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#erstmalverstehen: Wie lösche ich SSD-Daten vollständig & sicher?



Zugeordnete Tags #erstmalverstehen | SSD | Sicherheit

Wenn jemand deine privaten Urlaubsfotos wiederherstellt, ist das zwar nicht berauschend, allerdings meist auch nicht allzu dramatisch. Wenn jedoch deine Geschäftsdaten in falsche Hände gelangen, kann das ganz schön unschöne Folgen haben.

Magnetspeicherfestplatten, auch als HDDs bekannt, sollten am besten häufig überschrieben werden, mit Zufallswerten vor- und rückwärts, bis auch BND oder NSA nur mit Mühe noch etwas rekonstruieren können. Eine SSD funktioniert jedoch anders. Um die Daten restlos aus den Speicherzellen zu entfernen, reicht auch mehrfaches Überschreiben nicht aus. Dafür existiert aber ein einfacher und äußerst praktischer Befehl, der jedoch nicht ohne Weiteres zur Ausführung gebracht werden kann.

Wie du die Daten deiner internen und externen SSD komplett sowie sicher löschst und wann das überhaupt sinnvoll ist, erfährst du jetzt!

Anders als bei der HDD mit Magnetkopf lässt sich der SSD-Speicher nicht einfach überschreiben.
Anders als bei der HDD mit Magnetkopf lässt sich der SSD-Speicher nicht einfach überschreiben.

Datenlöschung bei HDDs: 7-fache Überschreibung notwendig

Gerade beim Verkauf eines kompletten Rechners, deines alten Notebooks oder nur einer Festplatte willst du dich darauf verlassen können, dass keine Daten zurückbleiben, egal, ob privat oder geschäftlich. Mit dem einfachen Löschen, dem Wiederaufspielen des originalen Betriebssystems und selbst bei einer Formatierung bleiben Möglichkeiten offen, die eigentlich entfernten Informationen wiederherzustellen.

Beim Löschen einer Datei wird lediglich der Eintrag in der Datei-Zuordnungstabelle entfernt. Der von ihr belegte Platz wird als frei angezeigt. Bis jedoch eine neue Datei an der gleichen Stelle hinterlegt wird, bleiben die originalen Daten vorhanden. Mit diversen, teils kostenlosen Programmen können solche Dateien geortet und sofort wiederhergestellt werden. Das Gleiche gilt für das schnelle Formatieren.

Um auch die letzte Spur deiner Dateien endgültig zu beseitigen, muss der komplette Speicherplatz, freie und beschriebene Bereiche, überschrieben werden. Ein pragmatischer Ansatz für den klassischen Magnetspeicher, also die typische HDD-Festplatte für Video-, Musik- und Bilddatenbanken, ist das vollständige Formatieren.

Ist die HDD parallel zur Festplatte mit dem Betriebssystem verbaut, kann sie einmal als „FAT32“ formatiert werden und im Anschluss als „NTFS“. In der Datenträgerverwaltung von Windows lassen sich die Befehle einfach und übersichtlich starten. Auch eine bootfähige Windows-CDs kann beides ausführen. Restlos beseitigt sind die Spuren aber noch immer nicht, weil die Magnetisierung der einzelnen Bereiche weiterhin messbar bleibt. Um daraus jedoch ein paar private Daten zu rekonstruieren, dürfte der notwendige Aufwand viel zu groß ausfallen.

Bei hochsensiblen Dateien fällt die Empfehlung für das Vorgehen beim Löschen des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) dagegen deutlich aufwendiger aus. Nach dem 7-fachen Überschreiben mit Zufallsdaten dürftest du schließlich davon ausgehen, dass eine Wiederherstellung der hinterlegten Informationen nicht mehr gelingt. Dieses intensive Bereinigen scheint insbesondere bei behördlichen Computern oder Firmendaten angebracht. Für deine Urlaubsfotos lohnt der Aufwand weniger.

Ganz anders sieht die Lage bei einer SSD aus. Diese lässt sich nicht einfach überschreiben, weil die Datenverwaltung durch einen internen Controller völlig anders geregelt wird. Die klassischen Programme zum Überschreiben verfehlen hier ihre Wirkung.

Hersteller wie Crucial bieten Diagnosesoftware an, die bei den hauseigenen SSDs alle Funktionen bereitstellt.
Hersteller wie Crucial bieten Diagnosesoftware an, die bei den hauseigenen SSDs alle Funktionen bereitstellt.

Die SSD funktioniert anders - Löschen verlangt Zusatzbefehl

Damit eine SSD sowohl kurze Zugriffszeiten als auch eine lange Lebensdauer bieten kann, setzen die Hersteller auf das „wear leveling“. Die einzelnen Speicherblöcke in einer SSD besitzen nur eine begrenzte Lebensdauer zwischen 1.000 und 3.000 Schreibvorgängen. Um einen Ausfall stark beanspruchter Speicherbereiche zu verhindern, werden die Daten gleichmäßig verteilt.

Auf diese Weise verteilt sich auch die Beanspruchung gleichmäßig, was zu einer längeren Lebensdauer führt. Für schnelles Schreiben wiederum werden mehrere Blöcke gleichzeitig nur teilweise belegt.

Insgesamt führen diese Vorgehensweisen zu vielen positiven Eigenschaften einer SSD, das Überschreiben wie bei einer HDD ist so aber leider nicht so einfach möglich. Eine Datenlöschung wie bei einer HDD würde zudem sehr viele Schreibvorgänge erfordern, was die Lebensdauer der SSD zusätzlich verkürzen würde. Stattdessen existiert ein spezieller Befehl, den alle SSDs und die meisten anderen Speicher ebenfalls ausführen können.

Als Vorgabe für den sicheren Umgang mit Daten findet sich der Befehl  „ATA Secure Erase“ im Grunde auf jeder Festplatte und löscht sämtliche Speicherblöcke einer SSD inklusive aller Ersatzsektoren für Fehlerbehebung. Auf diese Weise wird die Festplatte in den Auslieferungszustand gesetzt. Sie erhält ihre maximale Geschwindigkeit zurück, nur die bereits fehlerhaften Sektoren bleiben natürlich weiterhin defekt.

Parted Magic orientiert sich bei der Optik an bekannten Betriebssystemen, bietet aber insbesondere Verwaltung und Diagnose für Festplatten.
Parted Magic orientiert sich bei der Optik an bekannten Betriebssystemen, bietet aber insbesondere Verwaltung und Diagnose für Festplatten.

Die Praxis: SSD-Daten sicher & einfach löschen

Die Funktion „ATA Secure Erase“ kann nicht einfach unter Windows aufgerufen werden. Dafür bieten die Hersteller der Speicher, beispielsweise Crucial oder Samsung, eigene Softwarelösungen an. Entweder lag dem Originalkarton deiner SSD eine CD bei oder die jeweilige Firmenwebsite bietet einen Download der Software an.

Wichtig ist, dass es das passende Paket zu der von dir auserkorenen SSD ist, weil jeder Hersteller den Festplattencontroller etwas anders programmiert und damit das Vorgehen unterschiedlich ausfallen kann. Für das Löschen einer externen SSD musst du den Speicher mit dem Rechner verbinden. Danach lässt sich dank der Software bequem das komplette Bereinigen der Platte ausführen und du kannst sie bedenkenlos verkaufen.

Ein USB-Stick mit einem Gigabyte genügt, um darauf "Parted Magic" zu installieren.
Ein USB-Stick mit einem Gigabyte genügt, um darauf "Parted Magic" zu installieren.

SSD inklusive Betriebssystem löschen

Liegt auf der zu löschenden SSD das Betriebssystem, ist sie höchstwahrscheinlich auch der einzige Speicher in deinem Notebook. Dann hast du zwei Möglichkeiten: Entweder du löschst die Daten der SSD über die Herstellersoftware mit einem anderen PC, mit einer CD oder mithilfe eines USB-Sticks, sobald darauf ein bootfähiges Betriebssystem mit den notwendigen Funktionen installiert ist.

Ich denke, hier ist der Stick die bessere Alternative, da nicht jeder Computer ein CD-Laufwerk hat, einen USB-Anschluss dagegen fast immer. Außerdem kannst du den Stick danach wieder für andere Aufgaben einsetzen, was mit einer einmal gebrannten CD eher schwierig wird.

Zur Datenlöschung empfehlen wir dir „Parted Magic“ oder „DBAN“ herunterzuladen. Das sind spezielle Linux-Versionen, die für das Verwalten, Pflegen und Löschen von Datenträgern konzipiert sind. Auch das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) empfiehlt es – für private Zwecke verweist es bei Parted Magic zum Beispiel auf die kostenlose Version vom August 2013. Zudem benötigst du eine Software, die einen bootfähigen USB-Stick erstellen kann. Für Zweiteres eignen sich zum Beispiel „Rufus“ oder „UNetbootin

Hast du alle relevanten Daten vom PC oder Notebook gesichert, musst du den Rechner neu starten und das Booten von CD oder USB-Stick erlauben. Im Normalfall taucht beim Startvorgang die Frage auf, ob das erkannte bootfähige Medium verwendet werden soll, was du mit „Ja“ beantwortest. Nun wird das Betriebssystem „Parted Magic“ gestartet, das komplett in Englisch gehalten ist.

In der linken unteren Ecke befindet sich – ähnlich dem Windows-Knopf – eine Startfläche und darin der Menüpunkt „System Tools“ und „Erase Disk“. Nach der Auswahl des korrekten Laufwerks wird noch davor gewarnt, dass der gesamte Speicher überschrieben wird. Danach beginnt das Löschen und alle Daten werden endgültig und unwiderruflich entfernt. Das gilt auch für eventuelle Backups oder eine Wiederherstellungs-Partition. Damit sind deine Daten und Dateien also sicher und komplett gelöscht.

Zwei häufige Probleme können während dieser wenigen Schritte auftreten: Die SSD kann sich im Zustand „frozen“ befinden. Zur Behebung versetzt du den PC mit dem Menüpunkt „Sleep“ in den Ruhezustand. Nach dem Wiederaufwecken und erneuten Starten von „Parted Magic“ sollte die Festplatte löschbar sein.

Bei einigen Modellen von SSDs kann der Befehl, der schließlich alle Daten fein säuberlich entfernt, verständlicherweise mit einem Passwort geschützt werden. Ist noch kein Passwort vergeben, kann und wird es in diesem Augenblick gesetzt und ist frei wählbar. Direkt im Anschluss wird es ohnehin zusammen mit allen anderen Daten auf der SSD wieder gelöscht.

Am einfachsten handhaben lässt sich die SSD, wenn Sie in einem Computer als zweite Platte verbaut wird. Mehr als ein paar Schrauben sind dabei selten zu lösen.
Am einfachsten handhaben lässt sich die SSD, wenn Sie in einem Computer als zweite Platte verbaut wird. Mehr als ein paar Schrauben sind dabei selten zu lösen.

Ist das sichere Löschen via Software für mich sinnvoll?

Willst du die SSD für deinen eigenen Bedarf löschen, sind Herstellersoftware oder bootfähige USB-Sticks im Grunde unnötiger Aufwand. Der einzige Vorteil von „ATA Secure Erase“ besteht darin, dass sich die Schreibgeschwindigkeit zumindest im ersten Moment etwas verbessern kann. Spielt jedoch der Aspekt, dass Fremde Zugang zu sensiblen Daten erlangen könnten, keine Rolle, ist dieses vollständige Löschen via Software nicht wichtig. Vielmehr ist es ein zusätzlicher Schreibvorgang, der den Speicher weiter altern lässt.

Das Bereinigen der SSD für den eigenen Gebrauch gelingt am einfachsten über schnelles Formatieren. Die alten Daten bleiben zwar erhalten, werden aber nach und nach überschrieben. Den Befehl dazu findest du im Explorer (Windows + E) oder in der Datenträgerverwaltung von Windows. Der Haken für schnelles Formatieren muss gesetzt und das Dateisystem sollte auf „NTFS“ mit einer Clustergröße von 4.096 Bytes eingestellt sein.

Bei einer Neuinstallation von Windows via CD oder USB-Stick wird die Option ebenfalls angeboten. Auch so wird durch das Löschen der Dateien-Zuordnungstabelle der gesamte Speicherplatz freigegeben, ohne dass ein Schreibvorgang auf der kompletten SSD ausgeführt werden müsste.

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