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#erstmalverstehen: TVs smart machen mit Raspberry Pi Media Center



Zugeordnete Tags #erstmalverstehen | PC | Raspberry Pi

Nach unserem Einführungsartikel zum Raspberry Pi geht es nun in medias res, denn in diesem Artikel erfährst du, wie du deinen Raspberry Pi als Media Center benutzt, um Videos, Bilder und Musik aus verschiedenen Quellen auf deinem Fernseher abzuspielen. Wir zeigen, wie du den Raspberry Pi mit der notwendigen Software einrichtest, Videos von YouTube streamst, Internet-Radio abspielst und Videos von deinem NAS oder einem USB-Stick abspielst.

Besonders ältere “Dumb”-TVs, die keine oder nur rudimentäre Multimedia-Fähigkeiten haben, profitieren von dieser Maßnahme und lassen sich somit im Nachhinein günstig und einfach “smart” machen. Das Beste daran: Dank genügend Leistung läuft Full-HD-Material auf dem Mini-PC ruckelfrei und die benötigte Software ist kostenlos erhältlich.

Schritt 1: Benötigte Hardware

Um das Media Center einzurichten, benötigst du zunächst einmal etwas Hardware. Da wäre der Raspberry Pi per se: Media-Center-Software gibt es zwar prinzipiell für jede der verschiedenen Raspberry-Pi-Revisionen, empfehlenswert aus Performance- und Komfortgründen ist jedoch ein Raspberry Pi 3 Model B+, denn diese Ausführung bietet die höchste Performance und zusätzlich noch integriertes WLAN und Bluetooth.

Besonderes Zubehör ist nicht notwendig: Ein ausreichend starkes Netzteil, Speicherkarte, Gehäuse und je nach Pi-Modell gegebenenfalls noch ein WLAN-Stick genügen. Wichtig ist hier noch das HDMI-Kabel für die Verbindung zum Fernseher, darüber wird auch gleich der Ton mit übertragen.

In manchen Fällen sind zusätzlich USB-Maus und Tastatur für die Ersteinrichtung notwendig, in der Regel funktioniert das aber auch einfach über die Fernbedienung des Fernsehers. Eine Netzwerkverbindung per WLAN oder Kabel ist natürlich auch noch notwendig. Mehr Informationen zum Zubehör findest du in unserem Einleitungsartikel zum Raspberry Pi.

Viel Technik auf kleinstem Raum: Raspberry Pi
Viel Technik auf kleinstem Raum: Raspberry Pi

Schritt 2: Auswahl des Betriebssystems

Für den Betrieb des Raspberry Pi als Media Center stehen speziell entwickelte Betriebssystem-Distributionen zur Verfügung, die genau auf diesen Einsatzzweck hin abgestimmt sind. Zentraler Bestandteil dieser Distributionen ist die Media-Center-Software Kodi, ergänzt um Raspberry-Pi-spezifische Treiber, Anpassungen und Konfigurationen. Aktuell sind die Varianten LibreELEC und OSMC populär. Bei LibreELEC handelt es sich um eine auf das Nötigste beschränkte Distribution, die sich wirklich nur für Media Center eignet, dafür aber mit flüssiger und schneller Bedienung punktet.

Wer seinem Raspberry Pi neben dem Media Center noch andere Aufgaben anvertrauen möchte, ist mit OSMC besser bedient: Diese Distribution bietet auch abseits der Media-Center-Software ein vollwertiges Betriebssystem und lässt sich damit vielseitiger einsetzen. Ganz gleich für welche der beiden Distributionen du dich entscheidest, beide starten letztlich die gleiche Media-Center-Software “Kodi”.

Schritt 3: Installation des Betriebssystems

Ist die Entscheidung für das Betriebssystem gefallen, gilt es im nächsten Schritt, die Software auf deinen PC oder Mac herunterzuladen und dann auf die microSD-Karte des Raspberry Pi zu transferieren. Auf den Websiten der Distributionen sind leicht zu bedienende Installer erhältlich, die dich in wenigen Schritten durch die Installation führen. Positiv: Im Installer für OSMC lässt sich die WLAN-Verbindung vorkonfigurieren, was die Ersteinrichtung deutlich vereinfacht und die mühevolle Eingabe von WLAN-Passwörtern erspart.

Nachdem du dich durch den Installer geklickt hast, prüfe noch einmal, ob du wirklich den richtigen Datenträger (nämlich die microSD-Karte!) zur Installation ausgewählt hast: Dieser wird formatiert und die gespeicherten Daten gehen unwiederbringlich verloren. Sobald die Installation abgeschlossen ist, kommt die Speicherkarte zurück in den Raspberry Pi, alles wird wieder verkabelt und sobald die Stromversorgung hergestellt ist, sollte der Raspberry Pi auch schon das Media Center booten. Wenn hier etwas nicht funktioniert, installierst du am besten die Software erneut auf der Speicherkarte.

Vorkonfiguration der WLAN-Verbindung im OSMC-Installer
Der LibreELEC-Installer ist einfach zu bedienen
Vorkonfiguration der WLAN-Verbindung im OSMC-Installer

Schritt 4: Erste Schritte in Kodi

Sobald der erste Start erfolgreich war, begrüßt dich Kodi mit einem unkomplizierten Ersteinrichtungsdialog. Bei vielen modernen Fernsehern kannst du einfach mit den Pfeiltasten auf deiner Fernbedienung durch Kodi navigieren; sollte das nicht funktionieren, schließt du zur Ersteinrichtung einfach Maus und Tastatur per USB an und bedienst Kodi später dann vom Smartphone aus.

Im Zuge der Ersteinrichtung solltest du auch eine Netzwerkverbindung per Kabel oder WLAN herstellen. Möchtest du Kodi per Smartphone bedienen, funktioniert das mit Apps wie “Kodi Remote” (offizielle App, verfügbar für iOS und Android) oder “Yatse” (Android only).

Wenn dein Smartphone mit dem gleichen WLAN verbunden ist, sollte dein Media Center automatisch von der App gefunden werden und du kannst dich einfach per Knopfdruck verbinden. Gegebenenfalls muss du noch die Steuerung per HTTP in Kodi aktivieren (Einstellungen -> Dienste -> Webserver).

Die App "Kodi Remote" findet das Media Center automatisch
Die App "Kodi Remote" findet das Media Center automatisch

Schritt 5: Mediendateien hinzufügen

Wenn nun eine Netzwerkverbindung hergestellt und eine Möglichkeit zur Fernbedienung gefunden ist, kann es losgehen: Der erste Schritt ist der Import deiner Film- und Musik-Bibliotheken (sofern vorhanden). Dazu navigierst du in Kodi auf den Punkt “Movies”, betrittst ihn mit Enter, gehst weiter zu “Files” und schließlich “Add Videos”. Im folgenden Dialog wählst du “Browse” und anschließend, welche Datenquelle du durchsuchen möchtest (beispielsweise NAS, USB oder Speicherkarte).

Nun hangelst du dich anschließend in den Ordner, in dem die Mediendateien liegen. Befindest du dich im Zielordner, wechselst du rechts zum Punkt “OK” und konfigurierst, welcher Medientyp im gewählten Ordner liegt (Filme/Serien/Musik etc.). Nach einem weiteren Klick auf “OK” werden die Dateien deiner Bibliothek hinzugefügt und mit Metadaten angereichert; im Anschluss kannst du im Hauptmenü unter den Punkten “Movies”, “TV Shows” und “Music” komfortabel durch deine Bibliothek browsen. Beachte jedoch bitte, dass du diesen Prozessschritt für jeden Medientyp einzeln anstoßen musst.

Deine Filme fügst du über den Punkt "Videos" hinzu
Weiter zu "Files"
Und "Add Videos"
Über "Browse" bekommst du
Eine Übersicht deines lokalen Netzwerks
Navigiere nun in den Ordner mit deinen Filmen
Wähle aus, welcher Medientyp hinzugefügt werden soll
Deine Filme fügst du über den Punkt "Videos" hinzu

Schritt 6: Add-ons installieren

Wenn dich die komfortablen Medienbibliotheken noch nicht so richtig begeistern, werden es spätestens die Add-ons tun, zu denen wir jetzt kommen. Mit Add-ons fügst du neue Funktionen zu Kodi hinzu; wir exerzieren das am Beispiel von YouTube durch. Die Add-ons installierst du aus App-Store-ähnlichen Bibliotheken, sogenannten “Repositories”. Um also das Add-on für YouTube zu installieren wechselst du im Hauptmenü von Kodi zum Punkt “Add-ons” und dann zu “Install from repository”.

Dort wechselst du ins “Kodi Add-on repository”, dann zu den “Video Add-ons”, scrollst zu “YouTube” und installierst das Add-on per Knopfdruck. Im Anschluss kannst du es im Hauptmenü von Kodi unter “Add-ons” starten, dich einloggen und auf deine YouTube-Bibliothek zugreifen.

Es gibt noch viele weitere Add-ons, beispielsweise für andere Streaming-Plattformen und Videodienste und natürlich auch Internet-Radio, die du auf die gleiche Weise installieren kannst. Der Vollständigkeit halber sei hier noch erwähnt, dass es abseits der offiziellen Repositories zahlreiche Add-ons gibt, deren Nutzung dann in der Regel mindestens im urheberrechtlichen Graubereich angesiedelt oder offenkundig illegal ist. Wir raten daher explizit vom Einsatz ab.

Zu den Favoriten lassen sich Dateien, Verzeichnisse und auch Funktionen von Add-ons hinzufügen
Installierte Erweiterungen finden sich unter dem Punkt "Add-ons"
YouTube findet sich unter den Video Add-ons
LibreELEC ist sehr genügsam in Bezug auf CPU und Speicher
In der Konfiguration der Add-ons finden sich zahlreiche Einstellungen
Ein Blick ins YouTube-Add-on
Die aktuelle Version von LibreELEC ist 8.2.5
Zu den Favoriten lassen sich Dateien, Verzeichnisse und auch Funktionen von Add-ons hinzufügen

In diesem Artikel hast du gelernt, wie du deinen Raspberry Pi als Media Center einrichtest, welche Software notwendig ist und was die wichtigsten Funktionen von Kodi sind. Außerdem hast du deine Medienbibliotheken und Add-ons hinzugefügt, die dir den Medienalltag versüßen. Berichte uns in den Kommentaren über deine Erfahrungen und deine liebsten Add-ons!

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