimkino bestellt und nach kurzer Wartezeit thront der neue Freizeitabsorber im Wohnzimmer. Schnell wird man feststellen, dass ein Leben ohne Fernsehen über das Internet, dazu zählen so Sachen wie YouTube, Streamingangebote (natürlich nur die legalen) und Video-on-Demand, eigentlich reine Zeitverschwendung war. Irgendwo gibt es in dieser neuen Kiste sogar diese putzigen alten Fernsehkanäle, wie RTL oder ARD, die man von früher her noch kennt. Trotz dieses reichhaltigen Angebots zog ich am ersten Abend noch schnell los, um mir meine erste Blu-ray in meinem Leben zu kaufen, in 3D. Schließlich hab ich ja einen neuen DVD-Player gesucht gehabt. Der erste Abend begann also mit einem Heimkinoerlebnis. Der zweite Abend mit der Anmeldung bei maxdome und der Entdeckung der Seriensparte bei selbiger. Die Tage danach wurde der Fernseher mehr und mehr die zentrale Nachholstelle für Serien aller Art. Allerdings nicht meiner, sondern die meiner Frau. Mittlerweile verstehe ich, warum die Streaminganbieter einem den Zugang über mehrere Geräte erlauben. So kann man wenigstens auf dem 7-Zoll-Tablet mit Kopfhörern…

Ja, so sieht’s aus. Aber immerhin ist „Desperate Housewifes“ in HD und 3D-Emulation zu sehen schon ein optisches Highlight, die ganzen acht Staffeln… Und ab 24 Uhr hab‘ ich den Smart TV immerhin für mich ganz allein. Ha! Ok, wochentags. Ok, jeden zweiten. Im Monat.

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2 Kommentare

  1. Richard schrieb am
    Bewertung:

    Deine Probleme könnte ein kleines aber Feines Raspberry Pi mit raspbmc an einem anderen Fernseher lösen ;) Baue ich mir grad zusammen und macht echt spaß das kleine teil!

  2. maier urman schrieb am
    Bewertung:

    ich nutze den Videoweb TV SmartTV aufrüster der hat ohne ende angebote wahnsinns
    auch zattoo … kann ich nur empfehlen

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