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#erstmalverstehen: Ein-Finger-Tipper oder Gamer? Welche Tastatur passt zu mir?



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Meine treue Multimedia-Tastatur mit dem fast schon historischen PS/2-Anschluss musste getauscht werden. Schön war sie noch nie und wirklich sauber bekam ich sie schon länger nicht mehr. Aber im Grunde funktionierte sie tadellos.

Das Verklemmen von „Strg“ und „Shift“ war das endgültige K.O. Nicht einmal ein Gelegenheitsnutzer hätte so noch Spaß oder wenigstens keinen Frust beim Tippen gehabt. Kopieren und Einfügen sowie die meisten anderen Shortcuts sollen und wollen schnell gedrückt sein.

Womit zwangsläufig die Fragen einhergehen: Zu welcher Tastatur soll ich als Vielschreiber, jemand der gerne zockt und Gelegenheitsnutzer greifen? Welche verschiedenen Tastatur-Typen gibt es überhaupt? Lohnt sich eine teure mechanische Tastatur und welche Vor- sowie Nachteile haben die einzelnen Modelle?

An Notebooks findet sich meist eine sogenannte Chiclet-Tastatur. Sie ist besonders flach und die Inseltasten lassen sich zielsicher drücken. Eine intensive Nutzung ist eher nicht vorgesehen.
An Notebooks findet sich meist eine sogenannte Chiclet-Tastatur. Sie ist besonders flach und die Inseltasten lassen sich zielsicher drücken. Eine intensive Nutzung ist eher nicht vorgesehen.

Gummikappe & viel Plastik - die Rubberdome-Tastatur

Mit deutlichem Abstand am weitesten verbreitet sind die Rubberdome-Tastaturen. Die Tasten selbst sind in eine Führung eingeklickt und drücken eine Gummikappe zu Boden, an deren Unterseite sich ein elektrischer Leiter befindet. Erreicht dieser den Boden, schließt sich ein Kontakt auf einer Leiterplatte und der Tastenbefehl wird ausgelöst.

Das Prinzip ist denkbar einfach und die Herstellung gestaltet sich preiswert. Außerdem genügen die üblicherweise fünf bis zehn Millionen Tastenanschläge selbst bei täglicher Nutzung, um eine Lebensdauer von fünf Jahren zu erreichen.

Auch bei einem Notebook wirst du genau diese Technik finden. Zwar sind die Tasten flacher gestaltet und besitzen genau deshalb noch einen kleinen Federmechanismus, aber der Gegendruck wird stets durch eine kleine elastische Haube erzeugt. Wegen der zusätzlichen Mechanik werden solche Tastaturen gelegentlich auch als „halb-mechanisch“ oder „Mecha-Membran“ bezeichnet.

Die Möglichkeiten der Gestaltung reichen in etwa von der ganz klassischen Logitech K120 bis zur beleuchteten und extrem flachen Logitech K740. Während der Preis klar für derartige Modelle spricht, können sie bei der Haltbarkeit, einem sauberen Druckpunkt und dem damit verbundenen Gefühl beim Eintippen nicht mit anderen Techniken mithalten.

Unter einem kurzen Schacht lässt sich der Rubberdome gut erkennen, der vor allem günstig in der Herstellung ist.
Unter einem kurzen Schacht lässt sich der Rubberdome gut erkennen, der vor allem günstig in der Herstellung ist.

Schreiben & spielen - mechanische Tasten mit vielen Vorzügen

Statt ein Stück Gummi nach unten zu drücken, das erst ganz am Boden ein Signal gibt und irgendwann seine Elastizität verliert, kannst du von rein mechanischen Tastaturen wesentlich mehr Präzision und mögliche Tastenanschläge erwarten. Die sogenannten MX-Switches des Herstellers Cherry, die fast überall zu finden sind, bestehen aus einem Federmechanismus und einer Blattfeder, die beim Drücken einen elektrischen Kontakt schließt.

Dank des höheren Gegendrucks wird das Betätigen der Tasten allgemein angenehmer empfunden. Noch wichtiger aber ist, dass der Kontakt nicht erst beim vollständigen Eindrücken schließt, sondern üblicherweise bereits nach etwa zwei Millimeter. Wie du das spürst, lässt sich dabei komplett frei wählen.

Gänzlich geräuschlos und ohne merkbaren Druckpunkt sind die meisten Gaming-Tastaturen gestaltet. Die Mechanik wird als MX-Red bezeichnet und wird zum Beispiel in einer Corsair Gaming K68 verwendet. Ein Modell mit Druckpunkt, das dir das Auslösen des Tastenbefehls spürbar signalisiert, wäre etwa die HyperX Alloy FPS MX Brown. Noch einen Schritt weiter geht die HyperX Alloy FPS MX Blue mit zusätzlich hörbarem Klicken und erfühlbaren Steuerungstasten für Spiele. Besonders beliebt sind die hörbaren Modelle jedoch eher bei Vielschreibern, da die Bedienung schon recht laut ist.

Allen mechanischen Tastaturen gemein ist das hohe Gewicht von etwa einem Kilogramm und die Lebensdauer von typischerweise 50 Millionen Anschlägen. Würdest du also sechs Stunden am Tag das ganze Jahr über intensiv spielen und zumindest eine der wichtigsten Tasten, „A“ oder „D“ oder eine andere, durchschnittlich alle drei Sekunde einmal drücken, dauert es immerhin zwanzig Jahre bis diese Anzahl an Tastenanschlägen erreicht ist.

Nicht nur optisch ansprechend, auch technisch anspruchsvoll kann eine gute Tastatur sein.
Nicht nur optisch ansprechend, auch technisch anspruchsvoll kann eine gute Tastatur sein.

Noch schneller mit Lichtschranke - die opto-mechanische Tastatur

Noch etwas aufwendiger gestaltet sind opto-mechanische Tastaturen. Diese nutzen die verlässliche Mechanik inklusive Federmechanismus der mechanischen Tastaturen, verzichten aber auf den elektrischen Kontakt. Stattdessen unterbricht der Tastendruck eine Lichtschrank, die mit minimaler Verzögerung und zumeist einem noch kleineren Auslöseweg als bei mechanischen Modellen reagiert. Auch hier kannst du je nach Gefühl entweder auf spürbares Klicken ganz verzichten oder dir sowohl mit Gegendruck als auch einem hörbaren Signal das Auslösen der Tasten bestätigen lassen.

Die aufwendige Konstruktion schlägt sich darin nieder, dass es natürlich die teuersten Modelle sind. Mit 100 Millionen Anschlägen sind sie aber auch die mit Abstand langlebigsten. Außerdem lassen sich wie bei den mechanischen Tastaturen die einzelnen Tasten austauschen und die Beleuchtung fehlt in der Regel ebenfalls nicht. Zwei beliebte Beispiele sind die Razer HUNTSMAN und die Gigabyte Aorus K9. Beide wären ausgehend von der genannten Lebensdauer trotz der geforderten über 100 Euro auf lange Sicht am günstigsten, sofern erst bei Erreichen der maximalen Tastenanschläge ein Austausch erfolgt.

Inseltasten sind vor allem schick, zu schnellem Tippen verführen sie eher nicht.
Inseltasten sind vor allem schick, zu schnellem Tippen verführen sie eher nicht.

Von Ghosting bis Kaugummi - die wichtigsten Extras zu Tastaturen

Gerade bei Gaming-Tastaturen gibt es zwei wichtige Zusatzfunktionen. Zum einen darf die bunte Beleuchtung nicht fehlen. Die lässt sich je nach Modell farblich anpassen, ein Farbverlauf ist programmierbar oder sie kann mit der Beleuchtung in deinem Smart-Home kombiniert werden. Das schafft zum Beispiel die Razer Cynosa Chroma.

Die zweite Eigenschaft ist das „Anti-Ghosting“. Erleben kannst du es mit einer ganz einfachen Tastatur oder fast jedem Notebook. Öffne ein Schreibprogramm und versuche fünf Tasten gleichzeitig zu drücken. Die Buchstaben sollten in unterschiedlichen Reihenfolgen auf dem Display erscheinen. Versuche das Gleiche mit sechs Buchstaben und auf wundersame Weise dürfte gar nichts mehr passieren.

Erst eine Tastatur mit Anti-Ghosting erreicht durch eine verbesserte Schaltung, dass du zumeist zehn Tasten auf einmal drücken kannst und diese auch registriert werden.

Ein ganz anderes Phänomen sind Chiclet-Tastaturen. In den meisten Fällen sind damit besonders flach gestaltete Keyboards gemeint. Ob sie zusätzlich Inseltasten besitzen, wie einzeln und mit etwas Abstand zueinander liegen, ist hierbei nicht genau festgelegt. Allgemein können damit alle flachen Tastaturen, üblicherweise mit einfacher Federhalterung und Rubberdome, als Chiclet bezeichnet werden.

Zurück geht die ungewöhnliche Bezeichnung auf einen Süßigkeit namens Chiclets, mit Zucker umhüllte Kaugummis. Von da stammt auch die eigentlich falsche Übersetzung ins Deutsche „Kaugummi-Tastatur“. Die flachen Drops erinnerten an die gummierten Kappen, die die Grundlage der flachen Tastaturen etwa bei Notebooks bildeten. Bei tragbaren Festnetztelefonen oder einfachen Fernbedienungen findet sich diese flache Gummiplatte mit den Erhöhungen der einzelnen Tasten noch immer. So entstand dieser Namen aus der simplen Ähnlichkeit zu den „Chiclets“.

Manchmal muss die Tastatur nur optisch zum Rest passen und einfach funktionieren.
Manchmal muss die Tastatur nur optisch zum Rest passen und einfach funktionieren.

Fazit: Es gibt die richtige Tastatur

Wenn der Anschlagspunkt, der Gegendruck und die Belastbarkeit besonders entscheidend sind, darf es in jedem Fall eine mechanische Tastatur sein, vielleicht sogar eine opto-mechanische. Schreibst du viel und brauchst eine präzise Rückmeldung oder spielst gern mit der passenden Tastatur zum aufwendigen Gaming-PC, ist eine opto-mechanische Tastatur die richtige Wahl. Dank der langen Haltbarkeit lohnt sich hier auch der höhere Preis fast immer.

Für den Gelegenheitsnutzer oder den weniger feinfühligen Tipper bleibt die halb-mechanische Chiclet-Tastatur oder der ganz einfache Rubberdome eine gute Wahl. Gerade die flachen und schlanken Keyboards sehen zumeist schlichtweg gut aus. Zudem werden auch hier die Tasten mit der zu drückenden Gummihaube hochwertig hergestellt und dürften dementsprechend gern ein Jahrzehnt lang funktionieren.

Bei mir ist es übrigens die Cherry Stream 3.0 geworden, nicht wegen ihres Versprechen einer langen Lebensdauer, sondern wegen der sechs zusätzlichen Multimedia-Tasten.

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