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Hurra, hurra, der Server brennt!



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Zugeordnete Tags Server | Macworld

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Kennt ihr den: „Kommt ein Kunde mit ´nem XServe in den Apple Store …“ Nein? Ich kenne ihn jetzt leider, diesen Apple-internen Brüller, seit sich mein Arbeits-Mac-Server, ein schnittiger XServe G5, im wahrsten Sinne des Wortes in Rauch aufgelöst hat.

Wer jetzt eine infernalische Feuersbrunst mit Bratäpfeln vor Augen hat, den muss ich enttäuschen: Es roch lediglich stark nach schmelzendem Plastik, das wurde nach dem Abschalten des Servers merklich besser. Er muss also schuld gewesen sein, kombinierte ich messerscharf.

Daher brach ich fachmännisch das Gehäuse mit einem Schraubenzieher und einem Administrierhammer, dem Großen für Macs, auf. Zunächst in der Hoffnung, irgendetwas Verschmortes zu sehen und dann mittels ifixit.com und sündhaft überteuerten Ersatzteilen den ganzen Spaß ratzfatz reparieren zu können. Schließlich war das Gerät gerade mal sieben Jahre alt, das ist doch wohl kein Alter für einen Server, obschon aus den Garantiewindeln herausgewachsen.

Nachdem ich den Deckel geöffnet hatte und der Engelschor, der dabei ertönte, verstummt war, sah ich allerdings … nichts. Also nichts Verbranntes, einfach nur Platinen und Platten und jede Menge Kram, der von der einen oder anderen Weltraummission übrig geblieben zu sein schien.

Es sah also alles in Ordnung aus, roch aber leider nicht so. Also gut, dann doch in den sauren Apfel beißen (die billigen Wortwitze ziehe ich in diesem Artikel eiskalt weiter durch!) und einen Termin an der Geniusbar machen.

Bedauernde Handbewegungen bei Apple

Superklasse: Gerät ausgewählt, Zeit angegeben, eine völlig andere Zeit zugewiesen bekommen und schon ging es ab zu den flinken Helfern in ihren blauen Shirts.

Völlig außer Atem dort angekommen (das Teil wog immerhin 15 kg), zunächst die strenge Hiobsbotschaft: Du bist zu spät! Gehe nicht über Los, ziehe keine Auskunft ein.

Also hieß es warten. Dass der Server 15 kg wiegt, habe ich schon erwähnt? Langsam bildete sich eine kleine blaue Traube um mich, da man an der Geniusbar mit so einem heißen, flachen XServe schon auffällt und bewundernde Blicke, ehrfürchtiges Nicken und bedauernde Handbewegungen erntet.

Halt! Bedauernde Handbewegungen? Und fiel da in der einen Ecke nicht gerade flüsternd das böse Wort mit V? Da: „Vintage!“ rief der Kundenbetreuer und die Welt hielt den Atem an. Die eben noch strahlenden Augen der Mitarbeiter senkten sich traurig zu Boden, Köpfe wurden geschüttelt, Schultern getätschelt und ein Kind begann zu weinen. Letzteres könnte aber auch Zufall gewesen sein.

Was sollte das nun heißen? Ganz einfach: Es gibt keinen Support mehr für dieses Flaggschiff der Apple-schen Pre-Intel-Ära. Der Server durfte noch nicht mal mehr geöffnet und angeschaut oder gar diagnostiziert werden. Ich gewann den Eindruck, dass manch einer der Angestellten nicht einmal wagte, das Gerät überhaupt direkt anzusehen.

Langsam komplimentierte man mich zur Tür und gab mir zum Trost den Rat mit, es gäbe noch einen anderen Apple-Händler und -werkstättler in Dresden, der vielleicht so verwegen wäre, meinen Server mal anzufassen. Die Hoffnung verlieh mir so übermenschliche Ausdauer, dass ich da direkt hinspurtete. Obwohl ich mir im Nachhinein nicht sicher bin, ob  man das aus sportmedizinischer Sicht spurten nennen kann. Ich habe erwähnt, dass dieses Teil 15 kg wiegt, oder?

Keine Ersatzteile

Geschafft, frustriert und das blöde Alu-Ding hinter mir her schleifend, kam ich schließlich in der kleineren Ausgabe eines Apple Stores an, allerdings war dieser völlig leer und leuchtete gespenstisch blau. Nachdem ich dem Mitarbeiter den Sachverhalt geschildert hatte und ihm bei dem Begriff „Vintage“ nur ein kleiner Schatten über das Gesicht gehuscht war, begann er, das Gerät nach links und rechts zu drehen.

Im Allgemeinen ist das bei Technikern ein Zeichen, dass sie das Problem gleich gelöst haben. Doch es folgte zunächst die detaillierte Schilderung der technischen Apparaturen und der schwierigen Handgriffe, die nötig wären, um auch nur nach der Ursache zu forschen. Schließlich kann bei so einem defekten Server alles passiert sein: vom einfachen Stromschlag über eine spontane Kernfusion bis hin zu einer antizyklischen Phasenverschiebung im Raum-Zeit-Gefüge.

Fast hätte ich dem Herrn empfohlen, seinen Beruf hinzuschmeißen und doch eher leichtere Tätigkeiten wie Weltraumingenieur oder Versuchsleiter im CERN zu ergreifen. Ich tat es nicht, schließlich wollte ich die eben angebotene Suche nach der Quelle des Brandgeruchs schon gern beauftragen.

Nebenbei erwähnte er ganz unschuldig: „Repariert bekommen Sie das dann aber wahrscheinlich nicht, es gibt ja keine Ersatzteile mehr bei so ´nem Vintage-Gerät.“ Ich muss sagen: Diese Deeskalationshelfer, die die Polizei verwendet, sind echt ihr Geld wert …

Ich schnappte mir also mein 15 kg schweres, nutzloses, im feinsten Aluminiummantel glänzendes, nach verkokeltem Plastik müffelndes Gerät und fuhr mit der Straßenbahn in den Sonnenuntergang. Leider ging sie am nächsten Tag wieder auf.

Statt Mac-Server lieber NAS-System

Im Nachhinein war es eigentlich gar nicht so schlimm – sieht man von der Tatsache ab, dass ein sieben Jahre altes Gerät, dessen Neupreis bei 6.000 Euro lag, dank der Support-Politik von Apple heute nur noch Schrottwert hatte.

Ich überlegte einfach, wozu ich den Mac-Server eigentlich benutzt hatte. Am Ende kam ich darauf, dass ein simples NAS-System die wichtigsten Sachen ebenfalls abdeckt und deutlich günstiger zu haben ist. Seltsam, aber wahr.

Mit meinem neuen Netzwerkspeicher komme ich viel besser klar, der wiegt nämlich gerade mal 2 kg, inklusive Festplatten!

Der Mac-Server ist derweil den Weg alles Endlichen gegangen: bei Ebay verramscht worden. Ich stelle mir gern vor, wie er jetzt glücklich irgendwo liegt. Wahrscheinlich in einer Designerküche, als stylishes Schneidebrett.

Nas Netzwerkspeicher

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3 Kommentare

  1. Richard schrieb am
    Bewertung:

    Mein Beileid, aber dafür sparst du mit dem NAD auch Platz ;) Hab mir selbst letztens ein Synology NAS gekauft, die sind wirklich klasse! (und seitdem ist mein 5 Jahre alter Linux Server aus)

    Aber schon sehr bitter das es für den Server nach 7 Jahre keine Ersatzteile mehr gibt, kann man sich eigentlich kaum vorstellen…

  2. Sven schrieb am
    Bewertung:

    Apple möchte eben, dass du dir einen neuen Mac Pro kaufst.. oh, wait.
    Tut mir leid dass zu hören, Synology kann ich aber auch nur wärmstens empfehlen.

  3. Walter schrieb am
    Bewertung:

    Ohje, und wie hältst du jetzt im Winter deine Wohnung warm?!

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