Lifestyle

#erstmalverstehen: Was verrät die Blende über die Bildqualität einer Smartphone-Kamera?



Zugeordnete Tags #erstmalverstehen | Kamera | Smartphone

Wer im Alltag gern schöne Fotos schießt, für den ist die Bildqualität seiner SmartphoneKameras besonders wichtig. Allerdings ist es vor dem Kauf oft schwer einzuschätzen, ob die Kameraqualität tatsächlich den eigenen Ansprüchen gerecht wird.

Während bei der Bewerbung von Smartphone-Kameras vor einiger Zeit vor allem die Megapixel-Anzahl im Mittelpunkt stand, ergänzen Hersteller nun vermehrt einen f-Wert. Dieser steht für die Blende der verbauten Kamera. Doch was sagt er genau aus?

Wir schauen uns heute an, was der f-Wert bedeutet und was er uns über die Bildqualität von Smartphone-Kameras verrät. Außerdem erfahrt ihr, welche Aspekte der Smartphone-Kamera ihr beim Kauf unbedingt beachten solltet.

Viele Smartphone-Hersteller geben neben der Megapixel-Anzahl den f-Wert mit an.
Viele Smartphone-Hersteller geben neben der Megapixel-Anzahl den f-Wert mit an.

Wofür steht der f-Wert bei Smartphone-Kameras?

Dass der f-Wert, der nach dem Megapixel-Wert angegeben wird, sich auf die Blende der Kamera bezieht, ist vielen bereits bekannt. Doch wie lässt sich die Zahl genau interpretieren?

Zunächst einmal ist die Blende dafür verantwortlich, wie viel Licht auf den Sensor fällt. Ist die Blende weit geöffnet, kann mehr Licht einfallen, als wenn die Blende weniger weit geöffnet ist. Viel Licht ist wichtig, damit der Sensor, auf dem sich die Pixel befinden, mit genügend Energie gefüttert wird, um die Bildinformationen abzubilden.

Der f-Wert steht dabei für das Öffungsverhältnis zwischen der Brennweite f der Kameralinse und der Öffnung der Blende. Die Brennweite gibt den Abstand zwischen der Kameralinse und der Aufnahmeebene, also in diesem Fall dem Sensor, in Millimetern an.

Klingt kompliziert? Betrachten wir das Ganze an einem Beispiel: Die Hauptkamera des Samsung Galaxy S21 besitzt eine Blende von f/2.0. Brennweite und Blendenöffnung befinden sich hier im Verhältnis 1 zu 2, das heißt die Brennweite f ist doppelt so groß wie die Öffnung der Blende.

Die Hauptkamera des Samsung Galaxy S20 hingegen besitzt eine Blende von f/1.8. Das Verhältnis von Brennweite und Blendenöffnung ist also 1 zu 1,8, wodurch die Brennweite 1,8 mal so groß ist, wie die Öffnung der Blende. Folglich ist die Blende der Hauptkamera des Galaxy S20 weiter geöffnet, als die Blende des Samsung Galaxy S21.

Vereinfacht gesprochen: Je kleiner der f-Wert, desto weiter ist die Blende geöffnet, desto mehr Licht fällt auf den Sensor. Aber heißt das, dass die Kamera des Samsung Galaxy S21 schlechter ist, als die Kamera des Vorgängermodells? Nein, denn allein der f-Wert sagt nur begrenzt etwas über die Bildqualität aus.

Eine weit geöffnete Blende versorgt die Linse mit genügend Licht – auch in dunklen Umgebungen.
Eine weit geöffnete Blende versorgt die Linse mit genügend Licht – auch in dunklen Umgebungen.

Was bedeutet der f-Wert für die Bildqualität?

Vom f-Wert allein lassen sich lediglich zwei Schlussfolgerungen treffen.

Den ersten Punkt über den Lichteinfall haben wir ja bereits geklärt: Je kleiner der f-Wert, desto größer die Blendenöffnung, desto mehr Licht fällt auf die Linse. In die Praxis übertragen heißt das, dass du oder die Automatik deines Smartphones bei schlechten Lichtverhältnissen oder Dunkelheit, das Bild weniger lange belichten müsst.

Dadurch kann es einfacher sein, auch bei schlechten Lichtverhältnissen scharfe Ergebnisse zu erzielen, da die Bilder bei einer kurzen Verschlusszeit weniger wahrscheinlich verwackeln.

Auch der ISO-Wert, der das Bildsignal künstlich über die Software verstärkt, muss weniger hoch gewählt werden. Damit reduziert sich auch das Rauschen, das sich oft als negativer Effekt eines zu hoch gewählten ISO-Wertes ergibt.

Zweitens sorgt eine weiter geöffnete Blende für eine geringere Schärfentiefe. Das heißt, das Bild hat einen kleineren Schärfebereich, worduch das meiste unscharf abgebildet wird. Viele Smartphones besitzen dafür mittlerweile sogar eigene Kameras, die für den sogenannten Bokeh-Effekt sorgen sollen. Der Vordergrund wird also scharf dargestellt, während der Hintergrund verschwimmt.

Da für einen solchen Effekt jedoch eigentlich größere Sensoren und Brennweiten, als Smartphone-Kameras sie bieten, benötigt werden, helfen die meisten Smartphones mit Software nach. Daher ist der f-Wert in dieser Hinsicht eher zu vernachlässigen.

Aufgrund des größeren Sensors und der größeren Brennweite sind mit Spiegelreflexkameras stärkere Bokeh-Effekte möglich.
Bei Portrait-Aufnahmen ist Tiefenunschärfe besonders eindrucksvoll.
Aufgrund des größeren Sensors und der größeren Brennweite sind mit Spiegelreflexkameras stärkere Bokeh-Effekte möglich.

Welche Aspekte spielen bei der Kameraqualität außerdem eine Rolle?

Wichtig ist es im Allgemeinen, nicht die einzelnen Werte isoliert zu betrachten, sondern im Zusammenspiel.

Allein eine große Megapixel-Anzahl bedeutet beispielsweise nicht unbedingt, dass auch die Bildqualität (sehr) gut ist. Hier spielt vielmehr das Verhältnis zwischen Sensorgröße und Megapixel-Anzahl eine Rolle.

Verteilen sich zu viele Pixel auf zu engem Raum, also einem zu kleinen Sensor, werden die Pixel selbst winzig klein. Dadurch können sie weniger Licht aufnehmen. Die Bilder rauschen und wirken weniger detailreich.

Ist der Sensor jedoch groß genug, verteilt sich die gleiche Anzahl an Pixeln über einen großen Raum. Die einzelnen Pixel werden dadurch selbst recht groß und können so viel mehr Licht aufnehmen. Das Bild wird detailreicher und schärfer.

Neben der verbauten Hardware spielt auch die Software eine wichtige Rolle für das Bildergebnis. Mit verschiedenen Bildmodi und Einstellungsmöglichkeiten, lassen sich beispielsweise schlechte Lichtverhältnisse leichter ausgleichen. Bildstabilisatoren wirken zudem verwackelten Aufnahmen entgegen.

Fazit: Darauf solltet ihr beim Smartphone-Kauf achten

Mehrere Sensoren sorgen für die Flexibilität, die Smartphone-Kameras gegenüber professionellen Kamerasystemen fehlt.
Mehrere Sensoren sorgen für die Flexibilität, die Smartphone-Kameras gegenüber professionellen Kamerasystemen fehlt.

Das waren ziemlich viele Informationen auf einmal. Aber auf welche Kamera-Eigenschaften soll ich denn nun beim Kauf achten?

Da ihr euer Smartphone wahrscheinlich in den verschiedensten Momenten und Situationen für Schnappschüsse einsetzen werdet und die einzelnen Smartphone-Kameras aufgrund ihrer Größe wenig variabel sind, lässt sich als Faustregel sagen: Je mehr unterschiedliche Kameras im Smartphone verbaut sind, umso vielfältiger sind die Einsatzmöglichkeiten eurer Kameras.

Zwar lässt sich zu der Megapixel-Anzahl nicht allgemein sagen: Je mehr desto besser. Dennoch können natürlich auch zu wenige Megapixel für ein detailarmes und unscharfes Bild sorgen. Als Anhaltspunkt gilt daher: Die Kamera sollte mindestens 8 Megapixel besitzen, wohingegen der Sensor mindestens 1/2,5 Zoll groß sein sollte.

Für die Bildstabilisierung gilt: eine optische Stabilisierung ist besser als eine digitale, da letztere weniger effektiv ausfallen und meist auf Kosten der Bildauflösung arbeiten.

Und um auf das Thema Blende zurückzukommen: Ein Wert von f/1.8 kann hier als guter Richtwert angesehen werden, um auch bei schlechten Lichtverhältnissen ansehnliche Resultate zu erzielen.

#erstmalverstehen: Digitaler vs. Optischer Zoom beim Smartphone

RSS-Feed

Werde Autor!

Dieser Beitrag wurde von veröffentlicht.
hat bereits 29 Artikel geschrieben.
Sei auch dabei: Werde jetzt Autor und teile dein Wissen!

Kommentieren

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*

*

Ähnliche Beiträge

Chromebooks #erstmalverstehen: So findet ihr euch leicht auf Chrome OS zurecht

Lifestyle

20.08.2021

 | Maria Klipphahn

„Schnell, sicher und spielend leicht zu bedienen“, das sollen Notebooks, Convertibles und Tablets mit dem Betriebssystem Chrome OS sein. Trotzdem – so scheint es – trauen sich einige noch nicht so recht an Chromebooks heran. Der... mehr +

#erstmalverstehen: Wie entsteht der dreidimensionale "Virtual Reality-Effekt"?

Lifestyle

15.04.2021

 | Maria Klipphahn

Eigentlich habe ich Höhenangst. Doch im virtuellen Flugsimulator kann mir zum Glück nichts passieren. Trotzdem sieht das alles ziemlich echt aus unter meiner Virtual Reality-Brille. Mein Bauch kribbelt sogar, wenn ich einen Looping mache. Aber... mehr +